Studie des ECC Handel: Vertriebskanal Internet gewinnt im mittelständischen Handel zunehmend an Bedeutung
6 % der Umsätze wurden im Jahr 2005 online erzielt. Für das aktuelle Geschäftsjahr wird eine Steigerung auf 7,9 % erwartet
05.12.2006
Köln, Dezember 2006 — Die meisten kleinen und mittleren Handelsunternehmen haben die Herausforderung Internet angenommen. Viele dieser Unternehmen realisieren bereits nennenswerte Umsätze über den Online-Vertriebskanal. Durchschnittlich erzielten die befragten Unternehmen im vergangenen Jahr 6,0 % ihres Umsatzes über den Vertriebskanal Internet. Für das laufende Jahr wird ein Anstieg auf 7,9 % erwartet. Fast 60 % der Unternehmen mit Online-Vertrieb erzielen mindestens 5 % ihres Gesamtumsatzes online. Knapp zwei Drittel der Internetumsätze realisieren die Befragten über den eigenen Online-Shop. Daneben sind vor allem der Vertrieb über eBay sowie über eine Verbund- bzw. Kooperationsplattform von Belang. So lautet das Fazit der Studie „Internet im Handel 2006“ des E-Commerce-Center Handel (ECC Handel) am Institut für Handelsforschung. Die Umfrage unter 2.390 Handelsunternehmen zeigt aber gleichzeitig, dass bei den Händlern weiterhin große Anstrengungen notwendig sind, um die gesetzten Ziele bei der Nutzung des Internets zu erreichen, und noch viele Nutzungspotenziale offen stehen.
Trendwende bei mit dem Internet verbundenen Zielsetzungen
Welche Ziele verfolgen die Unternehmen mit ihrem Engagement im Internet? Hier ist eine eindeutige Trendwende erkennbar: Während bei den Vorgängeruntersuchungen stets die Ziele der Kundenakquisition und Kundenbindung dominierten, hat sich nun weitgehend eine ganzheitliche Betrachtungsweise durchgesetzt. Der Zeitoptimierung und Flexibilisierung der internen Prozesse sowie der Erhöhung der Auswahl und Reduktion der Kosten beim Einkauf wird inzwischen eine mindestens ebenso hohe Bedeutung beigemessen. Der Grad der Ziel-erreichung hat sich bei diesen Zielen in den letzten beiden Jahren erheblich erhöht. Bei der Erschließung neuer Zielgruppen und der Erhöhung der Kundenbindung bestehen hingegen noch erhebliche Defizite: 47,2 % bzw. 44,9 % der Handelsunternehmen gaben an, diese Ziele überhaupt nicht oder fast nicht erreicht zu haben.
Probleme der Internetnutzung verlieren an Bedeutung
Der Fortschritt der Handelsunternehmen im E-Business spiegelt sich auch darin wider, dass die meisten Probleme als weniger bedeutend eingestuft werden als in den Vorjahren. Als wichtigstes Hemmnis nennen die befragten Händler Zweifel an der Eignung der vertriebenen Produkte für den Online-Vertrieb. Ob dies in jedem Fall auch tatsächlich zutrifft, darf ange-sichts der Angebotsvielfalt im Internet jedoch bezweifelt werden. Nach Ansicht vieler Händler wollen die Kunden keinen Online-Vertrieb oder erwarten Mehrwerte, die der Händler nicht bieten kann. Zeitmangel, die Angst vor Preistransparenz und Preisverfall sowie Sicherheits-bedenken stellen aus Sicht der Befragten weitere wesentliche Schwierigkeiten im E-Busi-ness dar.
Internetmarktplatz eBay für Beschaffung und Vertrieb von Bedeutung
„Der Online-Marktplatz eBay spielt inzwischen für viele kleine Händler sowohl für die Beschaffung als auch für den Vertrieb eine Rolle“, weiß Andreas Duscha, Wissen-schaftlicher Mitarbeiter am ECC Handel. Mehr als ein Drittel der befragten Unternehmen, die Güter über das Internet beschaffen, gibt an, den Internetmarktplatz eBay im Rahmen der Warenbeschaffung zu verwenden. Insgesamt 34,7 % der befragten Unternehmen verkaufen bereits Waren über eBay. Über 40 % dieser Unternehmen nutzen diesen Online-Vertriebskanal bereits seit mindestens drei Jahren, mehr als 8 % hingegen erstmals im aktuellen Geschäftsjahr zum Produktabsatz. Die gemachten Erfahrungen sind dabei überwiegend positiv. Vielfach werden jedoch insbesondere die aus Sicht der Händler zu hohen Provisions- und Einstellgebühren beklagt.
Fazit
„Die Untersuchungsergebnisse lassen sich dahingehend zusammenfassen, dass die Internetnutzung bei den kleinen und mittleren Handelsunternehmen inzwischen zur Selbstverständlichkeit geworden ist“, so Dr. Kai Hudetz, Bereichsleiter ECC Handel. „Zwar wird es noch immer überwiegend zur Kommunikation und Information genutzt, aufwändige Anwendungen gewinnen aber zunehmend an Bedeutung.“ Die Relevanz sowohl der elektronischen Beschaffung als auch des Online-Vertriebs hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen. Generelle Aussagen sind jedoch äußerst schwierig, da zwischen den verschiedenen Handelsbranchen deutliche Unterschiede bestehen, die eine branchenspezifische Betrachtung, wie sie in vorliegender Untersuchung vorgenommen wurde, erforderlich machen.
Zur Studie
Das ECC Handel hat im Rahmen der Studie „Internet im Handel 2006 - Status quo und Entwicklungen -“ zwischen April und Juli 2006 insgesamt 2.390 vorrangig mittelständische Handelsunternehmen zu ihrer Internetnutzung befragt. Die Studie wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, den Dachverbänden des deutschen Handels und von zahlreichen Industrie- und Handelskammern unterstützt. Die Untersuchung knüpft an Vorläuferstudien aus den Jahren 1999, 2002 und 2004 an. Der Berichtsband enthält auf über 150 Seiten größen- und regionalspezifische Auswertungen sowie spezifische Ergebnisse zu 19 ausgewählten Handelsbranchen. Er ist zu einem Preis von 25,00 Euro (inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten) im Online-Shop (http://www.ecc-handel.de/shop.php) des ECC Handel erhältlich. Für Fragen steht Ihnen der Projektleiter Andreas Duscha als Ansprechpartner (Tel. 0221/943607-70) zur Verfügung.