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Katja Mendel, SPORT 2000 Retail Format Manager und Head of GREEN VISION

Nachhaltigkeit in der Praxis: Interview mit Katja Mendel (SPORT 2000)

Nachhaltigkeit braucht Menschen, die nicht nur mit Fachwissen, sondern vor allem mit Leidenschaft vorangehen. Katja Mendel ist eine von ihnen: Als Retail Format Manager Outdoor bei SPORT 2000 prägt sie die Nachhaltigkeitsstrategie des Verbundes mit Ideenreichtum, Erfahrung und einer unverwechselbaren Energie.

14.05.2025

Im Gespräch mit Dr. Sabine Schäfer, Leiterin Energie und Umwelt, erzählt sie, wie der Wandel in der Praxis gelingt, warum Zuhören ein Erfolgsfaktor ist und was Kinder, Fachhändler und bemalte Steine miteinander zu tun haben.

Liebe Katja, wenn Du auf Deine ersten Monate als Retail Format Manager Outdoor bei Sport 2000 zurückblickst – wie würdest Du Deinen Aufgabenbereich selbst kurz beschreiben? Gab es einen persönlichen Aha-Moment, der deutlich machte: "Genau deshalb habe ich mich für diese Aufgabe entschieden"?

Katja Mendel (lacht): Die Bezeichnung Retail Format Manager umfasst bei SPORT 2000 ganz unterschiedliche Bereiche. In erster Linie habe ich eine beratende Funktion für alle Händlerinnen und Händler, die ihren Schwerpunkt auf den Outdoor-Bereich legen. Meine Aufgabe ist es, sie bei Fragen zur Sortimentsauswahl, -optimierung, Warenpräsentation und zur Endverbraucherkommunikation zu unterstützen. Kurz gesagt: Ich bin das Bindeglied zwischen unseren internen Fachabteilungen und den Sportfachhändlern.

Warum ich mich für diesen Job entschieden habe? Ganz einfach: Aufgrund des Fachkräftemangels musste ich schweren Herzens mein eigenes Sportfachgeschäft schließen. SPORT 2000 kannte ich zu diesem Zeitpunkt bereits sehr gut, da mein Geschäft viele Jahre Mitglied der Outdoor EXPERTS war - die enge Verbindung zur SPORT 2000 bestand also schon sehr lange. Als die Anfrage kam, ob ich mir vorstellen könnte, mein Wissen und Netzwerk künftig für andere Händler über die Zentrale einzubringen, musste ich nicht lange überlegen.

Bleiben wir beim Thema Zukunft: Nachhaltigkeit ist mit Sicherheit auch im Sportfachhandel kein Selbstläufer - du packst das Thema mutig an und treibst es mit spürbarem Engagement voran. Woher kommt die Energie, gerade bei so komplexen Themen wie Klima und Nachhaltigkeit nicht nachzulassen?

Meine Energie ziehe ich aus dem, was wir schützen sollten. Die Bilder von Umweltproblemen sind bekannt, aber mir geben vor allem Bilder von intakten Wäldern Kraft: Das gilt es zu bewahren. Dazu kann man auch im Sportfachhandel einen Beitrag leisten: Denn der Handel lebt dieses Thema seit vielen Jahren. Nachhaltigkeit wird dort längst praktiziert – oft im Stillen und aus Überzeugung. Aber es kann ermüdend sein, wenn wir uns im ersten Schritt gleich 100 Prozent abverlangen, obwohl strukturell vielfach gar nicht alle Voraussetzungen dafür gegeben sind.

Als Verbundgruppe versuchen wir, genau da anzusetzen: Wir bündeln unsere Kräfte, wenn der Einzelne nicht mehr weiterkommt. So verstehe ich auch meine Rolle. Viele unserer Händler engagieren sich bereits stark für Nachhaltigkeit. Sie reparieren vor Ort, sie sortieren Müll – oft einfach aus Überzeugung. Hier sehe ich mich hier als Verstärker: Ich unterstütze, gebe Impulse, helfe, Orientierung zu schaffen. Genau das ist unser Weg bei SPORT 2000 im Rahmen unserer GREEN VISION Strategie, die dank der starken Rückendeckung unserer Geschäftsführung inzwischen fest in der DNA der Gesamtstrategie verankert ist.

