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Energieeffizienz: Reden ist Silber, Handeln ist Gold

Die explodierenden Stromkosten sind im Wahlkampf ein großes Thema. Während die Politik nur diskutiert, nehmen Mittelständler wie das INTERSPORT-Mitglied Krumholz mit "Mittelstand für Energieeffizienz" das Zepter in die Hand und sparen dadurch viel Geld.

13.09.2013

Mülheim-Kärlich, 29.08.2013 — Die Energiewende und die explodierenden Stromkosten sind ein großes Thema – nicht nur im derzeitigen Wahlkampf. Die Zeitungen und Blogs sind prall gefüllt mit Artikeln, die auf die wohl größte gesellschaftliche Aufgabe seit der Wiedervereinigung aufmerksam machen. Während über die Notwendigkeit von Ausnahmetatbeständen für sogenannte energieintensive Unternehmen gestritten wird, wird fast einhellig eine grundlegende Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes gefordert.

"Ein Aspekt, der für den Erfolg der Energiewende entscheidend ist, wird in der öffentlichen Diskussion aber immer noch zu wenig berücksichtigt", stellt Dr. Ludwig Veltmann, Hauptgeschäftsführer des MITTELSTANDSVERBUNDES fest. "Es geht um das Thema Energieeffizienz. Besonders mittelständische Unternehmen haben in den vergangenen Jahren große Anstrengungen unternommen, um ihren Energieverbrauch und damit das CO2-Aufkommen zu reduzieren." So wurden im Rahmen des geförderten Projekts "Mittelstand für Energieeffizienz" bereits viele Energiefresser aufgedeckt und durch Modernisierungsmaßnahmen beseitigt. "Während die Politik ohne Plan herumeiert, zeigt der Mittelstand wieder einmal, dass er gesellschaftliche Verantwortung wahrnimmt und die Sache auch anpackt!"


Kooperationszentrale braucht Fürsprecher


" Krumholz ist das Beste, was mir passieren konnte", sagt Andrea Lutterbeck, Leiterin Technik, Energie FM bei der INTERSPORT Deutschland eG. Aufgabe der Architektin ist es seit 2011, die rund 1.000 Mitglieder der Sportfachhandelskooperation bei der Verbesserung ihrer Energieeffizienz zu unterstützen. "Um den Mitgliedern klar zu machen, dass ihre zukünftige Wettbewerbsfähigkeit auch hiervon abhängen wird, braucht eine Kooperationszentrale Fürsprecher", erklärt Lutterbeck.

Es ist Donnerstagvormittag, auf dem Parkplatz des INTERSPORT Krumholz Sportfachhandels in Mülheim-Kärlich ist einiges los. Der 34-jährige Geschäftsführer Oliver Krumholz sitzt entspannt auf einem Hocker in der Kaffeebar seines 2.400 qm großen Geschäfts. Es ist einer von zwei Standorten im Industriegebiet in der Nähe von Koblenz. "Nebenan haben wir auf weiteren 1.600 qm einen reinen Outdoor-Laden", sagt Krumholz, der die fünf Standorte des Familienunternehmens seit 2009 in dritter Generation führt.









Andrea Lutterbeck, Leiterin Technik, Energie FM, INTERSPORT Deutschland eG; Oliver Krumholz (r.), Geschäftsführer INTERSPORT Krumholz



Energieeffizienz erstmals bei Umbau 2006 berücksichtigt


Als im Jahr 2006 der Umbau in Mülheim-Kärlich anstand, erkannte Knut Krumholz die Bedeutung der Energieeffizienz und bat seinen Sohn, sich mit dem Thema zu beschäftigen. "Das war der perfekte Zeitpunkt, in das Familienunternehmen einzusteigen", sagt Oliver Krumholz. Der Diplom-Betriebswirt (BA) hatte zuvor einige Jahre in leitenden Positionen bei anderen Unternehmen Erfahrungen gesammelt. "Allerdings war die Einbeziehung von energetischen Gesichtspunkten in den Ladenbau für Architekten noch relativ neu", erklärt Krumholz.

