Unisex-Versicherungen: Kleiner Unterschied, große Fragen
Es ist das Thema des Jahres 2012 für die Versicherungsbranche: Unisex. Aber was genau bedeutet das Ende des „kleines Unterschieds“ in den Tarifen eigentlich? DER MITTELSTANDSVERBUND informiert.
22.06.2012
Es ist das Thema des Jahres 2012 für die Versicherungsbranche: Unisex. Aber was genau bedeutet das Ende des „kleines Unterschieds“ in den Tarifen eigentlich?DER MITTELSTANDSVERBUND informiert.
Aktuell entscheidet bei der Kalkulation von Versicherungstarifen noch der kleine Unterschied zwischen Männern und Frauen über Preis und Leistung. So sind einige Versicherungen für Männer günstiger, andere für Frauen. Aufgrund eines Urteils des Europäischen Gerichtshofes sind alle Versicherungsunternehmen verpflichtet, ab dem 21. Dezember 2012 Männer und Frauen bei der Kalkulation gleichzustellen. Von diesem Zeitpunkt an werden für neue Vertragsabschlüsse nur noch sogenannte „Unisex-Tarife“ angeboten — mit gleichen Beiträgen und gleichen Leistungen für Männer und Frauen.
Von dieser Umstellung sind ganz allgemein Lebens-, Kranken- und Unfallversicherungen sowie die Kfz-Versicherung betroffen. Für Verträge, die vor dem 21. Dezember 2012 abgeschlossen wurden, bleibt alles beim Alten. Sie werden im jeweiligen Männer- bzw. Frauen-Tarif weitergeführt. Solche Verträge können nur dann verändert werden, wenn der Versicherungsnehmer einen gesetzlichen Anspruch auf die gewünschte Vertragsänderung hat, oder ihm das Recht auf die gewünschte Vertragsänderung in den Versicherungsbedingungen eingeräumt wurde. Ab dem 21.Dezember 2012 dürfen nur noch Versicherungsverträge mit Unisex-Kalkulation den Kunden angeboten werden.
Mit Unisex-Tarifen wird die Gleichstellung von Mann und Frau auch auf die Versicherungstarife ausgeweitet. In den meisten europäischen Ländern ist das bereits umgesetzt, in Deutschland geschieht dies bis zum 21. Dezember 2012. Bislang wurden zur Risikoberechnung genaue versicherungsmathematische und statistische Daten herangezogen, was für beide Geschlechter zu unterschiedlichen Beitragshöhen führen konnte.
Ein Beispiel: Frauen leben im Durchschnitt fünf Jahre länger als Männer. Als Folge davon erhalten Männer aus einer privaten Rentenversicherung bei gleichen Beiträgen aktuell eine höhere Rentenleistung. Frauen dagegen zahlen geringere Beiträge für ihre Todesfallabsicherung. Diese Praxis ist nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs nun nicht mehr zulässig. Unverändert ist es aber möglich, die Beiträge weiterhin abhängig von Kriterien wie dem Alter zu gestalten.
Wo „lohnt“ sich ein Abschluss noch in diesem Jahr?
Rentenversicherungen sind 2012 speziell für Männer interessant, da sie im bestehenden Tarif eine höhere Rente erhalten. Auch in der privaten Krankenversicherung lohnt sich ein schneller Abschluss, da aktuell die Beiträge für Männer in der Regel niedriger sind als für Frauen. Für Frauen ist aktuell der Beitrag in der Risikolebensversicherung niedriger als für Männer. Doch egal ob Mann oder Frau, Krankenversicherung, Risiko- oder Rentenversicherung: Es empfiehlt sich aus diesem Anlass eine generelle Überprüfung der privaten Vorsorge und Absicherung. Nur so ist es möglich, diese passend zur aktuellen Lebenssituation und zu den persönlichen Bedürfnissen zu gestalten.
Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an Jan Schmüser, 0221 — 3553 710, j.schmueser@zgv-online.de oder Dr. Marc Zgaga, 0221 — 3553710, m.zgaga@zgv-online.de.