Sind glückliche Menschen die besseren Mitarbeiter? Glücksforscher Prof. Ruckriegel im ADV-Interview
Für das ADV-Managementprogramm "Führung aktuell" konnte der renommierte Glücksforscher Prof. Dr. Karlheinz Ruckriegel als Top-Referent für den 12. März 2012 gewonnen werden. Im ADV-Interview spricht Prof. Ruckriegel über den vermeintlichen Zusammenhang von Geld und Glück und zeigt: Glück lohnt sich für alle!
22.12.2011
Im ADV-Interview spricht Prof. Ruckriegel, der Volkswirtschaftslehre an der Georg-Simon-Ohm Hochschule Nürnberg lehrt, über den vermeintlichen Zusammenhang von Geld und Glück und zeigt: Glück lohnt sich für alle!
ADV: Glück heißt für mich persönlich…
Professor Dr. Ruckriegel: Gute soziale Beziehungen (beruflich und privat), physische und psychische Gesundheit, Engagement und Befriedigung bei der Arbeit, persönliche Freiheit und eine optimistische innere Haltung (also mit sich und der Welt im Reinen sein).
Warum streben Menschen immer nach „Glück“?
Weil Glück letztendlich das ist, worauf es im Leben ankommt. Es geht um ein gelingendes Leben.
Wie lässt sich Glück messen?
Die Glücksforschung beschäftigt sich mit Glück im Sinne des Glücklichseins, also mit dem subjektiven Wohlbefinden. Beim subjektiven Wohlbefinden kommt es zum einen auf das Verhältnis zwischen positiven und negativen Gefühlen im Tagesdurchschnitt— also dem Glücklichsein im Moment („Happiness“) — an (sollte mindestens 3:1 sein) und zum anderen auf das als kognitives Wohlbefinden, das sich auf den Grad der Zufriedenheit mit dem Leben bezieht („Satisfaction“) an. Weltweit werden die Menschen hierzu befragt. Beide Ausprägungen des subjektiven Wohlbefindens hängen natürlich auch zusammen.
Gehören Geld und Glück zusammen?
Wir brauchen Geld (Einkommen), um unsere materiellen (Grund-)Bedürfnisse (Essen, Wohnen, Kleidung etc.) zu decken. Darüber hinaus spielt Geld keine große Rolle mehr.
Besteht ein Zusammenhang zwischen Glück und Wirtschaftswachstum?
Wissenschaftliche Umfragen, die seit den 1960er Jahren im großen Stil weltweit betrieben wurden, haben gezeigt, dass es in den westlichen Industrieländern seither kaum mehr einen Zusammenhang zwischen einer Steigerung des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf und der Lebenszufriedenheit gibt. Sind die materiellen Grundbedürfnisse nämlich abgedeckt, so passen sich unsere Ansprüche und Ziele an die tatsächliche Entwicklung an, das heißt, mit steigendem Einkommen steigen auch die Ansprüche, sodass daraus keine größere Zufriedenheit erwächst. Moderne Menschen sind wie Hamster im Rad. Die Glücksforscher nennen das die „hedonistische Tretmühle“. An einen einmal erreichten Standard gewöhnen wir uns schnell und streben nach noch mehr. Dieses Hamsterrad verstellt uns aber den Blick darauf, was wirklich wichtig im Leben ist. Und genau damit beschäftigt sich die Glücksforschung.
Welchen Nutzen haben wir vom „Glücklichsein“?
Wer etwas dafür tut, glücklicher zu werden, fühlt sich nicht nur subjektiv besser, sondern hat auch mehr Energie, ist kreativer, stärkt sein Immunsystem, festigt seine Beziehungen, arbeitet produktiver und erhöht seine Lebenserwartung. Wer glücklich ist, hat also nicht nur selbst etwas davon, sondern auch die Familie, Freunde, Kollegen und die ganze Gesellschaft profitiert.
Mitarbeiter, die mit ihrem Arbeitsplatz zufrieden und auf der Arbeit glücklich sind, sind engagierter, erfolgreicher und innovativer, weniger oft krank und loyaler, d.h. sie denken kaum daran, das Unternehmen zu verlassen. „Glücklichsein“ ist also für alle lohend!
Herr Professor Ruckriegel, vielen Dank für das Interview.