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Internationalisierung - Suizidgefahr für Verbundgruppen-Manager?

Brisante Erkenntnis aus der Studie "Internationalisierungspotentiale für Verbundgruppen", die der Saarbrückener Universitätsprofessor Joachim Zentes in der DZ-Bank, Frankfurt, bei einer gemeinsamen Sitzung der ZGV-Arbeitskreise Internationalisierung und Mittelstandsfinanzierung vorstellte.

28.06.2007

Frankfurt, 18.6.2007. Nicht nur die Chancen, Möglichkeiten und Hemmnisse der Internationalisierung von Verbundgruppen aus Sicht des Managements waren hoch über den Dächern der Bankenmetropole Frankfurt Gegenstand einer gemeinsamen Sitzung der ZGV-Arbeitskreise Internationalisierung und Mittelstandsfinanzierung unter Leitung von ZGV-Hauptgeschäftsführer Dr. Ludwig Veltmann. Mit der geballten Kompetenz der Spezialisten der DZ-Bank und verwandter Institute wurden zudem die finanziellen Herausforderungen und Voraussetzungen für den geschäftlichen Schritt über die Grenzen ausgelotet.

Gastgeber und Vorstand der DZ Bank, Dr. Thomas Duhnkrack (li.), illustrierte bei seiner Begrüßung die Auswirkungen offenerer Grenzen sowohl in Europa als auch weltweit. Wer wirtschaftlich bestehen wolle, dürfe sich nicht isolieren oder auf Althergebrachtes stützen, sondern müsse die Potentiale der neuen Märkte und Akteure nutzen. Eine enge Verzahnung gerade auch der mittelständischen Unternehmen mit den spezialisierten Dienstleistern des Finanzsektors sei unerlässlich.

Professor Joachim Zentes (re.), H.I.Ma. Saarbrücken, bestätigte dies ausdrücklich. Seine Studie zum Thema "Internationalisierungspotentiale für Verbundgruppen“, die der ZGV-Arbeitskreis Internationalisierung fachlich und durch Expertise und Bereitstellung der Praxisdaten begleitet hatte, belege, dass Verbundgruppenmanager oft von falschen Voraussetzungen ausgehen. So sei die am häufigsten genannte Bedingung für das Engagement einer Verbundgruppe im Ausland das Vorhandensein von vergleichbaren Strukturen zum Heimatland. Im Einzelnen seien dies mittelständische Unternehmen in der eigenen Branche und die rechtlichen Rahmenbedingungen. Dies führe vielfach dazu, dass die Aktivitäten über den deutschsprachigen Raum im weiteren Sinne nicht hinaus gingen. In Osteuropa beispielweise könnten vorhandene Potentiale oft nicht gehoben werden, weil die in Deutschland bewährten Konzepte nicht auf die dortigen Wirtschaftsstrukturen passen. Erschwerend komme hinzu, dass das Verbundgruppenmanagement die Notwendigkeit einer Expansion ins Ausland den in der Regel regional orientierten Mitgliedern oft nur schwer vermitteln könne. Von den meisten Mitgliedern werde erwartet, dass das Verbundgruppenmanagement mit ganzer Kraft stets ausschließlich für sie tätig sei. Es fehle nicht nur die Einsicht in die Notwendigkeit einer Internationalisierung und die Erkenntnis über den Zusammenhang zur Zukunftssicherung des eigenen Unternehmens, sondern es mangele auch an Bereitschaft, dem Verbundgruppenmanagement grenzübergreifende Absatz- und Marketingaktivitäten zuzugestehen. „Manager, die ihre Gruppe im Ausland weiterentwickeln möchten, beschreiten damit nicht selten suizidale Pfade“ so die erschreckende Erkenntnis des Wissenschaftlers. So wundere es nicht, dass nur rund 40 Prozent der Internationalisierung in Verbundgruppen durch das Gruppenmanagement getrieben seien und die Geschwindigkeit grenzübergreifender Ausdehnung der untersuchten Verbundgruppen im Vergleich zu anderen Unternehmen ein von Trägheit geprägtes Bild vermittle („Ölfleckstrategie“).

