Neue EU-Industriepolitik darf nicht zum Bürokratiemonster für den Mittelstand werden
Mit dem Industrial Accelerator Act (IAA) will die EU-Kommission Genehmigungsverfahren beschleunigen, strategische Industrien gezielt fördern und über „Buy European“-Vorgaben die heimische Produktion stärken. Ziel ist mehr Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz in geopolitisch unsicheren Zeiten. Doch der Ansatz birgt die Gefahr neuer bürokratischer Lasten und handelspolitischer Risiken.
16.03.2026
Hintergrund
Mit dem Industrial Accelerator Act verfolgt die EU das Ziel, die Nachfrage nach CO₂-armen Technologien und Produkten aus europäischer Herstellung gezielt zu steigern. Damit sollen Investitionen in industrielle Produktionskapazitäten angereizt und gleichzeitig die Transformation zu klimafreundlichen Produktionsprozessen beschleunigt werden.
Die Initiative ist Teil einer breiteren industriepolitischen Neuausrichtung der EU. Angesichts globaler Subventionsprogramme – etwa in den USA oder China – will die EU ihre strategische Autonomie stärken und Abhängigkeiten von Drittstaaten reduzieren. Konkret soll der Anteil der industriellen Produktion an der europäischen Wirtschaftsleistung langfristig wieder steigen: Bis 2035 soll der Anteil der Industrie am EU-BIP auf rund 20 Prozent wachsen.
Zentrale Punkte des Vorschlags
-
„Made in Europe“ und CO₂-Kriterien in öffentlichen Aufträgen: Ein Kernbestandteil des Gesetzes sind neue Anforderungen in der öffentlichen Beschaffung und in staatlichen Förderprogrammen. Öffentliche Auftraggeber sollen künftig verstärkt Produkte berücksichtigen, die in Europa hergestellt wurden oder besonders niedrige CO₂-Emissionen aufweisen.
Die Regelungen betreffen insbesondere strategische Industriezweige wie: Stahl, Aluminium und Zement, die Automobilindustrie sowie sogenannte Net-Zero-Technologien (z. B. Wärmepumpen, Batterien oder Wasserstofftechnologien). Damit will die EU gezielt Nachfrage nach klimafreundlichen und europäischen Produkten schaffen.
-
Beschleunigte Genehmigungsverfahren für Industrieprojekte: Der Industrial Accelerator Act sieht außerdem vor, Genehmigungsverfahren für industrielle Produktionsanlagen zu vereinfachen und zu digitalisieren. Dadurch sollen Investitionen schneller umgesetzt werden können und Projekte weniger häufig an langwierigen Verwaltungsprozessen scheitern.
-
Stärkere Kontrolle strategischer Investitionen: Der Vorschlag enthält zudem neue Regeln für ausländische Investitionen in strategische Industriebereiche. Große Investitionen sollen künftig stärker geprüft werden, um technologische Abhängigkeiten zu vermeiden und europäische Wertschöpfung zu sichern.
Erste Einschätzung aus Sicht des kooperierenden Mittelstandes
Viele Mitglieder des MITTELSTANDSVERBUNDES sind als mittelständische Handels-, Dienstleistungs- oder Handwerksunternehmen Teil komplexer industrieller Wertschöpfungsketten. Der Industrial Accelerator Act könnte daher indirekte Auswirkungen auf zahlreiche Geschäftsmodelle haben.
Einige im IAA vorgesehenen Ansätze, wie etwa die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren, gehen für die relevanten Branchen in die richtige Richtung. Eine spürbare Entlastung für die Breite der Wirtschaft bleibt jedoch aus. Statt für alle Unternehmen konsequent Bürokratie abzubauen, drohen vielmehr neue Hürden – etwa in der öffentlichen Vergabe oder bei Förderinstrumenten. Zusätzliche Auflagen, weitreichende Ursprungsnachweise und hohe Anforderungen bei sogenannten Leitmärkten belasten vor allem kleine und mittelständische Unternehmen. Das kostet Zeit, Geld und Wettbewerbsfähigkeit.
Entscheidend wird sein, dass die konkrete Ausgestaltung des Gesetzes mittelstandsfreundlich erfolgt und Bürokratie begrenzt bleibt. DER MITTELSTANDSVERBUND wird den weiteren Gesetzgebungsprozess daher aufmerksam begleiten und sich für pragmatische und mittelstandsorientierte Lösungen auf europäischer Ebene einsetzen.