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Rekordbeteiligung in Berlin: Großhandels- und Kooperationskongress stellt Weichen für den Aufschwung

Beim 4. Deutschen Kongress für Großhandel und Kooperationen waren sich alle einig: Wer sich gut positioniert hat, geht gestärkt aus der Krise hervor

18.09.2009

Berlin, 16. und 17. September 2009- „Es ist wieder Druck auf dem Kessel“ war sich ZGV-Präsident Wilfried Hollmann bei der Eröffnung des 4. Deutschen Kongress für Großhandel und Kooperationen in der Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Bank sicher. Damit sprach er zugleich den über 600 anwesenden Vertretern aus Kooperationen, Großhandel und Politik aus der Seele. Als Gemeinschaftsveranstaltung führt der ZGV den Kongress seit seiner Initiierung vor 4 Jahren gemeinsam mit dem Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels durch. Der Gastgeber des Abends, der Vorsitzende des Vorstandes der Deutschen Bank, Dr. Josef Ackermann unterstrich, wie wichtig ein starker Mittelstand für eine Volkswirtschaft sei. Er zeigte sich gerade angesichts der Krise beeindruckt von der Stabilität des deutschen Mittelstandes. Im internationalen Vergleich habe Deutschland damit einen erheblichen Vorteil und gute Chancen, die Krise gestärkt zu überwinden.

Eines der Highlights des Kongresses war die kämpferische, aber auch nachdenklicheRede mit durchaus launigen Passagen des Bundesfinanzministers Peer Steinbrück. Bei großer Medienpräsenz zeigte er ganz im Sinne des Kongressmottos auf, wie alle Teile der Gesellschaft ihren Beitrag leisten müssen, um tatsächlich die „Weichen für den nächsten Aufschwung“ zu stellen. Das Marschgepäck für den politischen Hürdenlauf zur Schaffung der rechtlichen Voraussetzungen sei geschnürt. Gleichzeitig mahnte zu mehr Eigeninitiative der Wirtschaft und wies Forderungen nach weiteren Entlastungen der Banken zurück.Es gelte zu klären: „Wer zahlt die Zeche?“ Der Bundesfinanzminister warnte seine Zuhörerschaft davor, dass die jetzigen Maßnahmen nicht die nächste Krise vorprogrammieren dürften. Die Banken forderte er auf, ihre günstigen Zinsen an ihre Kunden weiterzugeben, an die Geschäfts- wie auch die Privatkunden. Damit übte er scharfe Kritik an der Kreditvergabepraxis, besonders für den Mittelstand. Der Kreditsektor müsse doch wissen, dass man mit den Konditionen der derzeitigen Kreditvergabe seine Kunden nicht binde! Weitere Steuersenkungen schloss der Finanzministerausund mahnte: „Wohlstand undWachstum sind auch in Deutschland nicht selbstverständlich. Wir müssen uns anstrengen, um weiterhin in der Championsleague mitspielen zu dürfen!“


Peer Steinbrück beim 4. Deutschen Kongress für Groß-
handel und Kooperationen in Berlin

Die Politik in Deutschland müsse jetzt den Mut haben, Exzesse ins Spotlight zu stellen, jedoch auch mutig genug sein, diejenigen weiter zu fördern, die gut und richtig handeln. „Handeln“ meinte Dr. Eckhard Cordes, Vorstandsvorsitzender der METRO Group,in diesem Fall wörtlich. Denn der Handel sei nicht, wie so häufig gedacht, das Stiefkind der deutschen Wirtschaft, sondern vielmehr der Musterschüler. Er stehe für Innovation und Qualitätssicherungund habe — bis auf eine Ausnahme — nicht wie andere Sektoren nach der helfenden Hand des Staates geschrien. Daher forderte Cordes die Teilnehmer des Kongresses auf, sich aktiv dafür einzusetzen, den Handel in der öffentlichen Wahrnehmung noch stärker als wichtigen Sektor der Wirtschaft zu etablieren. Immerhin sei der Handel mit 10 Prozent an der Bruttowertschöpfung in Deutschland beteiligt. Zum Vergleich trage die Automobilindustrie nur 3,7 Prozent dazu bei. Aber auch dem Handel, den er in seinem Vortrag so positiv belegte, wollte Cordes kein Ende der Krise bescheinigen. Ein Durchatmen sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht angebracht. Eine Kernforderung seines Vortrages war es, den Dialog zwischen der Wirtschaft und der Politik weiter zu fördern. Denn diese Krise könne nur dann dauerhaft zu einem Ende gebracht werden, wenn die Kompetenzen weiterhin klar verteilt seien.

Einen langen Atem müssen Kooperationen und Großhandel auch nach Ansicht des Vorstandsvorsitzenden der Kreditanstalt für Wiederaufbau Bankengruppe (Kfw), Dr. Ulrich Schröder haben: Frühestens im Jahre 2013 könne man das Niveau erreichen, dass man im Jahre 2008 hatte .Einen schnellen wirtschaftlichen Aufschwung sehe er nicht, denn viele negative Effekte würden Deutschland noch hart treffen. Damit spielte er besonders darauf an, dass der Arbeitsmarkt der wirtschaftlichen Entwicklung etwa drei Monate hinterher hänge.

Neben zahlreichen Praxisbeispielen aus dem Großhandel wurden im Rahmen der traditionellen Fachforen auch wieder innovative Konzepte in den Bereichen IT, Logistik, Finanzierung und Vertrieb von prominente Verbundgruppen präsentiert und stießen wegen der unmittelbaren praktischen Relevanz bei den Zuhörern aufreges Interesse.

