Weniger Bürokratie, mehr Mittelstand
Anfang Oktober 2025 legte die Bundesregierung ihre Modernisierungsagenda und der NKR seinen Jahresbericht vor. Beide zeigen: Bürokratie bleibt Wachstumsbremse – doch erstmals gibt es konkrete Ziele und Instrumente für echten Abbau.
15.10.2025
Berlin, Oktober 2025 – Bürokratie ist eines der größten Wachstums- und Innovationshemmnisse in Deutschland. Besonders der Mittelstand und kleine und mittlere Unternehmen (KMU) leiden unter Berichtspflichten, komplexen Verfahren und einem stetig wachsenden Regelwerk. Der Koalitionsvertrag versprach Entlastung, konkrete Fortschritte blieben jedoch bislang aus.
Der
NKR-Jahresbericht 2025
bestätigt: Die Bürokratiekosten für die Wirtschaft liegen weiter bei etwa 64 Milliarden Euro jährlich, der Erfüllungsaufwand stieg seit 2011 um 13,2 Milliarden Euro. Immerhin verzeichnete man 2024/25 erstmals eine leichte Entlastung um 3,2 Milliarden Euro. Die strukturelle Belastung für den Mittelstand bleibt dabei hoch.
Modernisierungsagenda: Deutschland im Aufbruch?
Mit der im Oktober 2025 vorgestellten Modernisierungsagenda Staat und Verwaltung liegt nun ein Konzept vor. Ziel ist, Bürokratiekosten bis 2029 um 25 Prozent und den Erfüllungsaufwand um 10 Milliarden Euro zu senken.
Ein für den Mittelstand unabdingbares Kernstück ist die Modifizierung und Festschreibung der One-in-one-out-Regel (OIOO) bis Ende der LP sowie die angekündigte prospektive Fortentwicklung zu einem One-in-two-out-Prinzip (OITO): Für jede neue Regelung sollen zwei alte wegfallen. Ergänzt wird dies durch jährliche, ressortspezifische Umsetzungsberichte, abgestimmte Standards für messbare Regulierungserfolge und verpflichtende Praxistests neuer Gesetze. Schulungen für Gesetzesverfasser sollen zudem sicherstellen, dass Rechtsvorschriften wirtschaftsfreundlicher und digitaltauglicher werden.
Diese Elemente deuten auf einen Kulturwandel hin – weg von Überregulierung, hin zu Effizienz und Vertrauen. Entscheidend wird aber sein, ob die ambitionierten Ziele tatsächlich vom Gesetzgeber umgesetzt werden.
Und der Mittelstand?
Aus Sicht des kooperierenden Mittelstandes ist die innovative Richtung der Agenda grundsätzlich zu begrüßen, wenngleich Lücken festzustellen sind: Es braucht verbindliche Erfolgskriterien, ein unabhängiges Monitoring-Gremium und ein öffentliches Transparenz-Dashboard. Kurzfristige Entlastungen müssen durch vereinfachte Vergabeverfahren, digitale Nachweise, schnellere Betriebsprüfungen und weniger Berichtspflichten erfolgen. Neue digitale Pflichten könnten zusätzliche Belastungen erzeugen, wenn sie nicht sorgfältig ausgestaltet werden.
Zentral bleiben die Forderungen, das One-in-two-out-Prinzip noch in dieser Legislatur gesetzlich zu verankern sowie die selbst auferlegte Vermeidung des „Gold-Plating“ bei EU-Vorgaben auch einzuhalten und ferner Praxischecks verpflichtend mit Mittelstandsbeteiligung durchzuführen.
Auch eine vollständige Entlastung beim Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) muss Programm bleiben. Eine echte bürokratische Entlastung erfordert aus unserer Sicht, dass das LkSG für KMU vollständig aufgehoben wird, wie im Koalitionsvertrag vorgesehen. Es muss darum gehen, Sorgfaltspflichten zu annullieren, weil eine alleinige Abschaffung der Unternehmensberichte nicht zielführend ist.
Zu Recht kritisch merkt der NKR ferner an, dass EU-Aufwände bislang regierungsseitig ausgeklammert wurden. Diese führen laut Bericht zu einer tatsächlichen Mehrbelastung von rund 1,8 Milliarden Euro jährlich. In dem Kontext ist es unterstützenswert, dass sowohl die Modernisierungsagenda als auch der Bundeskanzler selbst ein verstärktes Augenmerk auf die europäische Ebene legen wollen.
Fazit
Die Modernisierungsagenda markiert den Versuch eines Paradigmenwechsels: weniger Kontrolle, mehr Vertrauen, Effizienz und Digitalisierung. Der Mittelstand begrüßt diesen Ansatz, mahnt aber Konsequenz an. Bürokratieabbau darf nicht länger ein Schlagwort bleiben – die Agenda eröffnet die Chance auf einen echten Kulturwandel, den es jetzt entschlossen umzusetzen gilt. Gerne unterstützen wir dabei.