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5 Fragen an ... Julia Bangerth

Die stellvertretende DATEV-Vorsitzende Julia Bangerth zu Gast in unserer Schnellfragerunde: Warum ihr Führungsstil "transformational" ist und weshalb Unternehmertum sie mehr reizt als Politik? Lesen Sie hier!

10.03.2025

Berlin, 10.03.2025 - Julia Bangerth ist nicht nur stellvertretende Vorstandsvorsitzende, COO & CHRO bei DATEV eG, Aufsichtsrätin und Rechtsanwältin, sondern auch eine aktive Gestalterin von Transformation. Wie sie ihren Führungsstil beschreibt, welchen KI-Prompt sie am häufigsten nutzt und warum sie niemals als Kanzlerin kandidieren wird, lesen Sie in unserem Interview "5 Fragen an ... Julia Bangerth".

1. Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben, und welche Werte sind Ihnen dabei besonders wichtig?

Wenn ich meinen Führungsstil in einem Wort beschreiben müsste, würde ich sagen: transformational. Dazu gehört eine Vorbildrolle, die Empathie, Respekt und Wertschätzung gegenüber anderen lebt. So schaffe ich das Vertrauen und die psychologische Sicherheit, damit ein offener Austausch entsteht. Gerade in den Zeiten des ständigen Wandels, in denen wir leben, ist das essenziell, um die richtigen Entscheidungen für die Zukunft zu treffen. Gleichzeitig ist es wichtig, Orientierung zu geben, zu inspirieren, zu motivieren und klare Erwartungen zu formulieren, damit alle Kolleginnen und Kollegen bestmöglich eigenverantwortlich arbeiten und ihren Beitrag leisten können.

2. Was ist Ihr Lieblings-KI-Tool im Moment? Welchen Prompt benutzen Sie am häufigsten?

Es gibt nicht das eine Tool, das alles am besten kann. Deswegen nutze ich unterschiedliche KI-Tools, je nachdem, was ich erreichen will. Derzeit sind das vor allem ChatGPT, Claude, Perplexity und NotebookLM. Mit NotebookLM erstelle ich meine eigenen Podcasts aus unterschiedlichen Quellen, etwa wissenschaftlichen Studien, Interviews oder Videos. Das ist für mich sehr nützlich, wenn ich mir schnell und “snackable” ein neues Thema oder eine aktuelle Entwicklung erschließen will – zum Beispiel auf Reisen oder im Auto.

Inzwischen habe ich außerdem ein Set an Prompts, die ich regelmäßig nutze. Einer meiner Lieblings-Prompts: “Ich möchte das Thema […] lernen. Bitte identifiziere die wichtigsten 20 % des Wissens, die mir helfen, 80 % davon zu verstehen. Benenne die Quellen. Erfinde nichts.” Wenn die KI einen noch nicht kennt, kann man davor noch seine eigene Rolle beschreiben, um die Antwort passgenauer zu machen.

3. Was brauchen Sie, um einen guten und produktiven Arbeitstag zu haben?

Morgens erst einmal einen guten Kaffee und, wenn ich zu Hause bin, einen selbstgemachten Ingwer-Shot. Dann: eine gute Struktur, klare Prioritäten und die richtige Mischung aus Terminen mit Kolleginnen und Kollegen und Zeiten für konzentriertes Arbeiten. Grundsätzlich brauche ich eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und den offenen Austausch mit meinem direkten Team. Ja, auch mal eine hitzige Diskussion. Wer mich kennt, weiß: Ich habe zu vielem eine Meinung. Ich bin aber auch kompromissbereit und lasse mich von guten Argumenten überzeugen.

4. Was begeistert Sie so sehr, dass Sie dafür auch um 3 Uhr nachts aufstehen würden?

Ich halte Schlaf für sehr wichtig, um einen produktiven Arbeitstag zu haben und gesund zu bleiben. Insofern gibt es wenig, wofür ich mitten in der Nacht aufstehen würde. Von Notsituationen mal abgesehen – und den Polarlichtern in Lappland...

5. Können Sie sich vorstellen irgendwann als Kanzlerin zu kandidieren?

Nein, dafür fühle ich mich in der Unternehmenswelt mit ihren vielfältigen Herausforderungen viel zu wohl. Dazu kommt eine Besonderheit der DATEV: die Genossenschaftsstruktur. Ich habe schon in unterschiedlichsten Unternehmensformen gearbeitet. Aber in einer Genossenschaft geht es immer auch um den Zusammenhalt, um das große Ganze. Die DATEV setzt sich stark für ihre Mitglieder ein, aber auch für die Belange des deutschen Mittelstands insgesamt. Das empfinde ich als sehr sinnstiftend.

Zusatzfrage: Sie plädieren für Re- und Upskilling in der sich stetig veränderten Arbeitswelt. Was sind Ihre Lern-Routinen im Alltag?

Ich bin der Meinung, dass man Lernen und Arbeiten nicht mehr trennen kann. Lernen gehört zum Arbeitsprozess dazu. Insofern hat es für mich persönlich unterschiedliche Komponenten: Um auf dem aktuellen Stand zu bleiben, höre ich etwa Morning Briefings und Hörbücher zu relevanten Themen. Ich nutze KI-Tools, um Wissen so aufzubereiten, wie ich es gerade brauche. Ich diskutiere aktuelle Entwicklungen mit meinem Netzwerk – sei es im Unternehmen, auf LinkedIn oder bei externen Veranstaltungen und Treffen.

Außerdem nehme ich regelmäßig an Dialog- und Lern-Formaten von DATEV wie dem DigiCamp teil, bei denen wir uns untereinander, aber auch mit anderen Unternehmen und Kanzleien vernetzen und voneinander lernen. Dieser Austausch, diese Debatten sind für mich fachlich wichtig. Und sie helfen mir dabei, meine eigenen Denk- und Handlungsmuster immer wieder zu hinterfragen.

Dafür ist es übrigens wertvoll, gelegentlich aus der eigenen Bubble rauszukommen. Das habe ich vor Kurzem wieder auf einer Study Tour gemerkt, auf der wir unter anderem in Estland waren. Dort werden Digitalisierung und Lernen sehr konsequent und umfassend angepackt. Wer neugierig bleibt, kontinuierlich lernt und den Mut hat, Dinge auszuprobieren, wird auch mit neuen Chancen und Herausforderungen umgehen können. Da bin ich eine absolute Veränderungsoptimistin.


In unserer Rubrik "5 Fragen an... " stellt DER MITTELSTANDSVERBUND spannende Persönlichkeiten aus der Verbundgruppen-Szene vor. Sie wollen auch dabei sein? Dann Schreiben Sie eine E-Mail an unsere Kollegin Ronja Schultze. Wir freuen uns auf Ihren Input! 


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