Hollmann: Kühle Köpfe und konkrete Lösungen für 2016
"Wir übernehmen Verantwortung, wo immer es nötig und soweit es möglich ist." In einem Neujahrsbrief fordert MITTELSTANDSVERBUND-Präsident Wilfried Hollmann einen sachlicheren Umgang mit der Flüchtlingskrise. Forderungen nach Verteilungsschlüssel und Obergrenzen seien Irrwege.
22.01.2016
Berlin, 22.01.2016 — "Integration wird nur gelingen, wenn sich jeder nach seinen Möglichkeiten einbringt", schreibt der Präsident des MITTELSTANDSVERBUNDES, Wilfried Hollmann, in einem Neujahrsbrief an die Mitglieder des Spitzenverbandes. Er vertritt die Interessen von rund 230.000 mittelständischen Handels-, Handwerks- und Dienstleistungsunternehmen, die in 320 Verbundgruppen kooperieren.
Konkrete Lösungen und Verbesserungen suchen
"Während in vielen Medien und öffentlichen Debatten aktuelle Krisen und einzelne kriminelle Delikte rasch mit nahezu apokalyptischen Perspektiven kommentiert werden, neigen Mittelständler eher dazu, mit kühlem Kopf nach Lösungen und Verbesserungen zu suchen." Dass er das kann, hat DER MITTELSTANDSVERBUND bereits im vergangenen Jahr gezeigt. Das Präsidium appellierte im September in einer Resolution an alle angeschlossenen Unternehmen, sich für die Integration von Flüchtlingen zu engagieren. Konkret will DER MITTELSTANDSVERBUND 5.000 Praktikumsplätze für junge Flüchtlinge bereitstellen.
Wirtschaftliche Kennzahlen versprechen Chancen
"Glückauf zum neuen Jahr 2016, für das ich Ihnen vor allem Gesundheit, Gestaltungskraft und Optimismus wünsche! Alle wichtigen Kennziffern unserer Volkswirtschaft versprechen gerade auch dem Mittelstand echte Chancen. Die geringe Arbeitslosigkeit einhergehend mit der historisch höchsten Zahl Erwerbstätiger in Deutschland, die niedrigen Benzinpreise, eine sehr moderate Inflationsrate, eine anhaltend positive Konsumstimmung, all dies sind Rahmenbedingungen, von denen wir noch vor zehn Jahren nur träumen konnten.
Strukturwandel gefährdet Innenstädte
Auf der anderen Seite erleben wir in Deutschland und Europa mindestens eine Zäsur, wenn nicht eine Zerreißprobe. Die Globalisierung hat sich insbesondere durch moderne Kommunikationsmittel massiv beschleunigt. Die in Sekundenschnelle überall verfügbaren Informationen aus dem digitalen Netz führen in allen Lebensbereichen zu massiven Verhaltensänderungen. So erleben wir in den letzten Jahren eine radikale Veränderung des Konsumverhaltens unserer Kunden und dem daraus folgenden Strukturwandel der Handelslandschaft mit gewaltigen unerfreulichen Nebenwirkungen gerade auch für Innenstädte und Dörfer.
Flüchtlingskrise: Mittelstand will Verantwortung übernehmen
Noch viel weiter greift die immer deutlichere Sichtbarkeit des Gefälles zwischen Elend und Wohlstand auf der Welt, zwischen freiheitlichen Gesellschaften und brutalen Diktaturen, zwischen Rechtsstaaten und Unrechtsregimen oder schlicht zwischen lebenswerten und lebensfeindlichen Umgebungen. Dass die enormen Verwerfungen den Wunsch vieler auf der Schattenseite lebender Menschen auf eine bessere Zukunft fernab von der Heimatregion verstärken, ist nur allzu verständlich. Achselzuckend weg zu sehen und billigend in Kauf zu nehmen, dass sich die Betroffenen mangels anderer Optionen zweifelhaften Schleusern anvertrauen, die ihnen oft ihre letzten Mittel für eine lebensgefährliche Überfahrt auf im Sinne des Wortes Seelenverkäufern aus der Tasche ziehen, ist in einer christlich und humanistisch geprägten Wertegemeinschaft nicht hinnehmbar.
Dies muss sich ein jeder immer wieder ins Bewusstsein rufen, der nach Lösungen für den Umgang mit den Flüchtlingsströmen sucht. Ein Irrweg ist deshalb, zuerst Verteilungsschlüssel oder Obergrenzen zu postulieren. Erfolgreiche Integration wird vielmehr nur gelingen, wenn sich jeder nach seinen Möglichkeiten verantwortungsvoll einbringt, gemäß der Devise: Wir übernehmen Verantwortung, wo immer es nötig und soweit das nur eben möglich ist. Der ehemalige Bundespräsident Köhler hat einmal den bemerkenswerten Satz gesagt: "Immer, wenn Du glaubst es geht nicht mehr, hast Du noch zwei Drittel Deiner Kräfte".