Reicht dieses Engagement allein, um das Thema Nachhaltigkeit voranzubringen?

Wir gehen Schritt für Schritt voran. Es braucht Regeln, ja – aber ich bin kritisch gegenüber dem Anspruch, immer gleich mit dem Rennrad loszufahren, obwohl wir noch nicht einmal sicher auf dem Laufrad unterwegs sind. Wir fordern ständig 100 Prozent, von unseren Händlern, unseren Mitmenschen, uns selbst. Dabei sehen wir oft nicht, wie viel schon geleistet wird.

Nachhaltigkeit ist kein Selbstläufer, aber sie läuft, und zwar seit Langem. Ich denke, wir sollten aufhören, jedes Engagement mit dem Etikett "nachhaltig" zu versehen. Stattdessen sollten wir verständlich kommunizieren, worum es wirklich geht. Denn das ist eines der größten Probleme: Wir verlieren Menschen, weil wir nicht mehr verständlich sprechen. Wir müssen lernen, wieder so zu kommunizieren, dass wir Menschen mitnehmen, da es uns alle betrifft.

Sport bedeutet für viele Menschen Freiheit und Leidenschaft. Wie gelingt es Dir, dieses Gefühl in Themen wie CO₂-Bilanzen, Reparaturen, Kreislaufwirtschaft und Gebäudetechnik zu übersetzen – ohne dass der Funke verloren geht?

Du sprichst einen wichtigen Punkt an und wir landen direkt wieder beim Thema Kommunikation: Wie vermitteln wir komplexe Inhalte so, dass sie verständlich und motivierend wirken? Ein großer Meilenstein war hier für uns der Start der Klimaprofi-Beratung, gemeinsam mit Dir und dem Klimaverbund Mittelstand des MITTELSTANDSVERBUNDES. Die Beratung bildet das Fundament, ergänzend arbeiten wir mit erfahrenen Dienstleistern zusammen und gehen mit Bernd Heß, einem unserer Klimaprofi-Berater, gemeinsam direkt in die Geschäfte der Händlerinnen und Händler vor Ort.

Katja Mendel, SPORT 2000 Retail Format Manager und Head of GREEN VISION

Was uns dabei besonders wichtig ist: Wir sprechen nicht nur über Zahlen, sondern zeigen ganz konkret, was möglich ist. Wir dokumentieren beispielsweise die Veränderung der Beleuchtungssituation: Wie sah das Geschäft vorher aus? Wie wirkt es nach der Umstellung? Das führt nicht nur zu Energieeinsparungen, sondern auch zu einer deutlich besseren Warenpräsentation. Und genau hier entsteht der Aha-Moment: Nachhaltigkeit bringt ganz konkrete Vorteile auf vielen Ebenen: optisch, wirtschaftlich und atmosphärisch. Wichtig ist: Viele unserer Händler leben Nachhaltigkeit schon seit Jahren – ohne sie als solche zu benennen. Für sie ist es einfach guter Service. Und genau das müssen wir sichtbar machen.

Das erfordert aber einen gesamtheitlichen, strategischen Ansatz – oder?

Genau, GREEN VISION ist kein Einzelprojekt, sondern Teil unserer Gesamtstrategie. Themen wie CO₂-Bilanzen oder Gebäudetechnik betrachten wir nicht isoliert – sie gehören zum großen Ganzen, zur Unternehmensentwicklung. Und wenn Händler sehen, wie viel sie durch eine gezielte Beratung einsparen können – finanziell wie energetisch –, dann steigt die Bereitschaft zur Umsetzung. Wir holen unsere Händler genau da ab, wo sie stehen. Nach einer Vor-Ort-Begehung treffen wir uns in der Regel nach etwa vier Wochen erneut – dann mit ganz konkreten Empfehlungen, Bildern, Berechnungen. Und: Nach einem Jahr erhalten sie auf Wunsch eine Klimaverbund/SPORT 2000-Urkunde mit klarer Bezifferung der eingespartenCO₂-Emissionen sowie eine Auswertung, die sie in ihrer Kommunikation sowohl nach innen als auch nach außen aktiv nutzen können.

