PEAK 2013: MITTELSTANDSVERBUND appelliert an Altmaier wegen ausufernder Stromkosten
Bundesumweltminister Peter Altmaier verspricht Spitzenrepräsentanten der Verbundgruppen auf dem 7. PEAK-Mittelstandsgipfel in Berlin, mindestens "bis zum letzten Tag der Legislaturperiode" für die Umsetzung der Strompreisbremse und für eine "mittelstandsverträgliche Energiewende" zu kämpfen.
10.05.2013
Berlin, 07./08.05.2013 — Per Videobotschaft versprach Bundesumweltminister Peter Altmaier den Spitzenrepräsentanten der deutschen Verbundgruppen auf dem Mittelstandsgipfel PEAK am 7. Mai, dass er sich "bis zum letzten Tag der Legislaturperiode" für die Umsetzung der Strompreisbremse einsetzen werde. Er nehme "die Sorgen des Mittelstandes" ernst und sagte zu, seine volle Kraft für eine mittelstandsverträgliche Energiewende zu verwenden. Die Idee der Strompreisbremse sei "aus Gesprächen mit dem Mittelstand entstanden" und deswegen halte er sie weiterhin für die beste Sofortmaßnahme zur Eindämmung der Energiekosten. Langfristig sicherte er zu, eine mittelstandsverträgliche Lösung für die Energiewende zu finden. Hochrangige Vertreter der Verbundgruppenzene legten, etwa in einem besonders leidenschaftlichen und faktenreichen Vortrag von Wolfgang Mücher (Vorstand der EDEKA Minden Hannover Stiftung Co. KG), die aktuell bedrohlich ertragzehrenden Auswirkungen fehlgelenkter Energiepolitik beeindruckend dar. Zuvor hatte sich bereits MITTELSTANDSVERBUND-Präsident Wilfried Hollmann in seiner Begrüßung eindeutig zur Energiewende bekannt, gleichzeitig aber zentrale Forderungen des Mittelstandes formuliert. "In unseren Unternehmen wachsen Frust und Unmut über die ungerechte Lastenverteilung dieser Energiewende", betonte Hollmann. Die Energiekosten würden notwendige Investitionen verhindern und zukünftig für viele Unternehmen "zur Existenzbedrohung" werden. Die Strompreisbremse wäre als Sofortmaßnahme ein Schritt in richtige Richtung gewesen. Langfristig müssten die ungerechten Ausnahmeregelungen für sogenannte energieintensive Unternehmen abgeschafft und "die EEG-Umlage mit einer Höchstgrenze gedeckelt" werden, erklärte der Präsident des Spitzenverbandes, der die Interessen von 320 Verbundgruppen und deren 230.000 angeschlossenen mittelständischen Unternehmen vertritt.
Bereits zum siebten Mal haben DER MITTELSTANDSVERBUND und das Magazin Der Handel vom 7. bis 8. Mai den Mittelstandsgipfel PEAK veranstaltet. Das Netzwerksymposium des kooperierenden Mittelstandes stand in diesem Jahr unter dem Motto "Leitwährung Mittelstand: Verlässlich und Systemrelevant".
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Wie Kooperationen die wachsenden Herausforderungen nicht nur der Energiewende, sondern auch des zunehmenden Fachkräftemangels oder des sich rasant ausweitenden Onlinehandels bewältigen, zeigten weitere hochkarätige Vorträge und erkenntnisreiche Workshops im Scandic Hotel in Berlin auf. Hier die Highlights aus den einzelnen Beiträgen.
Entsolidarisierung der Stromerzeugung - grundlegende Reform des EEG
Der Leiter seines Leitungsstabes im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und
Reaktorsicherheit, MinR Dr. Jörg Semmler, der in Vertretung für Bundesumweltminister Altmaier zur PEAK gekommen war, konkretisierte die Ankündigung des Bundesumweltministers in seiner Rede: es brauche jetzt vor allem eine „grundlegende Reform des EEG", erklärte der BMU-Leiter. Einen ausführlichen Bericht zur Rede des Leitungsstab-Leiters finden Sie auf derhandel.de.
EDEKA Minden-Hannover Vorstand und Präsidiumsmitglied des MITTELSTANDSVERBUNDES, Wolfgang Mücher, listete in seinem Vortrag auf, welche Kosten die EEG-Umlage für eine einzige Edeka-Filiale mit sich ziehen. Waren es im Jahr 2012 noch 17.960 Euro, beträgt die Abgabe für das Jahr 2013 bereits 26.500 Euro. "Dieser Wahnsinn muss endlich ein Ende haben", forderte er. Außerdem unterstrich er die Forderung des Verbandspräsidenten an die Politik, mittelstandsfreundliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Als Beispiel führte er die GEZ-Reform an, die eine große Belastung für mittelständische Unternehmen darstellt und deswegen "dringend korrigiert gehört".
Mittelstand: Werteorientiert und systemrelevant
Angesichts der geäußerten Kritik an der mittelstandsfeindlichen Politik, zeigten die folgenden Referenten welche Kraft und Erneuerungsfähigkeit mittelständische Unternehmen trotzdem entwickeln können.