(v.l.n.r.): Andrea Lutterbeck, Leiterin Technik, Energie FM, INTERSPORT eG; Oliver Krumholz, Geschäftsführer INTERSPORT Krumholz; Michaela Helmrich, DER MITTELSTANDSVERBUND

Deswegen wurden Fehler gemacht. So wurde zum Beispiel die neu installierte Belüftungsanlage nicht richtig eingestellt.


Leidenschaft für Energiesparen geweckt

Trotzdem war die Leidenschaft des Senior-Chefs geweckt. Auch nach seinem Abschied aus der operativen Geschäftsführung engagiert sich Knut Krumholz für das Thema Energiesparen. Als Vorsitzender des INTERSPORT-Beirats für Energie versucht er andere Mitglieder zu überzeugen, in die Energieeffizienz ihrer Geschäfte zu investieren. Krumholz ist außerdem stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender einer Energiegenossenschaft in der Region und engagiert sich so für eine regionale und dezentrale Energieversorgung.

"Mittelstand für Energieeffizienz" ist perfekte Lösung

Im Jahr 2011 startete Familie Krumholz am gleichen Standort einen neuen Anlauf. Dieses Mal beauftragten sie den Energieberater Dieter Oppenhäuser, der ihnen bis heute zur Seite steht. "Und dann ging auf einmal alles ganz schnell", erklärt Oliver Krumholz. Durch den Kontakt zu Andrea Lutterbeck erfuhr der junge INTERSPORT Krumholz-Geschäftsführer von dem MITTELSTANDSVERBUND-Projekt "Mittelstand für Energieeffizienz". Krumholz war schnell begeistert und nutzte die Möglichkeiten des vom Bundesumweltministerium geförderten Projekts, um sein "Allround"-Sportgeschäft energetisch noch einmal "general zu überholen". "Sie würden den Laden nicht wieder erkennen", sagt er.



Dieter Oppenhäuser, Energieberater:
"Bei INTERSPORT Krumholz wurde Vorhandenes so umgerüstet, dass es dem neuesten Stand der Technik und gleichzeitig den individuellen Bedürfnissen entspricht. Es wurde mit wenig Geld viel erreicht, nicht mit viel Geld lediglich noch ein wenig mehr."



"Der Energieberater ist wie Daniel Düsentrieb durch den Laden gefegt", sagt Andrea Lutterbeck schmunzelnd. Er habe alle vorhandenen Mängel aufgelistet. "Das ist ja aber auch seine Aufgabe", ergänzt die Expertin. Auch vor ihrer Tätigkeit bei INTERSPORT hat sie schon viele Unternehmen zur Energieeffizienz beraten und Umbaumaßnahmen begleitet. Anschließend wurde besonders zwischen Senior und Junior-Krumholz diskutiert, ob die vorgeschlagenen Maßnahmen auch wirtschaftlich sinnvoll sind. "Mein Vater ist ein Energie-Idealist", stellt Oliver Krumholz fest. Er selbst sei hingegen eher der pragmatische Wirtschaftler. So habe man sich ideal ergänzt und schließlich entschieden, welche Maßnahmen umgesetzt werden sollten.


Türme strukturieren Ladenfläche und sind Platzwunder

Besonders stolz ist Oliver Krumholz auf die vier Türme, die die 2.400 qm große Ladenfläche strukturieren. Diese Begeisterung ist nicht nur aus energetischen Gründen nachvollziehbar. Die Türme sind Präsentationsfläche, Anprobe und kleiner Lagerraum zugleich. "Dieses Konzept ist nicht nur innovativ, es ist vor allem platzsparend", erläutert Krumholz. Die Rückwände der Türme schaffen mehr Verkaufsfläche, indem sie Platz für eine innovative Produktpräsentation bieten, die für Krumholz schon spürbar den Umsatz gestärkt haben.