Die Qualifizierung von Bernd Heß zum Klimaprofi – über eine Ausbildung beim MITTELSTANDSVERBUND – hat den Anstoß für ein Beratungsangebot für die angeschlossenen SPORT 2000 Fachhändler gegeben, das inzwischen weit über einzelne Standorte hinausgeht und auf enorme Resonanz trifft. Wann wurde Dir klar, dass hier mehr entstanden ist als ein Pilotprojekt?

Da sind wir wieder bei den berühmten "100 Prozent". Ich erwarte nie, dass sofort alle aufspringen. Aber ich sehe die kleinen positiven Signale, die viel mehr sagen: Wenn ein Händler zum Beispiel erzählt, dass sein Geschäft durch die neue Beleuchtung ganz anders wirkt. Oder wenn wir bei einem Jubiläum eine Baumurkunde überreichen und sie später stolz im Laden hängt, sichtbar für alle. Das sind für mich die echten Indikatoren. Sie zeigen: Das Thema kommt an. Es wirkt. Und das überträgt sich: Wenn Händler nach außen sichtbar kommunizieren, was sie tun, dann entsteht dieses positive Momentum, dieser "Vibe", den man weitergeben muss. Genau das erleben wir bei der Klimaprofi-Beratung.

Was wir hier gemeinsam aufgebaut haben, funktioniert, weil wir als Menschen gemeinsam mit den Händlerinnen und Händlern auf Augenhöhe sprechen. Weil wir uns wirklich jedes Unternehmen individuell anschauen, ob kleines Fachgeschäft mit 250 Quadratmetern oder große Händler mit fünf Filialen und eigenem Logistikzentrum. Die Verantwortung, die wir dabei spüren, ist groß und wir nehmen sie sehr ernst. Denn im Kern geht es darum, eine bessere, zukunftsfähige Perspektive für Unternehmen, Menschen und unsere Branche zu schaffen.

Beim Besuch eines Outdoor-Fachhändlers in Berlin ging es im Rahmen der Klimaprofi-Beratung von Bernd Heß nicht nur ums Licht – sondern buchstäblich vom Verkaufsraum über den Keller bis aufs Flachdach. Wie fällt das Feedback der Fachhändler aus und was sind aus Deiner Sicht die drei wichtigsten Erkenntnisse, die aus solchen Beratungen immer wieder hervorgehen?

Bernd Heß bei CAMP 4 in Berlin, einem Händler von SPORT 2000.Die wichtigsten "Topics" sind für mich immer dieselben: Wir beginnen jede Beratung mit einer einfachen Frage: Wo seht ihr selbst den größten Hebel?

Denn das ist entscheidend: Der Händler vor Ort weiß meist sehr genau, wo er gerne ansetzen würde. Ihm fehlt aber vielleicht die Energie, die Erfahrung oder die passende Unterstützung. Genau da setzen wir an - nicht belehrend, sondern im Dialog. 

Meine drei wichtigsten Erkenntnisse sind:

  1.  Offenheit zu schaffen, ist der erste und wichtigste Schritt.
  2. Verantwortung spiegeln, nicht nur betriebswirtschaftlich, sondern auch persönlich.
  3. Nachhaltigkeit darf kein externes Projekt im Unternehmen sein.

Wenn es um Investitionen geht, reden wir nicht über Zahlen in der Theorie, sondern zeigen Respekt vor der Tragweite solcher Entscheidungen. Dass jemand Verantwortung für Mitarbeitende, Kundschaft und das Unternehmen trägt, ist uns bewusst. Nachhaltigkeit ist bei uns nicht an ein Projektteam "ausgelagert", sondern wird von allen Mitarbeitenden bei uns getragen.

Wenn Du SPORT 2000 in drei Jahren denkst: Woran würdest Du merken, dass sich der Einsatz für Nachhaltigkeit gelohnt hat?

Drei Jahre sind eine lange Zeit und früher haben wir als Händler oft gesagt: Was machen wir nächstes Jahr für ein Projekt? Heute ist das anders: Für Händler wie Industrie und auch für uns als Verbundgruppe ist die Herausforderung eher: Was passiert nächste Woche? Oder sogar morgen?