So stellten u. a. Frau Ute Suberg, Vorstand der Büroring eG, Bertram Pfister vom Buchgroßhandel Libri gemeinsam mit Holm Löwe , Vorstand der Kooperation ebuch, Gerrit Verweij von der holländischen Kooperation The Greenery und Prof. Rödl, Vereine Creditreform, spezifische Projekte und Problemlösungen vor.

In begleitenden Praxis-Workshops wurden weiterhin wieder Lösungen und Studien von handelsnahen Dienstleistern präsentiert. Auch diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie in den Kooperationen und Großhandelsungernehmen bereits etabliert sind und schnelle Umsetzungsmöglichkeiten für Effizeinzverbesserungen in der Wirtschaftsstufe bieten.

Das Nachmittagsprogramm stand ganz im Zeichen der Verbundgruppen: Weil Kooperationen in der Krise stabiler sind, als andere Wirtschaftsformen bezeichnete, Ulrich Wolf, Vorsitzender der Geschäftsführung der EUROBAUSTOFF mbH die Netzwerkwirtschaft als einen „Königsweg in der Krise".Mittelständisch — Individuell — Erfolgreich — Wolf schaffte es, den Teilnehmern mit diesen drei Schlagworten zu verdeutlichen, dass das Netzwerk der Eurobaustoff tatsächlich funktioniert. Denn auch diese Verbundgruppe ruft nicht nach Hilfe vom Staat, sie legt ihr eigenes Konjunkturprogramm für die Mitglieder auf. Die Baustoffkooperation gewährte ihren Mitgliedern im letzten Jahr über Wechselgeschäfte beispielsweise Kredite über 200 Mio Euro zu sehr günstigen Zinsen. Trotz dieser Spitzenleistungen, zu denen Kooperationen selbst in der Krise fähig sind, äußerte sich Wolf sehr besorgt darüber, wie wenig in der Politik über den Handel, den Mittelstand und die Kooperationen eigentlich bekannt sei. Trotz des investitionsfeindlichen Umfeldes in der Baubranche sei die EUROBAUSTOFF mittlerweile die Nummer 1 im Bereich der energetischen Sanierung und stehe damit in der Mitte eines neuen Netzwerkes: der Händler vor Ort werde damit zum Allround-Problemlöser. Wolfs Vorschlag für eine Stimulierung der Bauwirtschaft: Die Wohninvestitionsprämie. Das bedeute, Bauen und Modernisieren von selbstgebauten Ein- oder Zweifamilienhäusern unter Befreiung von der Umsatzsteuer. Damit griff er im Übrigen eine langjährige Forderung des ZGV auf.

Mehr Gemeinsamkeiten als Konflikte fanden das Herstellerunternehmen BAYWA und er Hersteller ROTO: Herr Hurthmanns, Mitglied des Vorstandes der BAYWA konstatierte, dass die die Zusammenarbeit mit der Wirtschaftstufe Handel eine grundsätzliche Weichenstellung eines Industrieunternehmens sei in der sich jeder auf seine Stärken besinnen könne: Der Handel auf Distribution, Logistik sowie Absatz- und Vetriebskonzepte, die Industrie auf die Entwicklung und herstellung innovativer Produkte. Auch die wachsende Bedeutung der Eigenmarken wurde gründlich unter die Lupe genommen. Bislang belastet das die Beziehungen zwischen Lieferanten und Großhändler jedoch offenbar noch nicht spürbar.

Gerald Lange-Hermstädt, Vorstandssprecher des Getränke Rings und Mitglied des Vorstandes der Für Sie eG. sprach sich ebenfalls für die Kooperation als DIE Strategie für den Mittelstand aus und beschrieb am konkreten Beispiel des Getränkefachgroßhandels, die Stolpersteine der Zusammenarbeit von Unternehmen, die in schrumpfenden Märkten vorher Wettbewerber waren. Nur durch Effizienzgewinn und Stärke durch Kooperation könne man sich den Discountern entgegenstellen, die im LEH mittlerweile 47% des Umsatzes und nach Menge sogar mehr als 50% erreichten.

Dr. Ludwig Veltmann, Hauptgeschäftsführer des ZGV betonte im Abschluss-Statement zum Kongress, dass zwar kein Unternehmen wie das andere sei, der Kongress bei der Präsentation von Problemlösungen jedoch erneut Zeichen gesetzt habe und viele wertvolle Impulse gegeben habe, die die Teilnehmer als Anregung mit nach Hause nehmen könnten, um sie auf individuelle Art und Weise und für ihr Unternehmen passend umzusetzen. Daher habe sich der Kongress mittlerweile als Kongressformat bewährt und biete eine herausragende Gelegenheit für Networking.

Mit Rekorden bei Teilnehmerzahl und Medienaufmerksamkeit habe der 4. Deutsche Kongress für Großhandel und Kooperationen eine punktgenaue Bestandsaufnahme zur wirtschaftlichen Lage vorgenommen, exzellente Problemlösungen präsentiert und bestehende Herausforderungen, für die Wirtschaftsstufe von Kooperationen und Großhandel thematisiert.

Eine Bildergalerie gibt es hier zu sehen: http://www.derhandel.de/bildergalerie/handel/pages/galerie.php?gid=138

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