Häufiger Impuls für internationale Absatzaktivitäten ist die Beschaffung in dem jeweiligen Zielland. In einer Zeit, in der der deutsche Einzelhandel bereits rund 60% seiner Waren im Ausland beschafft und dieser Anteil weiter wachse, sei dies nur allzu naheliegend. Mit dem steigenden Volumen verändere sich gegenwärtig das Beschaffungsmanagement radikal. Eine große Dynamik sei bei der direkten Beschaffung ohne Zwischenhändler im Ausland zu erwarten, denn diese helfe die Beschaffungskosten zu reduzieren und die Wettbewerbsfähigkeit im Inland zu stärken. Allerdings setze dies in der Regel eine andere Größenordnung der Orders voraus, so dass es zu Kooperationen der Kooperationen bei der notwendigen Logistik kommen könne, so Zentes. Auch diese Entwicklungen können die Präsenz der Verbundgruppen in den betreffenden Ländern absatzseitig beflügeln. Noch jedoch seien die Potentiale bei weitem nicht ausgeschöpft. In Relation zum übrigen Handel seien Verbundgruppen unterdurchschnittlich im Ausland vertreten, so der Befund. Die Eigentums- und Entscheidungsstrukturen in Verbundgruppen wirkten sich deutlich blockierend auf die grundsätzliche Haltung zu einer möglichen Internationalisierung aus, betonte Zentes. Bei einer absatzseitigen Betätigung im Ausland handle es sich zumeist um die Direktaufnahme von ausländischen Mitgliedern, auf die überwiegend die im Inland bewährten Geschäftsmodelle transferiert würden, so die Ergebnisse der Untersuchungen. Laut Professor Zentes würden die Chancen „vertikaler / straffer“ Geschäftsmodelle im Ausland nicht ausreichend genutzt.

In der anschließenden Diskussion unterstrich Professor Zentes, dass man gemäß der Devise „Follow the supplyer“ insbesondere im Osten in der Regel preislich nur bestehen könne, wenn man zum überwiegenden Teil lokal beschaffe. Als zusätzliche Hürde für Verbundgruppen erweise sich außerdem eine meist nicht vorhandene Zentralregulierungsstruktur- und Kenntnis vor Ort.

Bestätigt wurden die Erkenntnisse in dem hintergründigen und differenzierten Praxisbericht von Klaus Jost (li.), Vorstand der Intersport eG. Mit einer straffen Markenführung und einem systematischen Lieferantenmanagement habe die seit ihrer Gründung vor 50 Jahren bereits international geprägte Gruppe eine gute Marktdurchdringung realisieren können. Das Netz der aus nationalen Gesellschaftern und Lizenznehmern umspanne bereits weite Teile des Globus. Schon in wenigen Jahren werde die weltweite Expansion vollzogen sein. In vielen entfernteren Schwellenländern, etwa in China, könne dies nur mit einem konsequenten „hard-franchising“ realisiert werden. Kein Konzept sei jedoch in jedem Land ein Selbstläufer. Die kulturellen und politischen Bedingungen müssen stets gründlich erforscht und berücksichtigt werden. Jost brachte dies so auf den Punkt: „Wer in Russland in ein Einkaufzentrum in guter Lage will, der muss mehr haben als gute Zeugnisse.“ ..

Die beeindruckende Erfolgsgeschichte der Intersport und der fundierte Einblick in die unterschiedlichen Modelle und Herangehensweisen der Internationalisierung machten deutlich, dass die Strategie zur Internationalisierung der Intersport-Deutschland eng verzahnt ist mit der internationalen Intersport-Gruppe. Jost erläuterte hierzu die Aktivitäten der Intersport Deutschland in Polen sowie die der Intersport International in Dubai und China mit den jeweils länderspezifischen Geschäftsmodellen. Hilfreich sei in jedem Falle die international verwendbare Gruppenmarke ebenso gewesen, wie grenzübergreifende Exlusive-Marken der Gruppe gewesen, so Jost.

Am Nachmittag standen die Experten der DZ Bank und anderer Bankinstitute zu diversen Fragen und Aspekten der Internationalisierungsfinanzierung bereit.

Zum Themenkomplex „Öffentliche Förderung von Auslandsfinanzierungen“ bot Thomas Adelt von der DZ BANK eine umfassende Übersicht zu Finanzierungshilfen für Direktinvestitionen im Ausland oder Finanzierungshilfen für den Export auf nationaler und regionaler Ebene sowie zu den Fördermöglichkeiten der EU.

