INTERSPORT Knudsen: KLIMAGIPFEL
Im Norden sagt man wohl "Schietwetter", wenn einem so richtig der kalte Wind und Regen in die Klamotten fährt. Wir machen in Kiel Station. Ziel ist das Geschäft unseres Aufsichtsratsvorsitzenden Knud Hansen in der Holstenstraße. Die älteste Fußgängerzone der Welt, wie Hansen erklärt. Der historische Charme ist der Bausubstanz der Ladenmeile an so mancher Stelle deutlich anzusehen.
03.07.2015
Kiel, 03.03.2015 — Wie viel mehr Energie muss ein Kieler Händler also aufwenden, um "Schietwetter" und alternder Bausubstanz zu trotzen? So genau ließe sich das nicht beziffern, aber der Zähler habe eifrig getickt. Für Hansen Grund genug, etwas zu unternehmen: "Das Energieeffizienzprogramm gepaart mit der Kompetenz der Energieberater haben mich überzeugt, wie sinnvoll so eine energetische Sanierung mit Unterstützung des MITTELSTANDSVERBUNDES ist."
Knud Hansen führt uns aufs Dach. Dort wird klar, was er meint. Ein echtes Ungetüm aus Stahl und Blech thront mächtig über INTERSPORT Knudsen, darin der sogenannte Kaltwassersatz. "Bevor ich mir vor Ort einen Einblick verschaffe, schaue ich mir bei Google Earth immer zuerst die Dächer an. Hier habe ich sofort gesehen, dass die Anlage mit dem riesigen Kaltwassersatz nicht mehr zeitgemäß ist", erläutert Energieberater Marcel Riethmüller. Die Lösung war eine Abkopplung der Lüftungsanlage und die Installation einer dezentralen Wärme- und Kälteversorgung.
Gleichzeitig kann Knud Hansen heute die Raumluft CO2-bedarfsgerecht steuern.
Ein Refresh der Beleuchtungsanlage durch neue Vorschaltgeräte und Leuchtmittel mit reduzierter Wattage komplettiert die Energiemaßnahmen. Und tatsächlich: Bei INTERSPORT Knudseninmitten der Kieler Fußgängerzone lässt sich gut geschützt vor Wind und Wetter einkaufen. Natürlich auch Regenjacken.
Ganz anders ist die Situation bei INTERSPORT Sporthof in Delmenhorst. Dort erwartet uns Inhaber und Geschäftsführer Julian Flocke auf einer Baustelle. Kabel hängen aus der Wand, lose Regale liegen auf dem Boden, abgeschraubte Paneele stehen im Raum. Flocke baut um. Das Traditionsunternehmen ordnet seine Verkaufsflächen neu. Das Geschäft mit Sportartikeln ist
nur ein Teil in der traditionsreichen Unternehmensgeschichte. "Wir sind die ältesten Einzelhändler in Delmenhorst und verkaufen unter dem Namen Strudthoff seit über 100 Jahren Lederwaren. Meinem Großvater kam dann über den Verkauf von Fußbällen aus Leder die Idee, auch Sport zu machen. Und inzwischen sind wir seit 1970 bei INTERSPORT", erzählt Julian Flocke. Dazu gibt es seit sechs Jahren ein Jeans-Geschäft, alles in einer Einkaufsstraße
Kampf gegen "Energiefresser"
Strudthoff stehe in der niedersächsischen Kleinstadt für Qualität, dies wolle man in Zukunft noch stärker betonen, so Flocke weiter. Künftig werden deshalb alle Geschäfte unter der Marke Strudthoff geführt: Leder-Strudthoff, Jeans-Strudhoff und INTERSPORT Strudthoff. Neben der Änderung im Namen investiert Familie Flocke fast eine halbe Million Euro in den Umbau des Sporthauses. Das heute noch sehr verwinkelte Geschäft bekommt eine neue Schaufensterfront und mehr Platz im Erdgeschoss. Aus diesem Grund ist Leder-Strudthoff auf eine neue Verkaufsfläche direkt gegenüber gezogen.
Klar, dass ein guter Kaufmann sich ganz genau überlegt, für welche Umbaumaßnahmen sein Geld eingesetzt wird. "Unser Ladenbau ist zum Teil 20 Jahre alt. Da war es verdammt Zeit, den Mut zu haben, in moderne Elemente und Technik zu investieren. Trotzdem ist man am Anfang etwas überrumpelt, wenn man hört, wir müssten eine Technikplanung, eine Energieplanung, eine Lichtplanung und all so etwas machen. Irgendwann sollten wir ja auch noch Sportartikel verkaufen", berichtet Flocke.
Die Entscheidung, sich im Rahmen der geplanten Umbaumaßnahmen auch intensiv mit der Erneuerung von typischen „Energiefressern“, wie Leuchten oder Belüftungsanlage zu befassen, fiel nach guten Gesprächen mit den Kollegen aus der Mitgliederbetreuung. Energiemanagerin Andrea Lutterbeck überzeugte Julian Flocke auf der Januar-Messe in Heilbronn und hat den
Kontakt zum Energieberater Marcel Riethmüller hergestellt. Ein Termin für die Energieberatung war dann schnell gefunden.
„Wir schauen uns die Objekte immer ganzheitlich an. Das fängt bei der Beleuchtungsanlage an, dann die Heizungsverteilung, Klimaanlage, bis hin zu geeigneten Messinstrumenten zur Nachverfolgung des tatsächlichen Energieverbrauchs. Und am Ende geht es dann ja auch um die sinnvolle Beantragung von Fördergeldern“, sagt Riethmüller. Händler werden bei einer Projektteilnahme nicht im Regen stehen gelassen. „Je nach umgesetzter Effizienzmaßnahme sind bis zu 30 Prozent Förderung möglich.“ Gute Argumente für die Planung. Diese lieferte auch der Austausch mit INTERSPORTlern, wie Knud Hansen, die bereits von echten Einsparungen berichten können.
Ein Drittel weniger Kosten

Mit Blick auf die in Echtzeit einlaufenden Daten huscht ein fast spitzbübisches Grinsen über Hansens Gesicht: "Es macht mir inzwischen richtig Spaß, auf den Zähler zu schauen und mit den Zahlen vor der Sanierung zu vergleichen. Das hat sich bei mir fast schon ein bisschen zum Sport entwickelt." Pro Jahr spart er heute effektiv rund 90.000 Kilowattstunden Strom ein. Das entspricht einer Senkung der Energiekosten von 34 Prozent. Da mag das "Schietwetter" noch so stark an der Fassade rütteln, auf die Verkaufsfläche gerechnet ergeben sich bei INTERSPORT Knudsen in Kiel durch die Effizienzmaßnahmen Einsparungen von 62 Kilowattstunden je Quadratmeter.
Den Spaß möchte sich Julian Flocke ebenfalls gerne gönnen. Und nicht nur das, auch bei Mitarbeitern und Kunden sollen die Effizienzmaßnahmen gut ankommen. "Die perfekte Einkaufsatmosphäre haben wir dann, wenn sich alle bei uns im Laden wohlfühlen, ohne dass sie genau wissen warum. Unsere Kunden sollen meinen, sie wären bei sich zuhause oder bei guten Freunden zu Besuch. Dafür braucht man das richtige Raumklima und das werden jetzt wir mit dem Umbau erreichen", gibt sich Flocke zuversichtlich. Am 8. Juli ist die Eröffnung. Delmenhorst darf gespannt sein.