MENÜ MENÜ

PKM-Forum Mittelstand diskutiert Comeback des "ehrbaren Kaufmanns"

Nach den Eskapaden auf den Finanzmärkten ist eine Wertedebatte in Politik und Wirtschaft entbrannt, die auch den Begriff des "ehrbaren Kaufmanns" wieder in den Fokus rückt. Der Parlamentskreis Mittelstand der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag lud Verbände und Wissenschaft am 13. Juni zur Debatte.

22.06.2012

Berlin, 13. Juni 2012. Die oft als „Kasinokapitalismus“ bezeichneten Eskapaden der vergangenen Jahre auf den Finanzmärkten hat in allen gesellschaftlichen Kreisen heftige Diskussionen über tragfähige Spielregeln für die Wirtschaft der Zukunft ausgelöst. Einen Teil der Debatte bestimmt die Suche nach einem geeigneten Wertegerüst für Entscheidungsträger im Wirtschaftsleben. Vor diesem Hintergrund hatten Christian Frhr. von Stetten MdB, Vorsitzender des Parlamentskreis Mittelstand der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag und seine Stellvertreterin Frau Marie-Luise Dött MdB Vertreter von Wirtschaft, Wissenschaft und Unternehmen zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Im Mittelpunkt der Diskussion standen die vom Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute BVK postulierten zehn „Tugenden“ des „ehrbaren Kaufmanns“ ().

Hinterfragt wurde insbesondere, inwieweit die seit alters her im Wirtschaftsverkehr unter Unternehmern anerkannten und respektierten Verhaltensweisen neu institutionalisiert und gegebenenfalls durch spezielle Vereinsgründungen manifestiert werden müssen. Dr. Ludwig Veltmann, Hauptgeschäftsführer des MITTELSTANDSVERBUNDES, stellte den Network Governance Kodexes vor und sprach sich dafür aus, dass Verbände und Institutionen unter Einbindung ihrer Mitglieder regelmäßig Impulse, Gedankenanstöße und durchaus auch Leitfäden für ein werte- und ethikorientiertes Management entwickeln. Für die Umsetzung in die Praxis sollte jedoch mehr mit Verweis auf Marketing-Möglichkeiten für die Anwender geworben als mit Sanktionen bei Unterlassungen gedroht werden. Im Mittelstand seien die Spielregeln und Tugenden des „ehrbaren Kaufmanns“ nahezu flächendeckend seit jeher realisiert und akzeptiert. Weitergehende Initiativen oder gar Maßregelungen bedürften deshalb größter Behutsamkeit.

Professor Dr. Joachim Schwalbach, Institut für Management, wissenschaftliche Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin, zeigte sich erfreut, dass es seitens der Studenten der Betriebswirtschaftslehre derzeit einen „run“ auf Seminare und Vorlesungen gäbe, die ethische Fragen und Werte zum Inhalt haben. Als bedauerlich sah er hingegen an, dass die Pflichtangebote zu Betriebswirtschaft und Management und die entsprechende Literatur an den Universitäten bislang Wertefragen überhaupt nicht berücksichtigen. Hier müsse ein Umdenkprozess beginnen.

Zurück zur Übersicht