Das Potenzial liegt in der Fläche
Der Möbeleinzelhandel setzt immer noch verstärkt auf Fläche. Welches Energieeinsparpotenzial in den meisten Häusern schlummert, hat die Energieberatung beim VME-Mitglied Möbel Rudnick in Aurich ans Licht gebracht.
22.12.2014
Aurich, 27.10.2014 — Das Einrichtungshaus von Hans-Joachim und Ludwig Rudnick liegt mitten in Ostfriesland. Mit 40.600 Einwohnern ist Aurich die zweitgrößte Stadt dort. Eine Stadt mit Tradition. Seit 2004 können zweisprachige Ortsschilder in Hochdeutsch und Plattdeutsch aufgestellt werden.
Auch das Möbelhaus von Familie Rudnickhat Tradition. Ludwig Rudnick führt das 6.500 qm große Haus nun in dritter Generation. Vor 61 Jahren hat die Familie zunächst ein Modehaus eröffnet. Nach einigen Jahren kamen das Möbelhaus sowie ein Babymarkt hinzu. Bis heute ist das Unternehmen aber fest in Familienhand. "Und das wird auch so bleiben", betont der Junior-Geschäftsführer.
Von so viel Familiengeschichte den Bogen zur Energieeffizienz zu schlagen, ist nicht einfach. "Aber notwendig", sagt Robert Schmandt, kaufmännischer Geschäftsführer beim EinrichtungspartnerringVME. "Viele Händler beschäftigen sich mit den Energiekosten, sie wissen aber nicht, wie sie das Thema angehen sollen."
Ein Problem, das die meisten Verbundgruppen haben, weiß der Projektleiter Klima und Energie beim MITTELSTANDSVERBUND, Ernst Panse. Der Spitzenverband des kooperierenden Mittelstandes unterstützt seine Mitgliedskooperationen, darunter den VME Einrichtungspartnerring, bereits seit über zwei Jahren beim Energiesparen. "Das Potenzial ist riesig - sowohl in den rund 320 Zentralen, als auch in deren 230.000 angeschlossenen Handels-, Handwerks- und Dienstleistungsunternehmen", so Panse.
Durch eine Teilnahme an dem geförderten Projekt "Mittelstand für Energieeffizienz" erhalten Mittelständler einen professionellen und unabhängigen Energieberater an die Seite gestellt. Dieser deckt vor Ort im Unternehmen die Energiefresser auf und unterstützt auch bei der Umsetzung der empfohlenen Maßnahmen und der Beantragung von Fördermitteln. "Ohne das Energieeffizienzprojekt des MITTELSTANDSVERBUNDES wäre es nur schwer möglich, die Mitglieder bei diesem Thema zu unterstützen", erklärt VME-Geschäftsführer Schmandt. Trotz der zunehmenden Bedeutung sei das Energiesparen für Händler immer noch ein Randthema und die dort eingesetzten Ressourcen könnten an anderer Stelle dann fehlen.
Im Hause Rudnick hat die Analyse des Energieberaters Marcel Riethmüller die Geschäftsführung positiv überrascht: "Dass so viel Potenzial auf meiner Fläche schlummert, hätten wir nicht gedacht", staunt Ludwig Rudnick. Allein durch eine Reihe von nicht investiven Maßnahmen - also Effizienzmaßnahmen, die nur kein oder wenig Geld kosten - spart Familie Rudnick künftig rund 20.000 Euro im Jahr. "Ein Wert, der im Möbeleinzelhandel wohl regelmäßig erreicht werden kann", prophezeit der Energieeffizienz-Experte Panse.
Begleitend zu seinem Projekt hat DER MITTELSTANDSVERBUND eine Studie in Auftrag gegeben, die das durchschnittliche Einsparpotenzial in verschiedenen Branchen untersucht hat. Danach können Möbelhändler im Durchschnitt 41.000 Euro pro Jahr einsparen (Quelle: "Energieeffizienz in gewerblichen Verbundgruppen", Studie des MITTELSTANDSVERBUNDES, S. 32). Das Potenzial liegt in der Fläche und dort besonders in der Beleuchtung.
"Familie Rudnick hat die Beratung als Chance verstanden, nicht nur Kosten zu sparen, sondern auch die Gestaltung des Geschäfts zu verbessern", sagt Energieberater Riethmüller. Um das zu erreichen, musste der Experte die Ausstellungsflächen genau unter die Lupe nehmen, da die präsentierten Waren und Räume sehr unterschiedlich sind. Nun geht es an die Umsetzung weiterer Maßnahmen. Allein durch das Auswechseln der Lampen und Vorschaltgeräte kann der Mittelständler noch einmal ordentlich sparen.
Die Erfahrungen, die sie durch die Teilnahme am Projekt "Mittelstand für Energieeffizienz" machen konnten, werden in die energetische Verbesserung des Mode- und Babymarktes einfließen. Gerade weil zum Ende dieses Jahres einige Förderprogramme zunächst auslaufen, appelliert Senior-Chef Hans-Joachim Rudnick an seine Händlerkollegen, die Möglichkeiten des MITTELSTANDSVERBUND-Projekts noch zu nutzen: "Wer bei den Energiekosten nicht spart, wird auf Dauer nicht mehr mithalten können", so Rudnick.
Weitere Informationen:
Ernst Panse
Bereichsleiter Mitgliederservice
Bundesverband Kooperierender Mittelstand (BKM)
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