Ich wünsche mir, dass GREEN VISION bei SPORT 2000 in drei Jahren so sichtbar gewachsen ist wie ein Baum. Natürlich braucht dies Zeit, aber wir arbeiten intensiv an ausreichender Standfestigkeit und Stabilität. Ich bin überzeugt: Unser größtes Potenzial liegt darin, unsere Strategie nicht nur mit unseren Händlern, sondern auch mit weiteren Verbundgruppen und Partnern gemeinsam zu leben. Deshalb schätze ich den Austausch mit dem MITTELSTANDSVERBUND besonders. Dort treffe ich regelmäßig Kolleginnen und Kollegen aus ganz anderen Bereichen und lerne immer wieder von tollen Projekten, die uns inspirieren, gemeinsam weiterzudenken. Denn das ist mein persönliches Ziel: dass wir als SPORT 2000 auch in drei Jahren sagen können – wir haben gemeinsam gehört, gemeinsam gehandelt und gemeinsam Zukunft gestaltet.

Du verfügst über ein großes Netzwerk und kennst sehr viele Menschen in der Branche. Wer oder was hat Dich zuletzt inspiriert – und warum?

Die Menschen, die mich geprägt haben, inspirieren mich ganz besonders. Und natürlich unsere Händler: Wenn sie mir Fotos schicken, ganz spontan – von kleinen Aktionen, bei denen sie beispielsweise beim Joggen Müll gesammelt haben.

Aber am meisten inspirieren mich tatsächlich Kinder, das habe ich gerade erst wieder auf einer Reise erlebt: Kinder saßen am Hafen, auf einer Mauer, und haben bemalte Steine verkauft - mit einer Freude, die ansteckend war. Weil nicht der Wert zählt, sondern die Begeisterung, mit der sie etwas teilen. Diese kindliche Freude, die wünsche ich mir auch wieder bei unseren Händlern. Wir alle haben diesen Beruf doch aus Leidenschaft gewählt - wir wollten Menschen ausstatten für ihre schönste Zeit: die Freizeit. Genau diese Freude macht den Unterschied.

Und zum Schluss eine kleine Herausforderung: Wenn Nachhaltigkeit ein Gefühl beim Sport wäre – wäre sie eher das Ziehen in den Beinen nach dem Aufstieg oder das Lächeln nach dem Erreichen des Gipfels?

Ich sehe das ehrlich gesagt ganz anders, nicht als 100 Prozent, nicht als Sprint und auch nicht als Marathon. Nachhaltigkeit – gerade auch im Sport – ist für mich vielmehr ein Lebensstil. Es geht um eine bessere Zukunft. Und genau wie ein sportlicher Lebensstil schenkt er uns tagtäglich kleine Erfolgserlebnisse. Klar, jeder kennt das Gefühl, wenn man oben auf dem Gipfel steht - und auch den Moment, in dem man sich fragt: Warum tu ich mir das an? Aber Nachhaltigkeit darf kein einmaliges Ziel sein. Sie gehört einfach zum Leben. Ich weiß, dass ich da manchmal anecke, weil viele KollegInnen andere Bilder nutzen, aber aus meiner Sicht ist klar: Nachhaltigkeit sollte ein ganz natürlicher Teil unseres Alltags werden. Ein Lebensstil.

Ein wunderbares Schlusswort, vielen, vielen Dank, liebe Kati Mendel für das Interview!

Was bleibt von diesem Gespräch? Vielleicht das Bild des Baumes, der langsam wächst, aber allen Jahreszeiten trotzt. Oder das Lächeln, das Nachhaltigkeit schenken kann, wenn sie nicht als Pflicht, sondern als Lebensstil verstanden wird. Katja Mendel verbindet strategisches Denken mit echter Nähe zum Handel und zeigt, dass Zukunft nicht abstrakt ist, sondern konkret gestaltet werden kann. Tag für Tag, Entscheidung für Entscheidung mit dem richtigen Kompass und einer großen Portion Zuversicht.

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