Warum der Mittelstand Kooperation braucht – eine persönliche Perspektive
Der Mittelstand steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Im Interview mit dem MITTELSTANDSVERBUND spricht Mark Schröder, Vorstandsvorsitzender der SYNAXON AG, über die Bedeutung von Kooperation, unternehmerische Verantwortung und die Voraussetzungen für Zukunftsfähigkeit im Mittelstand.
27.01.2026
Herr Schröder, was bedeutet für Sie persönlich „kooperierender Mittelstand“ und wie setzen Sie das im Alltag um?
"Für mich steht der kooperierende Mittelstand für ein Miteinander statt einer „Winner-takes-it-all“-Mentalität. Die Komplexität der IT-Welt ist heute so hoch, dass kein Unternehmen mehr alles allein leisten kann. Deshalb müssen kleine IT-Dienstleister kooperieren – und große sollten es ebenfalls. SYNAXON betreut derzeit mehr als 3.300 Partnerbetriebe und lebt diesen Gedanken seit vielen Jahren: Was einer allein nicht schafft, schaffen viele gemeinsam."
Was macht für Sie ein wirklich erfolgreiches Netzwerk oder eine Kooperation aus – jenseits wirtschaftlicher Vorteile?
"Erfolgreiche Kooperationen leben von Ehrlichkeit und klarer Kommunikation. Wer Partnern nur sagt, was sie hören wollen, verliert langfristig an Relevanz. Gerade in Märkten im Umbruch sind offene, auch unbequeme Worte alternativlos – und wichtiger als wohlklingende Formulierungen."
Erfahrungen & Learnings
Gibt es eine Erfahrung aus Ihrer Karriere, die Sie besonders geprägt hat und die Sie heute noch in Ihrer Arbeit leitet?
"Eine prägende Erfahrung meiner Laufbahn ist, dass Fortschritt ohne die Bereitschaft zu scheitern nicht möglich ist. Unternehmertum bedeutet, kalkulierte Risiken einzugehen. Vor über 15 Jahren haben wir SYNAXON auf eine agile Organisation umgestellt, inspiriert von „The Lean Startup“ (Eric Ries). Anstatt also Projekte von vorne bis hinten durchzuplanen, setzen wir heute bewusst auf frühes Lernen – das macht Innovation schneller, günstiger und mutiger."
Innovation & Zukunftsperspektiven
Gibt es strategische Innovationen oder Pilotprojekte, die SYNAXON in nächster Zeit besonders vorantreibt?
"Wir verstehen es als unsere Aufgabe, frühzeitig in Themen zu investieren, die für unsere Partner morgen relevant werden. Denn viele Betriebe können sich im Tagesgeschäft keine Experimente leisten – diese Rolle übernimmt SYNAXON. Unser aktueller Fokus liegt darauf, IT-Service-Prozesse effizienter zu gestalten, damit Partner mehr Zeit für Beratung und Kundennähe haben."
KI, Automatisierung und neue Technologien bieten enormes Potenzial. Wie bewerten Sie die Auswirkungen auf die mittelständische IT-Branche?
"KI und Automatisierung sind im IT-Betrieb längst Alltag. Wer sie nicht nutzt, wird zu langsam und zu teuer. Gleichzeitig ersetzt KI den IT-Dienstleister nicht, sondern macht ihn leistungsfähiger. Unsere Partner entwickeln sich zunehmend zu „Trusted Advisors“, die ihre Kunden beim sinnvollen Einsatz neuer Technologien begleiten.
In der SYNAXON treiben wir mit einem eigenen KI-Team Entwicklungen gezielt voran und ermöglichen allen Mitarbeitern, die Lust darauf haben, sich weiterzubilden – so entsteht Akzeptanz für KI als Unterstützung des Menschen, nicht als Ersatz."
Gesellschaftlicher Dialog & Verantwortung
Welche Rolle spielt gesellschaftlicher Dialog, z. B. zwischen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, für die Arbeit von SYNAXON?
