BKM-Konjunkturumfrage: Strukturkrise belastet kooperierenden Mittelstand
Die wirtschaftliche Lage im kooperierenden Mittelstand bleibt im ersten Halbjahr 2026 deutlich angespannt. Neben anhaltenden Umsatz- und Ertragsrückgängen beobachtet der Bundesverband Kooperierender Mittelstand (BKM) eine breite Skepsis der Unternehmen gegenüber der aktuellen Wirtschaftspolitik. Dies geht aus der aktuellen Konjunkturumfrage unter den Mitgliedern des BKM zum 1. Halbjahr 2026 hervor.
01.07.2026
Laut der aktuellen Erhebung des Verbandes sind 87 Prozent der befragten Verbundgruppen wenig oder überhaupt nicht zuversichtlich, dass die angekündigten Reformen zu Bereichen wie Steuern, Sozialabgaben und Arbeitsmarkt der schwarz-roten Bundesregierung zeitnah und wirksam umgesetzt werden.
Angesichts der aktuellen Rahmenbedingungen sehen zudem 86 Prozent der Befragten derzeit selbstständiges Unternehmertum als überhaupt nicht oder kaum attraktiv.
Dazu Günter Althaus, Präsident Bundesverband Kooperierender Mittelstand (BKM):
„Die aktuellen Umfrageergebnisse sind ein klares Signal, dass wir eine wirtschaftspolitische Kehrtwende brauchen. Wenn der Glaube an die politische Reformkraft schwindet und das Unternehmertum an Attraktivität verliert, ist die Substanz unseres Wirtschaftsstandorts bedroht. Der Mittelstand benötigt jetzt keine punktuellen Kompromisse, sondern verlässliche Rahmenbedingungen und eine spürbare, strukturelle Entlastung in der Breite – insbesondere bei der Bürokratie und den Energiekosten. Nur durch entschlossenes und zügiges Handeln der Bundesregierung gewinnen die Unternehmen die nötige Planungssicherheit zurück.“
Umsätze und Erträge rückläufig
Die Ergebnisse der regelmäßigen BKM-Erhebung verdeutlichen die Ernsthaftigkeit der aktuellen Lage. Jeweils die Hälfte der befragten Verbundgruppenzentralen berichtet für das erste Halbjahr 2026 von rückläufigen Umsätzen (50 Prozent) und einer verschlechterten Ertragslage (50 Prozent). Auch die Erwartungen für die zweite Jahreshälfte sind von Zurückhaltung geprägt. So stellen sich 48 Prozent der Kooperationen auf sinkende Umsätze ein, während 41 Prozent mit weiteren Ertragsrückgängen rechnen.
Diese Entwicklung wirkt sich zunehmend auf die angeschlossenen mittelständischen Betriebe („Anschlusshäuser“) aus. Mehr als die Hälfte der Verbundgruppen (52 Prozent) registriert bei ihren Mitgliedern eine rückläufige wirtschaftliche Entwicklung. Bei 44 Prozent schrumpft in der Folge bereits die Zahl der Anschlusshäuser.
Investitionswille trotz Standortnachteilen stabil
Als primäre Ursachen für die Wachstumsbremsen identifizieren die Unternehmen vor allem strukturelle Rahmenbedingungen. Ganz oben auf der Prioritätenliste der drängendsten wirtschaftspolitischen Baustellen stehen administrative und finanzielle Belastungen: Für mehr als die Hälfte der Unternehmen gehört die hohe Bürokratielast (55 Prozent) zu den zwei am höchsten priorisierten Hemmnissen. Direkt dahinter folgen die hohen Energiekosten (51 Prozent) sowie die übermäßige Steuer- und Abgabenlast (38 Prozent) auf den Plätzen eins und zwei der Regierungsaufgaben.
Trotz dieser Widrigkeiten zeigen die Kooperationen Investitionsbereitschaft. Rund die Hälfte der Unternehmen hielt ihre Investitionen im ersten Halbjahr stabil – 22 Prozent verzeichnete einen Zuwachs. Für das zweite Halbjahr planen 29 Prozent mit steigenden Investitionsbudgets. Die Bundesregierung ist gefordert, schnell für Investitionssicherheit zu sorgen durch eine engagierte und verlässliche Politik. Ansonsten droht die Investitionsbereitschaft der Unternehmen ausgebremst zu werden.
Mittelstand fordert Übergang von der Ankündigung zur Umsetzung
Die Zwischenbilanz mehr als ein Jahr nach dem Antritt der schwarz-roten Bundesregierung fällt in den Unternehmen zurückhaltend aus. Fast die Hälfte der Befragten (45 Prozent) nimmt eher eine Verschlechterung der Rahmenbedingungen wahr, während 47 Prozent keine Veränderung feststellen. Lediglich 6 Prozent sehen bislang eine Verbesserung.
Über die Konjunkturumfrage
An der BKM-Konjunkturumfrage für das erste Halbjahr 2026 beteiligten sich 53 Verbundgruppenzentralen mit rund 50.000 angeschlossenen Unternehmen aus einem breiten Branchenspektrum. Hierzu zählen unter anderem der Möbelhandel, das Bäckerhandwerk, der Baustoehandel sowie Dienstleister und die Lebensmittelwirtschaft. Der Bundesverband Kooperierender Mittelstand (BKM) vertritt die Interessen von über 250 Verbundgruppen, denen rund 200.000 mittelständische Unternehmen angeschlossen sind.
Juliane Wehr-Ibold
Leiterin Kommunikation
Bundesverband Kooperierender Mittelstand (BKM)
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