Jörg Poglits von der Volksbank International (VBI) aus Wien richtete den Fokus seines Beitrages auf Finanzierungslösungen für Aktivitäten auf mittel- und osteuropäischen Märkten und stellte die umfassende Bandbreite der unterschiedlichen Angebote der dort traditionell gut aufgestellten VBI dar, so beispielsweise für Investitionsprojekte deutscher Firmen in den MOE — Ländern mittels „Risk Sharing“.

Zu Auslandsinvestitionen insbesondere in den MOE—Ländern über Leasing informierte umfassend Rolf Schuster von der Wiener VB-Leasing International Holding GmbH. Ferner erläuterte er das auf Immobilien-Leasing ausgerichtete Service-Portfolio der ebenfalls in Wien ansässigen Tochtergesellschaft Immoconsult Leasinggesellschaft m.b.H

Pointiert führte Berd Sexauer, Geschäftsführer der DZ Equity Partner aus Frankfurt, in das Themenfeld Fremdfinanzierung ein und wusste versiert auf die Vorteile einer Zusammenarbeit mit Beteiligungsgesellschaften hinzuweisen, die seinen Worten nach „weder Heuschrecke noch Honigbiene“ seien, sondern bei diversen Anlässen wie Unternehmensnachfolge, Gesellschafterwechsel oder Unternehmenswachstum sinnvolle Hilfe bei der Finanzierung leisten könnten.

Mit seinem Vortrag zu Mergers und Aquisitions, kurz MA, als Katalysator der Auslandsexpansion zog Dr. Dirk Jungen, Leiter der MA Corporate Finance der DZ BANK, die Teilnehmer in seinen Bann. Am konkreten Beispiel der Beteiligung eines deutschen Unternehmens in Kroatien konnte er sehr deutlich grundlegende Voraussetzungen sowie die Dos und Dont´s bei einem Einstieg in ein osteuropäisches Unternehmen herausarbeiten und riet den Zuhörern, insbesondere auch auf die Feinheiten bei den oft sehr unterschiedlichen Gebräuchen und Sitten bei Geschäftsverhandlungen zu achten. Der Faktor Sprachhürde spiele unter Zeit und Kostenaspekten ebenfalls eine nicht zu unterschätzende Rolle, so Dr. Jungen.

Die anstehenden und möglicherweise negativen Auswirkungen der weiteren Entwicklung der SEPA (Single Euro Payments Area) insbesondere für den innerdeutschen Zahlungsverkehr schilderte in seinem abschließenden Vortrag Johannes Godbarsen, Operations Services DZ BANK. Godbarsen nannte es die „sanfte Revolution im europäischen Zahlungsverkehr mittels SEPA“, doch für viele Verbundgruppen bringen die möglichen Änderungen unter Umständen grundlegende Anpassungen in der Zahlungsabwicklung mit den Mitgliedern mit sich, da nach dem derzeitigen Stand der Verhandlungen mit einer Abschaffung des insbesondere in Deutschland etablierten und erprobten Lastschriftverfahrens zu rechnen ist. Hier stünde der Ständige Kreditausschuss der deutschen Banken in intensiven Verhandlungen, um in Kürze für Planungs- und Rechtssicherheit zu sorgen, so Godbarsen. Dr. Günter Schulte, Mitglied der ZGV-Hauptgeschäftsführung, bot den Teilnehmern an, hierzu über das neue ZGV-Büro Brüssel weitere Details zum Stand der Verhandlungen in Erfahrung zu bringen.

Für die Bereitstellung der Tagungsräumlichkeiten, die perfekte Tagungsorganisation vor Ort und die exzellenten fachlichen Beiträge dankte Dr. Veltmann der DZ-Bank (li. Bereichsleiter Dr. Altfried Lütkenhaus), Prof. Zentes und seinem Team und dem Intersport Vorstand Jost ausdrücklich und kündigte eine systematische Vertiefung der Themen im ZGV an.

Die Vorträge der Veranstaltung (der Beitrag von Herrn Jost wird in Kürze eingestellt) finden Sie hier als zip-Datei.


Der Buchband zur Studie „Internationalisierungspotentiale für Verbundgruppen“ von Prof. Zentes kann bezogen werden über die

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