"Unternehmen und Unternehmer müssen heute deutlich stärker Stellung zu gesellschaftlichen Themen beziehen als früher. Als Organisationen haben wir eine größere Wirkmächtigkeit als der Einzelne. Dabei geht es nicht um Parteipolitik, sondern darum, als Unternehmen Verantwortung zu übernehmen und einen positiven gesellschaftlichen Beitrag zu leisten.
Wirtschaft, Politik und Gesellschaft müssen wieder lernen, das Verbindende in den Mittelpunkt zu stellen, statt Gegensätze zu verstärken. Das Prinzip der Kooperation – dass wir gemeinsam mehr erreichen können – fehlt mir im aktuellen gesellschaftlichen Diskurs.
Die negative Stimmung, die wir vielerorts wahrnehmen, hat aus meiner Sicht viel mit wirtschaftlicher Unsicherheit und Zukunftssorgen zu tun. Umso wichtiger ist es, gemeinsam wieder Zuversicht und Zukunftsfähigkeit zu schaffen. Eine klare Haltung gegen jede Form von Extremismus sollte uns dabei einen."
Ausblick & Botschaft an den kooperierenden Mittelstand
Wenn Sie in fünf Jahren auf den Mittelstand in Deutschland blicken: Welche Trends oder Veränderungen werden ihn prägen?
"Der Mittelstand wird auch künftig das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bleiben. Seine Kundennähe und Innovationskraft sind große Stärken und können nicht einfach durch Großkonzerne ersetzt werden. Das allein reicht aber nicht.
Viele Unternehmen stehen vor einem Generationswechsel. Erfolgreich wird dieser nur sein, wenn Geschäftsmodelle digital, strukturiert und unabhängig von einzelnen Personen aufgestellt sind – denn nur so wird ein Unternehmen verkaufbar oder übergabefähig.
Meine Erwartungshaltung an die Politik ist, dass sie sich der Rolle des breiten Mittelstandes bewusst ist und für den Generationswechsel gute Rahmenbedingungen anstelle von bürokratischen Hürden schafft."
Welche Rolle soll SYNAXON in dieser Zukunft spielen – und welche Botschaft möchten Sie anderen Verbundgruppen mitgeben?
"Ich sehe SYNAXON in der Verantwortung, alles dafür zu tun, die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit unserer Partnerbetriebe durch starke Kooperationsleistungen sicherzustellen. Die IT-Welt wird immer komplexer und kurzlebiger – was heute Standard ist, kann morgen bereits überholt sein. Unsere Partnerbetriebe betreuen viele hunderttausend kleine und mittelständische Unternehmen in Deutschland und sichern damit deren tägliche Arbeitsfähigkeit. Diese Reichweite verleiht unserer Rolle eine besondere Verantwortung. Unser Anspruch ist es deshalb, dass KMUs bei mit SYNAXON kooperierenden Partnern einen IT-Service erhalten, der verlässlich, verständlich und verantwortungsvoll ist.
Was die Botschaft an andere Verbundgruppen angeht, möchte ich betonen, was wir im SYNAXON-Team immer wieder klar machen: Wir befinden uns in einem Zustand der Dauer-Transformation. Hätten wir uns in den vergangenen 20 Jahren nicht von einer reinen Einkaufskooperation zu einer Serviceorganisation für IT-Dienstleister weiterentwickelt, gäbe es SYNAXON heute vermutlich nicht mehr. Das klassische Modell der Einkaufskooperation mit Zentralregulierung bietet im globalen Wettbewerb und gegenüber digitalen Plattformen keinen ausreichenden Schutzraum mehr.
Heute unterstützen wir unsere Partner in vielen Bereichen ihrer Wertschöpfungskette und machen ihr tägliches Geschäft spürbar einfacher und moderner. Gleichzeitig wissen wir, dass wir uns auf diesem Erfolg nicht ausruhen dürfen: Die Halbwertzeit von Geschäftsmodellen ist im digitalen Zeitalter kurz. Deshalb ist kontinuierliche Weiterentwicklung für uns keine Option, sondern Voraussetzung, um auch künftig ein starker Partner zu bleiben."
Vielen Dank für das Gespräch, lieber Herr Schröder!