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Unternehmenspolitische Tagung in Krakau wegweisend für Europa

Die Unternehmenspolitische Tagung, kurz UPT, hat sich in den letzten Jahren zum TOP-Begegnungsforum fürSpitzenmanager aus führenden Verbundgruppen in der EU entwickelt. DasFach- und Begleitprogramm begeisterte auch diesmal die Teilnehmer, erstmals auch ausZentral- und Mitteleuropa.

02.06.2004

Zur UPT 2004 zog es in der letzten Maiwoche Verbundgruppen-Manager aus neun europäischen Ländern in die polnische Kulturmetropole Krakau. Aus Anlaß der Erweiterung der Europäischen Union zum 1. Mai dieses Jahres hatten UGAL, ZGV und ServiCon die alljährlich stattfindende Spitzenveranstaltung für das europäische Verbundgruppen-Management unter dem Titel „Europa XXL“ als Begegnungsforum zwischen Ost und West ausgerichtet.

Schon der Rahmen der Veranstaltung ließ auf die engen historischen und kulturellen Wurzeln Europas schließen. Im geschichtsträchtigen Collegium Novum der altehrwürdigen Jagellonian-Universität aus dem 14. Jahrhundert wurde rasch deutlich, dass eine engere Zusammenarbeit zwischen West- sowie Zentral- und Mitteleuropa kein Phänomen der neueren Zeit ist, sondern auf jahrhundertealte Entwicklungen zurückgreifen kann. In seiner Eröffnungsanspruche griff UGAL-Präsident Dr. Jan-Peter Karelse, Vorstandsvorsitzender der INTRES BV, Hoevelaken, sogar auf die griechische Mythologie zurück, nach der der Name"Europa" bei einer Begegnung der gleichnamigen Göttin mit dem Göttervater Zeus vergeben wurde.

Professor Andrzej Szromnik, Direktor des Instituts für Handel und Marketing der Wirtschaftsuniversität Krakau erläuterte die aktuellen Perspektiven für den Mittelstand, insbesondere in Polen. Ähnlich wie in den westlichen Ländern Europas zählt auch dort der Mangel an Eigenkapital und psychologische Barrieren für den Eintritt junger Leute in ein mittelständisches Unternehmen zu den wichtigsten Entwicklungshemmnissen. Große Chancen sieht Szromnik in der grenzübergreifenden Zusammenarbeit, allerdings müsse die bestehende Skepsis, die auch in Polen bei den westeuropäischen Nachbarn zu spüren sei, überwunden werden. Ausdrücklich begrüßte er deshalb die Entscheidung der UGAL, mit der UPT 2004 in Polen präsent zu sein. Dr. Thomas Krasny, Managing Partner der INCOMA Consult, Prag, Tschechien, analysierte die Lage auf den Märkten in Zentral- und Osteuropa. Hierbei zeigte er die besonderen Chancen der gegenüber den westlichen Ländern völlig konträren Alterspyramide auf. Hieraus ergebe sich ein deutlich modifiziertes Konsumentenverhalten.

Am Beispiel der GARANT SCHUH + MODE AG stellte UGAL-Vorstandsmitglied Dr. Kurt Merse den Aufbau eines mittelständischen Facheinzelhandels in Osteuropa dar. Mit Schuheinzelhandelsgeschäften ist die GARANT in mehreren osteuropäischen Ländern präsent. Wie sich die Tagungsteilnehmer überzeugen konnten, ist die GARANT auch an drei Standorten in Krakau mit Facheinzelhandelsgeschäften vertreten. Merse warnte jedoch davor, bei der Internationalisierung von Verbundgruppen Konzepte 1 : 1 auf andere Länder zu übertragen. Speziell in Zentral- und Mitteleuropa habe man die Erfahrung gemacht, dass vorhandene Geschäfte kaum in ein Netzwerk eingebunden werden könnten. Die Entwicklung der Märkte für die GARANT-Gruppe sei dort überwiegend mit Existenzgründern gelungen. Enorme Anstrengungen seien im Bereich der Qualifizierung vorgenommen worden. Besondere Schwierigkeiten habe die Bonitätsprüfung bereitet. Außerdem sei die Zentralregulierung bei den osteuropäischen Finanzbehörden völlig unbekannt und deshalb schwer zu realisieren. Als internationale Gruppe habe man sich frühzeitig auch in der verbalen Zusammenarbeit auf die veränderte Situation in Europa eingestellt. So sei bei europäischen Aktivitäten nicht mehr von „Auslandsengagement“ die Rede, sondern man spreche von „europäischen Partnern“.

Albert Eurskens, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der BÄKO-Zentrale Süddeutschland eG und Mitglied des ZGV-Präsidiums, bestätigte Merses Erkenntnisse. Mit Unterstützung des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbandes (DGRV) hat seine Gruppe in Ungarn eine Tochtergesellschaft für das ungarische Bäcker- und Konditorenhandwerk errichtet. Während man mit dem geschäftlichen Ergebnis und den Perspektiven recht zufrieden sei, müsse man auch nach einigen Jahren der Zusammenarbeit immer wieder kulturelle und sprachliche Hindernisse überwinden.

Das sich zu grenzübergreifenden Managementproblemen stets die Frage der geeigneten kommunikations- und informationstechnologischen Lösungen gesellt, zeigte Henryk Biesiada, Bereichsleiter eBusiness der T-Systems Systems Integration, Saarbrücken, in einem beeindruckenden Vortrag auf. Hierbei stellte er zwei Faktoren heraus, die insbesondere für die technologische Ausrichtung seines Unternehmens von besonderer Bedeutung sind, nämlich Schlagkraft und Flexibilität der Systeme.