Der Lagerraum befand sich zuvor in einem Der Lagerraum befand sich zuvor in einem abgetrennten Bereich. Auch die Anprobe, die sich in einer Ecke des Geschäfts befand, benötigte deutlich mehr Platz. Außerdem war dieser Bereich durch die falsche Einstellung der Lüftungsanlage nicht ausreichend belüftet. "Besonders im Sommer haben unsere Kunden deswegen nicht gerne Sachen anprobiert", erklärt Krumholz. Die Anprobe befindet sich nun im Inneren der Türme. Ein kleiner Lagerraum findet in der zweiten Ebene der Türme Platz.



Stefan Rauchfuss, Architekt, 3F DESIGN:
"Das Ziel, die vorhandene Fläche in allen Bereichen – auch in der Höhe – optimal zu nutzen, dies unter der Bedingung den vorhandenen Altbestand größtenteils wiederzuverwenden, ist gelungen. Es müssen nun Feinjustierungen vorgenommen werden, welche alle Bereiche optimal koppeln."





Beleuchtung: der Klassiker

"Das Thema Beleuchtung ist bei allen Mitgliedern von uns ein Thema. Von den rund 70 bisher betrachteten Standorten, haben wir eine Einsparmöglichkeit im Bereich Verkaufsbeleuchtung von durchschnittlich 30 Prozent", erklärt Andrea Lutterbeck. In Mülheim-Kärlich wurde die vorhandene Beleuchtung energetisch saniert. Die Leuchtmittel sowie die elektronischen Vorschaltgeräte (EVG) wurden gegen energiesparendere Varianten ausgetauscht. "Wer zuvor in eine gute Beleuchtungsanlage investiert hat, kann nun durch die Sanierbarkeit sparen und zahlt im Durchschnitt pro Lichtpunkt die Hälfte", betont die INTERSPORT-Energieexpertin. Es sei also nicht immer notwendig, in eine komplett neue Beleuchtungsanlage zu investieren. Dies sei größtenteils unbekannt, sollte aber vor dem Hintergrund der reduzierten Entsorgungsmengen unbedingt beachtet werden. "Es muss aber für jeden Einzelfall geprüft werden, welche Lösung auch wirklich passt", erklärt die Architektin. Die viel gelobte LED-Technologie etwa gefalle nicht jedem Händler, denn das Lichtbild sieht noch anders aus, als viele es erwarten.

Damit Fehlinvestitionen vermieden werden, können INTERSPORT-Mitglieder verschiedene Strahlertechniken in der Zentrale in Heilbronn testen. "So können sie sehen, wie welches Licht wirkt und was gefällt. Licht ist ein sehr emotionales Thema, welches nicht ausschließlich über Zahlen entschieden werden sollte", sagt Lutterbeck.


Größtes Problem: Belüftungsanlage

Nicht nur seine Kunden haben die unzureichende Belüftung bemerkt. "Auch für meine Mitarbeiter waren einige Ecken des Ladens weniger beliebte Aufenthaltsorte", stellt Krumholz fest. Deswegen war klar, dass hier etwas geschehen musste. Erneuern wollte Krumholz die Anlage aber nicht. Schließlich war sie erst 2006 eingebaut werden. "Und Belüftungsanlagen sind immer eine große Investition". Für seinen Standort in Mayen wird er fast 300.000 Euro ausgeben müssen. "Als ich diese Summe gehört habe, bin ich fast vom Stuhl gekippt", erinnert sich Krumholz.

Glücklicherweise war die Steuerung der Anlage in Mülheim-Kärlich lediglich falsch eingestellt. "Da die Erschaffung von effizienten Erlebniswelten für Architekten noch relativ neu ist, sind solche Kommunikations-Probleme nicht unüblich", erklärt Lutterbeck. Deswegen sei es gut, dass die vom MITTELSTANDSVERBUND im Rahmen des Projekts "Mittelstand für Energieeffizienz" vermittelten Energieberater unabhängig sind. "Hersteller wollen natürlich ihre Produkte verkaufen".

