RWI-Studie: Finanzkrise kostete Deutschland 187 Mrd. Euro
Nach einer Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung kostete die Finanzkrise Deutschland bislang 187 Mrd. Euro. Dass es Deutschland trotzdem so gut geht, ist insbesondere ein Verdienst des Mittelstandes.
11.04.2013
Berlin/Essen, 05.04.2013 — Nach einer jüngst veröffentlichten Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung kostete die Finanzkrise Deutschlands Haushaltskasse bislang 187 Mrd. Euro. "Dass es Deutschland vor diesem Hintergrund noch so gut geht, ist vor allem ein Verdienst des Mittelstandes", betont MITTELSTANDSVERBUND-Präsident Wilfried Hollmann.
Die Finanzkrise hat bekanntermaßen ein großes Loch in die deutsche Haushaltskasse gerissen. Zwei Wissenschaftler des RWI haben in einer Studie quantifiziert, wie groß die Auswirkungen der 2008 beginnenden Finanzkrise auf den Staatshaushalt bisher gewesen sind. Demnach belastete die Krise 2009 die deutschen Staatsfinanzen mit 70 Mrd. Euro, im Folgejahr waren es 117 Mrd. Euro.Trotz dieser großen Mehrbelastungen zeigt sich die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland bemerkenswert stabil. Dies sei vor allem dem Mittelstand und seinen Kooperationskonzepten zu verdanken, betont der Präsident des MITTELSTANDSVERBUNDES: "Trotz der unzähligen Belastungen, die der Mittelstand wegen der Krise tragen musste und immer noch muss, bildet er durch leistungsstarke Verbundgruppen und solides Wirtschaften noch eine feste Basis, die Deutschland selbst in turbulenten Situationen stabilisiert." Umso unverständlicher sei die oft leichtfertige Verschlechterung der politischen Rahmenbedingungen für mittelständische Unternehmen durch Bürokratie, gesetzliche Abgaben und Umlagen.
Die an der RWI-Studie beteiligten Ökonomen verglichen die tatsächliche, krisenbedingt schlechte Finanzlage mit der Entwicklung, die sich ohne eine Krise ergeben hätte. Als Gradmesser dienten die jeweiligen Konjunkturprognosen für 2008 und 2009, welche Ende 2007 beziehungsweise Anfang 2008 veröffentlicht wurden. Die Bundesregierung hatte für das Jahr 2008 einen Anstieg der realen Wirtschaftsleistung um zwei Prozent erwartet, für 2009 waren es noch 1,5 Prozent. Allerdings waren auch diese Prognosen bereits von den ersten Ausläufern der Krise getrübt. Da aber zu Beginn 2007, als von Krise noch keine Rede war, noch keine Konjunkturprognose für 2009 vorlag, mussten die Forscher hier auf spätere Daten zurückgreifen.
Die Forscher nennen in der Studie verschiedene Ursachen für die hohen Belastungen. Zum einen führen sie die automatischen Stabilisatoren an, die die Bundesregierung in der Krise ausnutzt. Darunter verstehen Volkswirte Eingriffe des Staates, die entgegen dem Konjunkturverlauf wirken und damit die Wirtschaft in einer Krise stabilisieren sollen. Die Mehrbelastung durch diese stabilisierenden Ausgaben schätzen die RWI-Ökonomen auf 53 Mrd. Euro 2009 und 29 Mrd. Euro 2010.Als weiteren großen Kostenverursacher nennt die Studie die beiden Konjunkturpakete der Bunderegierung. Abwrackprämie, niedrigere Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung oder Investitionen in die Infrastruktur haben den deutschen Staat viel Geld gekostet. Insgesamt sind es 80 Mrd. Euro. Diese konjunkturstützenden Maßnahmen haben allerdings durchaus Wirkung gezeigt. Bezieht man die Wachstums- und Beschäftigungseffekte mit ein, ergaben sich immer noch Mehrbelastungen von 20 Mrd. Euro in 2009 und 27 Mrd. Euro in 2010.