MENÜ MENÜ

Veltmann: "Geschäftsmodell Verbundgruppe stärkt Mittelstand"

Zum Ende des Jahres 2013 zieht Dr. Ludwig Veltmann Bilanz. Im Interview äußerte sich der Hauptgeschäftsführer des MITTELSTANDSVERBUNDES zu den größten Herausforderungen für den Mittelstand in 2014 und zu seinem Wunschzettel an die neue Bundesregierung.

20.12.2013

Berlin, 20.12.2013 — Hauptgeschäftsführer Dr. Ludwig Veltmann erklärt im Interview, dass "die neue Bundesregierung mit den im Koalitionsvertrag niedergelegten Zielen, der Ressortverteilung auf die politischen Kräfte und dem Zuschnitt der einzelnen Ressorts sicher nicht den Idealvorstellungen des MITTELSTANDSVERBUNDES" entspricht. Im Interesse seiner Mitglieder werde der Spitzenverband des kooperierenden Mittelstandes aber "allen neuen Kabinettsmitgliedern eine faire Chance" geben.

SynergienNews: Herr Dr. Veltmann, wie war das Jahr 2013 für den kooperierenden Mittelstand?

Dr. Ludwig Veltmann: Das mitgliederorientierte Geschäftsmodell der Verbundgruppen war auch im zur Neige gehenden Jahr 2013 sehr erfolgreich und hat den deutschen Mittelstand weiter gestärkt. Dank der überbetrieblichen Zusammenarbeit konnten die meisten mittelständischen Unternehmen ihre Eigenkapitalbasis weiter verbessern und sich im harten Wettbewerb gerade mit einigen Giganten im Online-Handel gut behaupten. Viele Verbundgruppen konnten mit eigenen Online-Shops für ihre Mitglieder vielversprechende Akzente setzen und mit gezielter Platzierung von Eigenmarken attraktive Margen für mittelständische Unternehmen zurückerobern.

Schwieriger war dies allerdings in Branchen extrem starker Herstellermarken, wie etwa im Bereich der Konsumelektronik. Hier wurde verstärkt auf die Professionalisierung der Organisation und der Abläufe sowie eines Ausbaus der Dienstleistungen gesetzt.

Erhebliche Verunsicherung bereitete den im MITTELSTANDSVERBUND organisierten rund 300 Verbundgruppen und ihren 230.000 Mitgliedsunternehmen die Explosion der Energiekosten, insbesondere das EEG-bedingte Umlagesystem beim Strom. Auch die politischen Unsicherheiten im Vorfeld der Bundestagswahlen und während der extrem langen Zeit (von rund drei Monaten) nach den Wahlen bis zum Abschluss des Koalitionsvertrages haben ihren Niederschlag etwa in der begrenzten Investitionsbereitschaft gefunden.


SN: Vor welchen Herausforderungen steht der Mittelstand im Jahr 2014?


Dr. Veltmann: Eine zentrale Herausforderung ist die zu erwartende rasche weitere Präsenz der global tätigen Internet-Giganten auf den Konsumgütermärkten. Dem wird die mittelständische Wirtschaft nur durch überzeugende eigene organisatorische und technische Lösungen einerseits, andererseits durch die Fokussierung auf die Vorteile lokaler Nähe zu den Kunden mit stationären Geschäften überzeugend entgegentreten können. Dabei wird die überbetriebliche Bündelung der Kräfte in Verbundgruppen und wiederum deren Kooperation auf einer nächsthöheren Stufe von alles entscheidender Bedeutung sein. Auch gegen weiter negative Auswirkungen handwerklicher Fehler bei der Energiewende zu Lasten des Mittelstandes wird nur im engen Schulterschluss der betroffenen Unternehmen etwas auszurichten sein.


SN: Was erwarten Sie von der neuen Bundesregierung?

Dr. Veltmann: Die neue Bundesregierung entspricht mit den im Koalitionsvertrag niedergelegten Zielen, der Ressortverteilung auf die politischen Kräfte und dem Zuschnitt der einzelnen Ressorts sicher nicht den Idealvorstellungen des MITTELSTANDSVERBUNDES. Allerdings geben wir allen neuen Kabinettsmitgliedern eine faire Chance und werden sie an ihren Taten und Ergebnissen messen. Eine Perspektive für die Politik insgesamt ist beispielsweise darin zu sehen, dass die Energiewende in Zukunft weder an der Bund-Länder-Blockade noch an dem Gerangel um Ressortzuständigkeiten scheitern sollte, da die vornehmlich beteiligten Ressorts und Gremien rein SPD-geführt sind. Auch erwartet DER MITTELSTANDSVERBUND von der neuen Bundesregierung, dass sich das Bestreben "staatlicher Allgegenwärtigkeit" mit regelmäßig erlebter Ausweitung mittelstandsfeindlicher Bürokratie in Grenzen hält. Die in der Praxis oft überzogenen Vorhaben des Verbraucherschutzes müssen einer grundlegenden Prüfung unterzogen werden. Des Weiteren darf unternehmerische Planungssicherheit nicht länger an einer praxisfremden Auslegung der Insolvenzordnung konterkariert werden.
Zurück zur Übersicht