MENÜ MENÜ

Genuss unter Druck: Wie sich der Süßwarenhandel 2025 behauptet

Die Domstadt Köln lädt vom 1. bis 4. Februar 2026 zur Internationalen Süßwarenmesse (ISM). Das Fazit des Handels zum alljährlichen Stelldichein der Süßwarenbranche fällt differenziert aus: Der Markt zeigt sich resilient, steht aber weiterhin unter hohem Kosten- und Regulierungsdruck. Das erklärte Dr. Henning Bergmann, Hauptgeschäftsführer DER MITTELSTANDSVERBUND, auf der Pressekonferenz zur ISM.

28.01.2026

Die Internationale Süßwarenmesse ist und bleibt für den Handel einer der wichtigsten Auftakte in das neue Geschäftsjahr. Auch 2026 zeigt sich hier erneut die Innovationskraft der Branche: klassische Markenprodukte, neue Geschmacksrichtungen, internationale Trends und funktionale Konzepte prägen das Messebild. Die zahlreichen angekündigten Einkaufsdelegationen unterstreichen die Bedeutung der ISM als zentrale Plattform für Sortimentsentscheidungen, Trendbeobachtung und den partnerschaftlichen Austausch zwischen Handel und Industrie.

Gerade in einem weiterhin anspruchsvollen wirtschaftlichen und politischen Umfeld ist diese Messe wichtiger denn je. Der Süßwarenmarkt steht exemplarisch für die großen Spannungsfelder unserer Zeit: zwischen Preis und Qualität, zwischen Nachhaltigkeitsanspruch und Wirtschaftlichkeit sowie zwischen Regulierung und unternehmerischer Realität.

Marktentwicklung 2025 – stabile Umsätze und Verschiebungen

Der Geschäftsverlauf 2025 im Süßwarenbereich war insgesamt stabil bis leicht positiv. Die Umsatzentwicklung lag gegenüber 2024 zwischen rund +2 und knapp +5 Prozent. Der Umsatzanteil von Süßwaren inklusive Speiseeis am Gesamtumsatz Food bewegte sich zwischen rund 9 und rund 13 Prozent.

Hinter diesen Zahlen verbergen sich Verschiebungen innerhalb der Warengruppen. Schokoladenwaren entwickelten sich bei einzelnen Unternehmen deutlich positiv mit Zuwächsen von bis zu rund 9 Prozent, Dauerbackwaren legten um rund 5 Prozent zu. Speiseeis zeigte sich trotz witterungsbedingt schwieriger Phasen insgesamt stabil bis leicht positiv mit Zuwächsen von rund 3 Prozent. Knabberartikel entwickelten sich volatil: Während einzelne Unternehmen Rückgänge von rund 5 Prozent verzeichneten, berichteten andere von einer eher neutralen Entwicklung. Ähnlich heterogen zeigte sich die Lage bei Zuckerwaren mit Spannbreiten zwischen leicht negativ und nahezu unverändert.

Zu den Rennern 2025 zählten insbesondere Schokoladenriegel, Sandwichgebäck, American Cookies, Biskuit- und Eiergebäck, Keks- und Waffelmischungen, Frucht- und Weingummi, Brause-, Kau- und Lutschbonbons, Freeze Dried Candy, Nussmixe mit Schokolade oder Gummibärchen sowie Speiseeis in Haushalts- und Multipackungen. Schwächer nachgefragt waren hingegen Oster- und Weihnachtsartikel, Weihnachtsstollen, Pralinen – insbesondere alkoholische Varianten –, Puffreis, Chips-Spezialitäten und klassische Glattchips, sowie vegane Artikel bei Schokolade und Speiseeis.

Diese Spannweite verdeutlicht: Der Markt ist in Bewegung. Gewinner sind Segmente, die entweder preislich attraktiv positioniert sind, einen klaren Mehrwert bieten etwa durch Vitamin- oder Protein-Claims oder aktuelle Trends aufgreifen.

Das Saisongeschäft war geprägt von Zurückhaltung. Ostern zeigte sich mengenmäßig rückläufig. Weihnachten kam vielfach erst in den letzten beiden Wochen vor dem Fest in Fahrt und war stark aktionsgetrieben.

Handelsmarken und Aktionsgeschäft gewinnen weiter an Bedeutung

Ein zentrales Merkmal des Jahres 2025 war die weiter steigende Bedeutung der Handelsmarken. Ihr Anteil am Süßwarenumsatz liegt inzwischen bei rund 15-30 Prozent. Handelsmarken sind dabei keine Konkurrenz zur Markenindustrie, sondern eine strategisch wichtige Ergänzung: Sie ermöglichen preislich attraktive Angebote, schnelle Reaktion auf Trends und sichern die Sortimentsvielfalt in einem hochpreissensiblen Markt.

