Bürokratie und Nachfrageunsicherheit bremsen den kooperierenden Mittelstand – Zukunftsvertrauen sinkt
Konjunkturumfrage Q3/2025: Mehrheit bewertet Lage nur als „befriedigend“ – 68 Prozent sehen Standort Deutschland kritisch – MITTELSTANDSVERBUND fordert entschlossenen Bürokratieabbau
06.11.2025
Einen Tag nach der Sitzung des Entlastungskabinetts der Bundesregierung blickt der kooperierende Mittelstand mit gemischten Erwartungen nach Berlin. Die aktuelle Konjunkturumfrage des MITTELSTANDSVERBUNDES unter seinen Mitgliedern zeigt: Die wirtschaftliche Stimmung im kooperierenden Mittelstand bleibt angespannt und Bürokratie, Unsicherheit und hohe Standortkosten bremsen viele Betriebe weiterhin aus.
So bewerten 58 Prozent der Unternehmen ihre Lage im dritten Quartal 2025 als befriedigend, nur 20 Prozent als gut, während 22 Prozent sie bereits als schlecht einschätzen. Zwar zeigen sich einzelne Stabilisierungstendenzen, doch das gesamtwirtschaftliche Vertrauen sinkt: 68 Prozent beurteilen die Zukunftsfähigkeit des Standorts Deutschland als sehr oder mindestens eher negativ.
„Die Stimmung im kooperierenden Mittelstand ist ernüchternd – zu viel Bürokratie, zu wenig Planungssicherheit. Viele Unternehmen stemmen sich mit aller Kraft gegen die Unsicherheit am Markt, stoßen aber zunehmend an ihre Grenzen. Das angekündigte Entlastungspaket der Bundesregierung vom 5. November kommt zur rechten Zeit – entscheidend wird aber sein, ob es wirklich Wirkung entfaltet. Denn das Vertrauen der Unternehmen in den Standort Deutschland bröckelt.“, betont Dr. Henning Bergmann, Hauptgeschäftsführer DER MITTELSTANDSVERBUND. „Was die Betriebe brauchen, ist endlich politische Entlastung und Vertrauen in stabile Rahmenbedingungen. Sonst bleibt Deutschland wirtschaftlich auf der Bremse.“, so Bergmann weiter.
Umsatz und Erträge stagnieren – Investitionen bleiben auf dem Prüfstand
Beim Umsatz melden 37 Prozent der Verbundgruppenzentralen für das 3. Quartal 2025 rückläufige Werte, 30 Prozent gleichbleibende und 33 Prozent steigende. Für den weiteren Jahresverlauf überwiegt die Vorsicht: Nur 24 Prozent der Verbundgruppen erwarten steigende Umsätze, 35 Prozent rückläufige.
Auf Ebene der Anschlusshäuser zeigt sich das Bild noch gedämpfter: Hier melden 44 Prozent stabile Umsätze, aber 37 Prozent Rückgänge und nur 13 Prozent Zuwächse.
Auch bei den Erträgen überwiegt der Druck – 41 Prozent berichten von rückläufigen Ergebnissen, während nur ein Fünftel (20 %) steigende Erträge erzielte.
Die Investitionstätigkeit stagniert: 26 Prozent investierten in Q3 2025 stärker als noch im gleichen Zeitraum 2024, 24 Prozent weniger, die Mehrheit (50 %) hielt sich konstant. Eine ähnliche Zurückhaltung zeigt sich für den Rest des laufenden Geschäftsjahres.
Die Beschäftigtenzahlen präsentieren sich stabil: Zwei Drittel (67 %) der Unternehmen hielten ihre Mitarbeiterzahl im 3. Quartal 2025, während 13 % aufbauten und 20 % reduzierten. Für das Gesamtjahr erwarten 78 % der Kooperationen gleichbleibende Beschäftigung. „Viele Unternehmen investieren deutlich vorsichtiger – und das nicht aus Mangel an Ideen. Wenn die Politik die Bremsen nicht löst, drohen wir jedoch an Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren.“, so MITTELSTANDSVERBUND-Hauptgeschäftsführer Dr. Henning Bergmann.
