Wirtschaftsminister Brüderle und MITTELSTANDSVERBUND-Präsident Hollmann vertiefen Dialog
In einem Schreiben an MITTELSTANDSVERBUND-Präsident Wilfried Hollmann skizzierte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle die Eckpfeiler seiner jüngst angestoßenen "Mittelstandsinitiative". Hollmann begrüßt viele der Ansätze- fordert aber auch: Kooperationen müssen stärker als zentrale Wettbewerbsstrategie des Mittelstandes in den Blickpunkt rücken.
24.02.2011
Berlin, 21. Februar 2011. In einem Schreiben an MITTELSTANDSVERBUND-Präsident Wilfried Hollmann skizzierte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle die Eckpfeiler seiner jüngst angestoßenen „Mittelstandsinitiative“. Hollmann begrüßt viele der Ansätze — fordert aber auch: Kooperationen müssen stärker als zentrale Wettbewerbsstrategie des Mittelstandes in den Blickpunkt rücken.
Fachkräftebedarf sichern
„Verantwortung stärken — Freiräume erweitern“ — unter diesem Motto steht die neue Mittelstandsinitiative von Bundesumweltminister Rainer Brüderle (FDP), deren Maßnahmen dieser nun dem MITTELSTANDSVERBUND-Präsidenten Wilfried Hollmann in einem Brief darlegte. Als zentrale Herausforderung für die Mittelstandspolitik identifizierte Brüderle darin die Sicherung des Fachkräftebedarfs. Die Bundesregierung habe bereits erste Maßnahmen ergriffen, damit die Unternehmen das inländische Potenzial an Arbeitskräfte besser nutzen könnten. Darüber hinaus gelte es, mit einer „klugen Zuwanderungspolitik“ ausländische Fachkräfte für den Beschäftigungsstandort Deutschland zu gewinnen. Hollmann begrüßte in seiner Antwort die Bestrebungen, dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken — mahnte jedoch auch an: „Hier hat die Politik noch erheblichen Handlungsbedarf!“. Insbesondere gehe es darum, die Qualität und Effektivität der staatlichen Bildung zu verbessern. Durch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf gelte es auch, die „stille Reserve“ zu aktivieren. Die kooperierenden Mittelständler verließen sich aber keinesfalls nur passiv auf die Politik, so Hollmann. Vielmehr nähmen sie mit mehr als 400.000 Ausbildungsplätzen sowie vielfältigen Qualifizierungsmaßnahmen eine aktive Vorreiterrolle bei der Bewältigung des Fachkräftemangels ein.
Bürokratielasten mindern
Weitgehende Einigkeit zeigte sich zwischen Minister Brüderle und MITTELSTANDSVERBUND-Präsident Hollmann hinsichtlich der Notwendigkeit, die mittelständischen Unternehmen stärker von Bürokratielasten zu befreien. Neben dem Umsetzungsplan der Bundesregierung zum Bürokratieabbau wies Hollmann hier auf die konkreten Ansatzpunkte hin, die das Institut der Deutschen Wirtschaft im Auftrag der Deutschen Gewerblichen Wirtschaft vorgelegt hat. Ebenfalls sei es wichtig, so Brüderle und Hollmann einhellig, dass Politik und Wirtschaft gemeinsam die Grundlage für eine neue Kultur der Selbstständigkeit und für mehr Unternehmergeist schaffen müssten. Mit der Initiative „Gründerland Deutschland“ gebe das Wirtschaftsministerium zudem neue Impulse für Existenzgründungen und unternehmerisches Handeln, so Brüderle.
Verlässliche Rahmenbedingungen für Kooperationen schaffen
Große Verwunderung bekundete MITTELSTANDSVERBUND-Präsident Hollmann dahingegen darüber, dass der überbetrieblichen Zusammenarbeit in Verbundgruppen in der Mittelstandsinitiative des Bundeswirtschaftsministeriums nur wenig Beachtung geschenkt werde. Schließlich stimmten führende Experten aus Wissenschaft und Praxis überein: „Kleine und mittlere Unternehmen können in Zukunft nur dann dauerhaft erfolgreich am Markt bestehen, wenn sie miteinander kooperieren!“. Gemeinsame Aktivitäten in den Bereichen vom Einkauf, Logistik, Finanzierungsabwicklung, IT-Vernetzung bis hin zur Vermarktung seien unerlässlich, um strukturelle Nachteile gegenüber den kapitalgetriebenen Branchenriesen ausgleichen zu können.
Damit jedoch die mittelständischen Unternehmen erfolgreich arbeiten können und durch Kooperation ihre Größennachteile gegenüber Großkonzernen ausgleichen können, bedürfte es verlässlicher und praxisgerechter Rahmenbedingungen, so MITTELSTANDSVERBUND-Präsident Hollmann. Das betreffe zum einen das Wettbewerbsrecht und seine konkrete Auslegung und Anwendung. Zum anderen gehe es darum, dass die essenziellen Finanzierungsdienstleistungen in Verbundgruppen keine sachfremden Einschränkungen etwa durch Aktivitäten der BaFin erfahren dürften.
Wirtschaftsminister Brüderle und MITTELSTANDSVERBUNDS-Präsident Hollmann betonten abschließend die große Bedeutung des gemeinsamen Dialogs. Eine weitere Intensivierung der Diskussion ist von beiden Seiten angestrebt.