Verstand schlägt Frauenquote
Ein Zwischenruf von MITTELSTANDSVERBUND-Hauptgeschäftsführer Dr. Ludwig Veltmann.
11.02.2011
Berlin, 2. Februar 2011: Ein wohltuendes klares Wort der Kanzlerin nach einem leidigen öffentlich geführten Diskurs zwischen Arbeitsministerin Ursula von der Leyen und Frauenministerin Kristina Schröder über die Möglichkeit, den Frauenanteil in der Wirtschaft per Gesetz zu erhöhen: Angela Merkel schließt eine gesetzliche Quote kategorisch aus. So weit, so gut, doch noch immer kein Schluss der Debatte im Kabinett. Ausgerechnet dem Bundeswirtschaftsminister kommt es nun in den Sinn, um eine „freiwillige“ Vereinbarung zwischen Politik und Wirtschaft zu ringen und schlägt wohlklingend einen „partnerschaftlichen Weg“ vor. Selbstverständlich ist blind und taub, wer das derzeitige Ungleichgewicht zwischen Frauen und Männern in Führungspositionen sowohl von Großunternehmen als auch in Verbundgruppen und im Mittelstand ignoriert. Doch ist es mittlerweile nun wirklich eine Mär, dass sich erfolgreiche Unternehmen den Verzicht auf die Kompetenz des vermeintlich schwächeren Geschlechts in den Führungsetagen leisten und leisten können. Das Bild vom Menschen, der in seiner Karriere nicht weiter kommt, weil er eine Frau ist, entspricht der mittelständischen Unternehmerkultur längst nicht mehr. Gerade der aktuell stabilen Wirtschaftsentwicklung geschuldet suchen immer mehr Unternehmen händeringend Fach- und Führungskräfte in allen gesellschaftlichen Bereichen — da bleibt kein Raum für Vorurteil und Klischee. Eine andere Frage ist allerdings, ob denn im Verhältnis der Geschlechterverteilung eine ausgewogene Bereitschaft bei potentiellen Kandidaten besteht, Spitzenpositionen einzunehmen. Eindeutiger Befund: dem ist ganz und gar nicht so. Die Gründe hierfür sind allerdings gesellschaftspolitisch vielfältig. Eine wie auch immer geartete Quote schafft genau diese Gründe nicht beiseite. Es bleibt vielmehr am Ende das ungute Gefühl, unterqualifizierte Personen in Spitzenpositionen zu hieven — eine verheerende Perspektive für Unternehmen, die sich einem immer härteren globalen Wettbewerb zu stellen haben. Gerade weil der Mittelstand in Deutschland die besten Köpfe braucht, darf sich die Politik nicht kontraproduktiv einmischen, auch wenn die populistische Wirkung noch so verlockt.
Vielmehr stehen wir nun vor der Aufgabe, die Rahmenbedingungen so zu verändern, dass es Frauen leichter fällt, sich um eine Spitzenposition zu bewerben und sich in eine solche Funktion hineinzuarbeiten. Nach wie vor ist es nämlich so, dass in den allermeisten Fällen der Löwenanteil der Familienarbeit von Frauen bewältigt wird. Es geht also um die alte Frage nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die staatlichen Kinderbetreuungsangebote von der KiTa bis zur Schule sind mit einer Vollzeitstelle inklusive Überstunden und Dienstreisen schlicht nicht vereinbar. Hier besteht dringender Nachholbedarf.
Aber auch die Unternehmen selbst werden einen Kulturwandel erleben, wollen sie dieses Potential an Fach- und Führungskräften halten. Das Unternehmen der Zukunft wird einen anderen Umgang mit Arbeitszeitmodellen, Büroanwesenheit sowie der Organisation von Besprechungen und Dienstreisen entwickeln. Davon profitieren dann auch die Männer.
Dr. Ludwig Veltmann