Diese Haltung ist keineswegs selbstlos, sondern die Pfahlwurzel einer nachhaltigen Gesellschaftspolitik. Richtig verstandene Nachhaltigkeit ist in diesem Zusammenhang nämlich weit mehr als das sture Einhalten vorgegebener statistischer Normen oder rechtlicher Regeln. Tatsächlich ist sie nämlich eine auf persönliche Einsicht und kluge Vorausschau basierende Mitgestaltung unserer Lebenswelt. Seit Jahrzehnten kommt gerade in Deutschland mittelständischen Unternehmern hierbei eine tragende Rolle zu.
Während in vielen Medien und öffentlichen Debatten aktuelle Krisen und einzelne kriminelle Delikte rasch mit nahezu apokalyptischen Perspektiven kommentiert werden, neigen Mittelständler eher dazu, mit kühlem Kopf nach Lösungen und Verbesserungen zu suchen. Gerade dies hat mich in den mittlerweile fast neun Jahren meiner Präsidentschaft im MITTELSTANDSVERBUND immer wieder beflügelt und ermutigt, mit der Politik zu ringen und faire und verlässliche Rahmenbedingungen für den Mittelstand in Berlin und Brüssel einzufordern.
Konstruktiver Dialog mit der Politik steht im Fokus
Auch wenn die Bretter dick und an mancher wichtigen Stelle noch nicht final durchbohrt sind, so kann ich doch vermelden, dass dank des Zusammenstehens von 320 führenden Verbundgruppen in unserem Spitzenverband und der damit starken Stimme von nicht weniger als 230.000 lokalen Unternehmen des Handels, des Handwerks und aus dem Dienstleistungsgewerbe ein konstruktiver Dialog auf höchster politischer Ebene möglich ist, der uns neue Chancen eröffnet. So zum Beispiel dürfen wir auf einen baldigen Abschluss des Gesetzgebungsprozesses zur Beendigung der bislang verhängnisvollen Praxis der Insolvenzanfechtung hoffen. Auch die restriktiven Möglichkeiten der Preisgestaltung in Verbundgruppen, die gerade im E-Commerce zu massiven Wettbewerbsnachteilen führen und so beispielsweise die Etablierung von strategisch wichtigen Eigenmarken verhindern, konnten wir auf höchster politischer Ebene in Brüssel thematisieren und fanden erstes Gehör. Hier werden wir nun nachzusetzen haben, auch wenn erhebliche Widerstände zu erwarten sind.
Auch die überbordende Bürokratie, die in den zurückliegenden Jahren insbesondere aus den politischen Bemühungen um vermeintlichen Verbraucher- oder Arbeitnehmerschutz resultierte, wird ein Thema bleiben, auch wenn man hierbei als Verbandsrepräsentant nahezu täglich an die Hydra erinnert wird, der nach der griechischen Mythologie bekanntlich immer zwei Köpfe nachwuchsen, wenn man ihr einen abschlug.
Ganz nach dran am Mitglied: Passgenaue Dienstleistungen
Jedoch nicht nur in der politischen Interessenvertretung ist DER MITTELSTANDSVERBUND darauf ausgerichtet, Mehrwerte für Sie zu schaffen. Gerade auch seine Dienstleistungen haben diesen hohen Anspruch. Der detaillierte, offene und vertrauensvolle Erfahrungsaustausch, etwa in den über 30 speziellen Themenfeldern des Verbundgruppenmanagements, die Spitzenqualifizierung durch unsere Akademie der Verbundgruppen ADV, die attraktiven Rahmenverträge der ServiCon, die juristische und fachliche Spezialberatung zu allen Fragen des Wettbewerbsrechts sowie des Arbeits- und Tarifrechts, die europäische und internationale Kontaktanbahnung, die systematische Versorgung mit Erkenntnissen aus Wissenschaft und Beratung einhergehend mit der regelmäßigen Information über aktuelle Geschehnisse mittels unseres Online-Newsletters SynergienNews, sind nur Beispiele hierfür.
Erfolgreicher Abschluss von "Mittelstand für Energieeffizienz"
Lassen Sie mich auch unser Engagement für kostengünstige Energieversorgung unserer Mitglieder besonders unterstreichen. Wer kurz vor Weihnachten bei der sehr gelungenen Abschlussveranstaltung zu unserem über 3 ½ Jahre öffentlich geförderten Beratungsprojekt "Mittelstand für Energieeffizienz" im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit dabei war, konnte mit den beeindruckenden Zahlen über erzielte Einspareffekte nachvollziehen, was der organisierte Mittelstand gerade auch hier zu Thema Nachhaltigkeit beitragen kann. Besonders gefreut haben mich natürlich die anerkennenden Ausführungen der Ministerin Dr. Barbara Hendricks und ihr Versprechen, ein dreijähriges Folgeprojekt des MITTELSTANDSVERBUNDES ebenfalls zu fördern.
Verbundgruppen für die Zukunft des lokalen Mittelstands
Der MITTELSTANDSVERBUND hat vielfach gezeigt, dass er so Manches bewirken kann, wenn seine Mitglieder zusammenstehen. Mit geschickter Vernetzung und der systematischen Nutzung all der kreativen Köpfe werden Verbundgruppen auch in Zukunft die Kraftquelle für den lokalen Mittelstand sein und nicht nur den Fortbestand sichern, sondern seine Fortentwicklung entscheidend vorantreiben.