Um solche Kommunikations-Probleme künftig zu vermeiden, verbinden die Architekten der Sportfachhandelskooperation nun die Aspekte des Ladenbaus mit der energieeffizienten Technik. "So können mögliche Synergieeffekte nicht mehr ungenutzt auf der Strecke bleiben", sagt Lutterbeck. Gemeinsam mit dem Ladenbauexperten der INTERSPORT, Volker Behrendt, hat die Architektin dafür ein Konzept erstellt. "Die enge Abstimmung zwischen Ladenbau und Technik ist entscheidend für den Erfolg der Konzepte bei unseren Mitgliedern", betont sie. Für die perfekte Einstellung der Belüftungssteuerung werde man zwar noch etwas Zeit benötigen. Trotzdem wird nun die Verkaufsfläche gleichermaßen mit Frischluft versorgt und temperiert. "Die Resonanz von Kunden und Mitarbeiter ist sehr positiv", erklärt Oliver Krumholz.


Großes Einsparpotential erwartet

Wie viel Energiekosten der INTERSPORT-Händler durch die Umsetzungsmaßnahmen einspart, wird er erst im kommenden Jahr feststellen können. " Rund 30.000 Euro werden es an diesem Standort schon sein!", erwartet Krumholz.


Nutzerverhalten als kritischer Erfolgsfaktor

"Wenn die Mitarbeiter nicht mitmachen, werden Sie den Verbrauch nicht senken können", sagtder INTERSPORT Krumholz-Geschäftsführer. "Falsches Nutzerverhalten führt zu einem erhöhten Verbrauch von bis zu 15 Prozent", ergänzt Andrea Lutterbeck. Das Team müsse sein gewohntes Verhalten ändern und das sei oft nicht einfach. Denn Menschen seien "Gewohnheitstiere". Oliver Krumholz setzt in seinen Häusern auf Transparenz. Jeden Monat erhalten seine Filialleiter eine Kopie der Energieabrechnung für ihren Standort. "Wenn der Verbrauch besonders hoch gewesen ist, frage ich sofort nach", sagt er. Langfristig werde der Kennwert "Verbrauch/Umsatz" Einfluss auf den variablen Anteil der Vergütung seiner Standortleiter haben. "Wer viel Energiekosten verursacht und wenig Umsatz einspielt, wird dies in seinem Portemonnaie merken", erklärt Krumholz.

DER MITTELSTANDSVERBUND plant derzeit, gemeinsam mit der INTERSPORT, Schulungen für Mitarbeiter zum verantwortlichen Energieverbrauch anzubieten. "Wenn ein Raum das ganze Jahr auf 22 Grad temperiert ist und mit Frischluft versorgt wird, muss kein Fenster geöffnet werden", erläutert Oliver Krumholz. "Diesen Prozess des Umdenkens bei seinen Mitarbeitern anzustoßen, wird eine wichtige Führungsaufgabe sein." Eine Schulung könne dabei helfen. "Wir müssen alle an einem Strang ziehen, damit der Mittelstand dauerhaft Energiekosten und CO2 einspart!"


Krumholz prüft Einsatz von Photovoltaik

Die Familienunternehmer Krumholz haben noch viel vor. "Stück für Stück werden wir einen Standort nach dem anderen energetisch fit machen." Sein Vater Knut Krumholz möchte in Mülheim-Kärlich eine Photovoltaik-Anlage auf das Dach setzen. Allerdings ist der Wind in der Gegend besonders stark und derzeit wird geprüft, ob es statische Bedenken gibt. "Manchmal muss ich ihn ein bisschen bremsen", erklärt Oliver Krumholz lächelnd. Doch gerade diese Leidenschaft im Handeln gepaart mit Verantwortung für die Zukunft und einem offenen Ohr für einen klugen Ratschlag sind letztlich die Erfolgsrezepte, die solche beeindruckenden Ergebnisse wie in Mülheim-Kärlich erst möglich machen.
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Ernst Panse | Bereichsleiter Mitgliederservice | Bundesverband Kooperierender Mittelstand (BKM)
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