Zeit für einen Zwischenruf: Tür auf zum Spießrutenlauf
Tag für Tag Negativschlagzeilen über Bundesaußenminister Westerwelle - doch wer trägt zum Schluss den Schaden?
12.03.2010
Berlin,12. März 2010 -Es mag ja sein, dass Guido Westerwellein derhall of fame der Chefdiplomaten nochkeinen glänzenden Platzerobern konnte. Doch wenn jetzt die Medienwalze in einer nach meinem Geschmack hinsichtlich der Begleiter seiner Auslandsreisen völlig vordergründigen und überzogenen Form über ihn herein bricht, wird es am Ende nicht nur ihn und die Wahlkämpfer in NRW treffen. Es geht um mehr: Da liest man in diesen Tagen in allen Zeitungen von den schier gigantischen Zuwachsraten des chinesischen Exports, mit der die asiatische SupermachtDeutschland nun vermutlich endgültig den Titel des Exportweltmeisters streitig machen wird.Gleichzeitig werden allerorten sogar die Prognosen über Zeitpunkt und Ausmaß der Wiederbelebung des deutschen Exports zurückgeschraubt. Nahezu ein jeder ist bedacht, sich mit seinen Forderungen an die Politik um die Abwendung allen Übels zu positionieren.Sie sollwieder einmalhelfen, heilen und neue Wege finden. Eine seit Jahren besonders geschätzte Leistung der Politik ist ihr Dienst als "Türöffner" für die Wirtschaft im Ausland. Viele Unternehmer haben in der Vergangenheit hiervon direkt und indirekt profitiert. Dafür tragen sie selbstverständlich bereitwillig die Kosten, die beispielsweise durch ihre Beteiligung an einer entsprechenden Delegationsreise in ein bestimmtes Land entstehen. Natürlich sollten bei der Besetzung einer Delegation Fairness und Transparenz im Vordergrund stehen. Vielleicht bedarf es sogar einer öffentlichen Debatte darüber, wie manDefiziten - notwendigerweise parteiübergreifend - entgegen steuern kann.Doch Gott bewahre die ohnehin schon durch stetig wachsende Bürokratie gegängelte Gesellschaft und letztlich ganz besonders den Mittelstand davor, dass das Mitreisen bei Politikern ins Ausland in Zukunft nur noch einem bundes - Verzeihung - natürlich europaweiten Ausschreibungsverfahren zu unterziehen ist. Um nicht falsch verstanden zu werden: Spätestens seit dem U-Bahn-Fiasko in Köln hat für "rheinischen Klüngel" niemand mehr Verständnis. Es mag ja durchaus sein, dass Wahlkampfzeiten (haben wir die in Deutschland aber nicht eigentlich immer?) immer wieder ihre eigenen Regeln erfinden. Doch werden hier in der Größe der Schlagzeilen gemessen nicht die völlig falschen Vergleiche gezogen? Wobeachtet diean Spießrutenlauf erinnernde Medienbegleitung des Ministers eigentlich noch Maß und Mitte?Und vor allem: wie vertrauensbildend ist das bei denjenigen, die wir gern als Wirtschaftspartner gewinnen würden? Dürfen wir annehmen, dassdeutsche Unternehmerineiner solchenStimmungslageeinen Spitzenpolitiker in Zukunft noch als Türöffner nutzen können - oder bereiten wir uns schon einmalauf einen anderen vermeintlichen Wegzur Beflügelung unser exportabhängigen Wirtschaftvor? Ist es vielleichtam Ende derjenigemit dem Kopf durch die Wand...
Dr. Ludwig Veltmann