Modernisierungsagenda Föderal: Bürokratie runter, Freiraum rauf
Die Ministerpräsidentenkonferenz hat in Weiterführung der im Oktober beschlossenen Modernisierungsagenda Bund am 04. Dezember die mit über 200 Maßnahmen umfassende Modernisierungsagenda Föderal auf den Weg gebracht – ein wichtiges Signal für Mittelständler, die im Alltag unter steigenden Berichtspflichten, Fristen und Nachweisanforderungen leiden. Für den MITTELSTANDSVERBUND zählt dabei vor allem: spürbare Entlastung!
08.12.2025
Berichtspflichten reduzieren – Bürokratieabbau mit klaren Zielmarken
Bund und Länder wollen die bestehenden
Berichts-, Auskunfts- und Dokumentationspflichten grundlegend überprüfen
und dabei ein deutliches Reduktionsziel erreichen: Nur Pflichten, die nachweislich erforderlich sind, sollen erhalten bleiben und müssen künftig ausdrücklich begründet werden.
Ein Sofortpaket bis Mitte 2026 soll erste konkrete Schritte einleiten – insbesondere für Kleinbetriebe, etwa durch die Reduktion oder Abschaffung statistischer Meldepflichten.
Zugleich verpflichten sich Bund und Länder, Übererfüllungen europäischen Rechts (Goldplating) zurückzuführen und EU-Vorgaben künftig 1:1 umzusetzen , um zusätzliche Berichtslasten gar nicht erst entstehen zu lassen.
Pflichten bündeln: einmal melden statt mehrfach
Die Agenda sieht vor, dass inhaltlich ähnliche Berichtspflichten gebündelt werden. Unternehmen sollen entsprechende Informationen künftig nur noch einmal melden müssen. Erste Maßnahmen sind bis Mitte 2026 vorgesehen – ein wichtiges Element, um von redundanten Formularen und Meldewegen zu entlasten.
Aufbewahrungspflichten modernisieren und digitalisieren
Die Modernisierungsagenda enthält mehrere Schritte zur Verkürzung und Vereinheitlichung von Aufbewahrungsfristen sowie zur Erleichterung digitaler Archivierung . Damit sinken insbesondere für mittelständische Unternehmen Kosten, Verwaltungsaufwand und Flächenbedarf – ein struktureller Entlastungseffekt.
Planungs- und Genehmigungsverfahren: Tempo entscheidet
Ein zentrales Anliegen des Beschlusses ist die Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren . Insbesondere sollen verbindliche Genehmigungsfiktionen eingeführt werden – wie sie nicht zuletzt wir vom MITTELSTANDSVERBUND bereits im Vorfeld der Bundestagswahl 2025 explizit gefordert haben: Bleibt eine Behörde innerhalb der vorgesehenen Frist untätig, gilt der Antrag künftig automatisch als genehmigt . Erste Fiktionen sollen bereits bis Mitte 2026 in Fachgesetzen verankert werden. Die umfassende Verankerung in den Verwaltungsverfahrensgesetzen ist bis spätestens Ende 2027 vorgesehen.
Für viele Anschlusshäuser bedeutet dies: mehr Planbarkeit bei Umbauten, Modernisierungen und gewerberechtlichen Verfahren – weniger Verzögerungen, weniger Stillstand.
Once-Only-Prinzip: Daten nur einmal liefern
Öffentliche Stellen sollen künftig verstärkt Daten nachnutzen , statt sie mehrfach bei Unternehmen abzufragen. Dies reduziert Rückfragen, Medienbrüche und manuelle Eingaben – ein erklärtes Ziel des Beschlusses und besonders relevant für dezentrale mittelständische Strukturen.
Digitalisierung präziser und durchgängig gedacht
Die Modernisierungsagenda definiert Digitalisierung als durchgängige Prozessmodernisierung. Dazu gehören: Ende-zu-Ende-digitalisierte Verwaltungsverfahren , Abschaffung der Schriftform zugunsten der digitalen Eingabe , Einsatz von KI-gestützten Assistenzsystemen , Aufbau einer föderalen Technologieplattform (D-Stack) sowie die Digitalisierung von Bauleitplanverfahren . Diese Maßnahmen sollen Bearbeitungszeiten deutlich reduzieren und den Zugang zu Behördenleistungen erleichtern.
Rechtsetzung praxistauglicher gestalten
Der Beschluss verpflichtet Bund und Länder dazu, Gesetze künftig vollzugstauglicher, verständlicher und digital mitgedacht zu gestalten. Neue Vorschriften sollen keine zusätzlichen Belastungen schaffen und bestehende Bürokratie konsequent abgebaut werden. Der MITTELSTANDSVERBUND wird hier weiterhin kritisch begleiten, dass dieses Ziel eingehalten wird.
Fazit
Die Agenda setzt wichtige Impulse: weniger Berichtspflichten , Bündelung von Meldewegen , digitale und kürzere Aufbewahrungspflichten , Genehmigungsfiktionen , schnellere Verfahren und ein klares Bekenntnis gegen Übererfüllung auf EU-Ebene . Jetzt kommt es darauf an, dass Bund und Länder diese Maßnahmen verbindlich, schnell und praxisnah umsetzen . Die Entlastung muss dort ankommen, wo sie dringend gebraucht wird – bei unseren Mitgliedern .