Wachstumsbremsen: Bürokratie und Nachfrageunsicherheit an der Spitze
Auf die Frage nach den größten Wachstumshemmnissen nennen die Unternehmen aus dem kooperierenden Mittelstand vor allem die Nachfrageunsicherheit (31 %) und Bürokratie (27 %), gefolgt vom Fachkräftemangel (19 %) und den Energiekosten (10 %).
Ein alarmierendes Signal: 85 Prozent der Unternehmen und damit mehr als 8 von 10 Kooperationen berichten von gestiegener bürokratischer Belastung im Vergleich zu vor drei Jahren – die Hälfte sieht dies sogar deutlich.
Auch Nachhaltigkeits- und Berichtspflichten wie das Lieferkettengesetz oder ESG-Vorgaben setzen viele Betriebe unter Druck: Über die Hälfte (54 %) fühlt sich dadurch eher stark oder sehr stark belastet.
MITTELSTANDSVERBUND zum Entlastungspaket
Mit dem Entlastungspaket vom 5. November will die Bundesregierung den Bürokratieabbau beschleunigen. DER MITTELSTANDSVERBUND begrüßt diesen Ansatz – „Wichtig ist aber, sich jetzt in den ‚Sofortprogrammen‘ nicht zu verzetteln.“, so MITTELSTANDSVERBUND-Hauptgeschäftsführer Dr. Henning Bergmann. „Was der Mittelstand jetzt braucht, sind nicht nur langfristig angelegte Ankündigungen, sondern mehr spürbare Vereinfachung – insbesondere beim Berichtswesen und bei Genehmigungsprozessen.“
Zwar stecken im Paket auch strukturell wichtige Maßnahmen – etwa zur Beschleunigung von Infrastrukturprojekten und zur Verwaltungsmodernisierung – doch der unmittelbare Druck auf viele Mittelständler bleibt bestehen.
Eine EU-Beschleunigungsagenda könne zwar hilfreich sein, delegiere die Verantwortung aber teilweise nach Brüssel. „Die Entlastung muss in Deutschland ankommen – in den Betrieben, nicht nur in den Konzeptpapieren.“, betont Bergmann.
Wettbewerbsfähigkeit unter Druck – klare politische Erwartungen
Steigende Betriebskosten und Regulierung gefährden zunehmend die Wettbewerbsfähigkeit: Mehr als ein Drittel (34 %) der Unternehmen empfindet die Belastung als stark oder existenzbedrohend, fast die Hälfte (48 %) bezeichnet sie als spürbar, aber immerhin verkraftbar.
Entsprechend deutlich sind die politischen Erwartungen:
- 41 % der Unternehmen fordern einen Abbau von Bürokratie,
- 22 % eine Senkung von Steuern und Abgaben,
- 15 % eine bessere Fachkräftepolitik
„Der Mittelstand braucht wieder Luft zum Atmen – keine neuen Auflagen, sondern echte Entlastungen. Politik und Verwaltung müssen den Mut haben, Bürokratie konsequent zu streichen und wirtschaftliche Vernunft voranzustellen. Der Standort Deutschland braucht einen Befreiungsschlag.,“ so Dr. Henning Bergmann, Hauptgeschäftsführer DER MITTELSTANDSVERBUND. „Bürokratieabbau, praxisgerechte Regulierung und die Fachkräftesicherung müssen jetzt ganz oben auf die politische Agenda.“
Über die Konjunkturumfrage
An der Konjunkturumfrage des MITTELSTANDSVERBUNDES zum 3. Quartal 2025 beteiligten sich 46 Unternehmen aus 15 Branchen. Diese repräsentieren mehrere tausend angeschlossene mittelständische Unternehmen. Abgefragt wurden unter anderem Einschätzungen zur wirtschaftlichen Lage, Umsatz-, Ertrags- und Investitionsentwicklung sowie politische Erwartungen.
Juliane Wehr-Ibold
Leiterin Kommunikation
Bundesverband Kooperierender Mittelstand (BKM)
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