In dem anschließenden „Begegnungsforum“ stellten zunächst die Polin Iwona Rokita-Kwietniak, Krakau, und Jens Witte, DG-Verlag Wiesbaden, die Beratungs- und Vermittlungsleistungen des Euro-Info-Centers für das grenzübergreifende Engagement von Unternehmen im Detail dar. Dr. Paul Armbruster, Deutscher Genossenschafts- und Raiffeisenverband — DGRV, ging auf die begleitenden Aktivitäten bei der Gründung von genossenschaftlichen Strukturen in Zentral- und Mitteleuropa im Rahmen von Partnerschaftsprojekten ein.

Bei der Podiumsdiskussion, an der die Herren Jan Rzepka, Direktor der Lewiatan Detal Holding, einer Lebensmitteleinzelhandelsgruppe mit 1.800 Geschäften in ganz Polen, Rolf Spannagel, Geschäftsführer des Instituts für Markt- und Wirtschaftsforschung GmbH, Berlin, Herr Jaroslaw Kolataj, Geschäftsführer der polnischen Tochtergesellschaft der GARANT SCHUH + MODE AG und Günter Westphal, Partner PriceWaterhouseCoopers, Warschau, teilnahmen, wurden die kulturellen Vorbehalte für ein Auslandsengagement noch einmal sichtbar. Insbesondere die polnische Seite machte deutlich, dass sie teilweise das wirtschaftliche Engagement westeuropäischer Unternehmen in Osteuropa gegenüber den umgekehrten Aktivitäten als zu dominierend empfinde. In einigen Trends und Entwicklungen hingegen lassen sich die Phänomene in Ost und West durchaus vergleichen. So sei allgemein festzustellen, dass die Bereitschaft, sich als Unternehmer selbstständig zu machen, bei jungen Leuten in allen europäischen Ländern derzeit eher gedämpft ist. Hingewiesen wurde jedoch darauf, dass die Selbstständigen-Quote in Polen mit deutlich über 12% aber den westlichen Nachbarländern zur Zeit weit überlegen sei. Problematisch sei hierbei allerdings die geringe Verfügbarkeit von Kapital. Vor dem Hintergrund der sozialistischen Zwangskollektivierung seien zudem die Vorbehalte gegenüber Kooperationen aller Art jedoch erheblich.

Arkadius Etryk, Vorstandsdirektor der Raiffeisenbank Polska S. A., Warschau, unterstrich die Bedeutung zukunftsweisender Investitionen und mutiger Existenzgründungen und erläuterte die Möglichkeiten der Finanzdienstleistungen.

Nach der konzentrierten Sequenz von Wissenschafts-, Beratungs-, Management-, Technologie- und Finanzdienstleistungsthemen trat als hochkarätiger Abschlussredner Janusz Reiter, Präsident des Zentrums für internationale Beziehungen, Warschau, und ehemaliger Botschafter Polens in Deutschland auf. Er illustrierte die veränderten inneren und äußeren Beziehungen der EU-Länder und würdigte die historische Bedeutung der EU-Erweiterung. Angesichts dessen müßten die Menschen in der EU „begeistert auf den Straßen tanzen“, dass sie dies dennoch nicht täten sei insbesondere auf die vielfältigen innenpolitischen Probleme der meisten EU-Länder zurückzuführen. Reiter, der national und international bedeutende Unternehmen und Regierungsrepräsentanten berät, appellierte an die Teilnehmer, den zukunfts- und friedensstiftenden Integrationsprozeß Europas mutig voranzutreiben.

Im Rahmen eines kulturell und gesellschaftlich sehr ansprechenden Begleitprogramms zu der Fachtagung (u. a. Besuch von Schloß und Kathedrale auf dem Wawel sowie Besichtigung der als UNESCO-Kulturerbe eingestuften Salzminen von Wieliczka) nahmen die Teilnehmer vielfältig die Gelegenheit wahr, um das Erfahrene miteinander zu vertiefen und engere Kooperationskontakte zwischen den Verbundgruppen aus Ost und West zu knüpfen. Für fast alle Teilnehmer stand unter dem Strich eines fest: Zentral- und Mitteleuropa und insbesondere Polen bieten weit mehr Perspektiven als das die Medien und die öffentliche Meinung häufig Glauben schenken mag. Es gilt, offen und ohne Vorurteile aufeinander zuzugehen.

Die aus Griechenland stammende Entsandte des Generalsekretariats der UGAL, Brüssel, Kalliopi Spyridaki, äußerte sich sehr zufrieden über das hohe Niveau von Fach- und Begleitprogramm. Fachliche Gestaltung, Moderation und Organisation der Veranstaltung führen ZGV und ServiCon seit einigen Jahren im Rahmen eines Kooperationsvertrages mit der UGAL durch.

Die nächste Unternehmenspolitische Tagung findet in der letzten Maiwoche 2005 statt. Als mögliche Zielorte wurden Riga (Lettland), Ljubljana (Slowenien), Moskau, Athen oder Istanbul in Erwägung gezogen. Eine Entscheidung wird im UGAL-Vorstand in Kürze herbeigeführt werden.

Dr. Ludwig Veltmann

l.veltmann@zgv-online.de

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