Parallel dazu hat das Aktionsgeschäft weiter an Bedeutung gewonnen. Der Anteil der Promotions am Süßwarenumsatz liegt inzwischen bei rund 30 Prozent – einige Händler beziffern es sogar auf 35 Prozent.

Konsumverhalten: Zurückhaltung trifft auf bewussten Genuss

Das Konsumverhalten bleibt von hoher Preissensibilität geprägt. Viele Kundinnen und Kunden kaufen bewusster, vergleichen stärker und orientieren sich an Aktionen und Handelsmarken. Gleichzeitig bleiben Süßwaren für viele eine bewusste Belohnung – es wird selektiver, aber nicht grundsätzlich weniger gekauft. Außerdem reagieren Konsumenten weiterhin preisbewusst und sensibel z.B. auf kleinere Packungsgrößen.

Preisentwicklung und Einkaufssituation

Die Entwicklung der Ein- und Verkaufspreise war auch 2025 ein dominierendes Thema. Die Einkaufspreise stiegen gegenüber 2024 um rund 6 Prozent bei Süßwaren sowie um rund 5 Prozent bei Süßwaren einschließlich Speiseeis. Die Verkaufspreise erhöhten sich um rund 4 Prozent bei Süßwaren und um rund 4 Prozent inklusive Speiseeis.

Gleichzeitig bleibt die Rohstoffsituation angespannt. Die Kakaopreise sind zwar zwischenzeitlich leicht zurückgegangen, bewegen sich aber weiterhin auf hohem Niveau. Auch bei Haselnüssen und anderen Rohstoffen bestehen Preis- und Verfügbarkeitsrisiken. Planungssicherheit bleibt begrenzt.

Trends: Mehrwert, Social Media und Eigenmarken

Bewussteres Snacking, zuckerreduzierte Produkte, pflanzenbasierte Konzepte und funktionale Süßwaren mit Mehrwert entwickeln sich weiter. Social Media beschleunigt Trendzyklen massiv: Matcha, Dubai-Schokolade, Freeze-Dried Candy oder asiatische Spezialitäten erzeugen kurzfristig hohe Nachfrage.

Auch hier spielen Handelsmarken eine zunehmend wichtige Rolle, da sie Trends schneller, flexibler und preislich attraktiver abbilden können. Bei Speiseeis entwickeln sich insbesondere neue Geschmacksrichtungen, Multipacks und Eigenmarken positiv.

Nachhaltigkeit und Regulierung: Entlastung – aber kein Freifahrtschein

Die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen bleiben ein zentrales Thema. Die EU-Entwaldungsverordnung wurde zwar verschoben, verursacht aber bereits heute erhebliche Aufwände in Organisation, Dokumentation und Risikoanalyse. Auch Werbe- und Vermarktungsbeschränkungen für zuckerhaltige Produkte sowie umwelt- und gesundheitspolitische Vorgaben wirken direkt auf Sortiment, Verpackung und Marketing. Die Einigung auf das Omnibus-I-Paket ist ein wichtiges Signal. Die Anhebung der Schwellenwerte, der Wegfall der Klimaplanpflichten und verlängerte Übergangsfristen bringen dringend benötigte Entlastung. Wichtig ist nunmehr eine zeitnahe und einheitliche Umsetzung der Entlastungen in allen Mitgliedstaaten. Für den Handel ist klar: Nachhaltigkeit ja – aber praxistauglich. Wir brauchen planbare, umsetzbare und verhältnismäßige Regelungen. Der Bürokratieabbau muss endlich Realität werden, nationale Verschärfungen über EU-Vorgaben hinaus würden die Wettbewerbsfähigkeit des mittelständischen Handels weiter schwächen.

Ausblick 2026

Für 2026 erwarten wir leichte Absatzsteigerungen. Handelsmarken werden weiter an Bedeutung gewinnen, das Aktionsgeschäft bleibt hoch, der Margendruck bestehen. Gleichzeitig bleiben Promotions, Events und Social-Media-Trends wichtige Impulsgeber.

Insgesamt zeigt sich: Der Süßwarenhandel ist resilient und innovationsbereit – national wie international. Trotz hoher Rohstoffpreise, regulatorischer Unsicherheiten und verhaltener Konsumstimmung gelingt es dem Handel, Sortimente attraktiv zu gestalten, Trends aufzugreifen und den Kundinnen und Kunden Genuss zu bieten. Die ISM 2026 ist dafür der ideale Ort.

Zurück zur Übersicht