Neben seinen energiepolitischen Aussagen gewährte EDEKA-Vorstand Mücher bei seinem Vortrag zum Thema "Handschlag, Wort und bare Münze" den Gipfel-Teilnehmern einen Einblick in die Wertewelt der Lebensmittel-Verbundgruppe. Dass es in einer Kooperation zwischen den Mitgliedern "auch mal zu Reibereien" komme, sei selbstverständlich. Entscheidend sei, wie diese Meinungsverschiedenheiten ausgetragen würden. Unter Einhaltung des Wertekodex, welcher von der EDEKA entwickelt wurde, "belasten Kritik und Meinungsverschiedenheiten nicht die Zusammenarbeit, sondern werden zur Grundlage von Verbesserungen und Qualitätsmanagement", erklärte er.
BUTLERS: Mittelständler auf Erfolgskurs
Wie ein erfolgreicher Mittelständler mit einem optimistischen Ausblick in die Zukunft aussieht,
zeigte BUTLERS-Geschäftsführer Wilhelm Josten. Der Gründer und Chef des Wohnaccessoires-Händlers verblüffte etwa mit stattlichen Verkaufszahlen von eigenen Musik-CDs - obwohl der Markt immer weiter einbricht. Auch Bücher kann BUTLERS erfolgreich verkaufen. Durch eigene Editionen von Weltklassikern und Kochbüchern, sogenanntes "Eigenlabeling", konnte das Unternehmen die Umsatzzahlen verdoppeln.
Die Basis für diesen Erfolg sieht Josten im "atmosphärischen Hintergrund" seiner Läden und in der Konzentration auf die relevante Zielgruppe (gebildete Frauen zwischen 20 und 45). Die Zukunft im Online-Handel hat für den Mittelständler längst begonnen. "Wir haben uns Multi-Channel auf die Fahne geschrieben", betonte er. Bis 2018 wolle BUTLERS die Hälfte seines Umsatzes online erzielen.
Verbundgruppen auf dem internationalen Parkett
Wie eine internationale Ausrichtung für mittelständische Kooperationen zum Wachstumsmotor werden kann, bewies Fotios Katsardis, Präsident und CEO der TEMOT Int. Autoparts GmbH. Der Autoteile-Händler ist neben dem europäischen Markt bereits erfolgreich in Teilen des asiatischen, amerikanischen und afrikanischen Markts unterwegs. Seine Mitglieder integriere die Zentrale dabei stets durch eine "aktive Teilnahme als zentrales Element einer Verbundgruppe" zur Gestaltung der Zukunftsstrategie.
Workshops: zentrale Herausforderungen für den Mittelstand
In drei Workshops vertieften die Spitzenrepräsentanten der Verbundgruppen die Impulse aus dem
Kongress und tauschten sich zu zentralen Themen aus. Der Geschäftsführer des EHI Retail Instituts, Michael Gerling, diskutierte mit den Teilnehmern im Workshop "Der Kunde von morgen", welche Anforderungen an Produkte, Ladengestaltung und Personal von den "neuen Kunden" gestellt werden und wie sich der kooperierende Mittelstand vor diesem Hintergrund am besten aufstellt.
Die Energiewende zog sich wie ein roter Faden durch den ersten Kongresstag und beschäftigte die Teilnehmer des Workshops "Nachhaltigkeit und Energieeffizienz". Oliver
Recklies, Geschäftsführer der BAG mbH Co. KG, griff im Workshop "Nachhaltigkeit und Energieeffizienz" ein zentrales Thema auf, welches in der Politik nach Ansicht des MITTELSTANDSVERBUNDES immer noch zu wenig Beachtung findet: die Energieeffizienz. Für den kooperierenden Mittelstand besteht hier großes Potential, welches sich auszuschöpfen lohnt, wie das Ergebnis der angeregten Diskussionen zeigte.
Dass die Digitalisierung der Märkte für den kooperierenden Mittelstand die vielleicht wichtigste Herausforderung für die Zukunft darstellt, bewies die große Teilnehmerzahl am Workshop "Online-Handel", der von dem renommierten Experten Prof. Dr. Dirk Morschett von der Universität Fribourg/CH geleitet
wurde. Auf der einen Seite wächst der Druck an dem schnell wachsenden Online-Handel zu partizipieren, auf der anderen Seite bestehen für Kooperationen besondere Schwierigkeiten. Die Teilnehmer diskutierten etwa Vorteile und Nachteile von zentralen und dezentralen Online-Shops.
Führen durch Authentizität – Investition in die Zukunftsressource Personal
Zum Abschluss des ersten Kongresstages begeisterte Sprecherin und Coach, Regina Först, die Verbundgruppenchefs mit einem Plädoyer für einen authentischen Führungsstil. Früher habe
man einen Vortrag von ihr "höchstens im Frauenprogramm eines solchen Kongresses" geduldet, dies habe sich in den letzten Jahren allerdings grundlegend geändert. Zum einen sei die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern für Unternehmen durch den Fachkräftemangel wesentlich schwerer geworden. Damit zusammenhängend wolle man gute Mitarbeiter langfristig an sich binden. Zweitens stellen auch Kunden neue Anforderungen an die Wirtschaft. Diese beträfen besonders den Kundenservice. "Die Kunden von heute wollen als Menschen wahrgenommen werden". Dass hier das Personal als Aushängeschild für das Unternehmen besonders gefordert ist, verstehe sich von selbst.
Först betonte, dass ein guter Führungsstil "menschlich und ehrlich" sein müsse. Außerdem sollten die Verbundgruppenchefs ihre Mitarbeiter durch Lob und Anerkennung nachhaltig motivieren, um "das gesamte Potential aus ihnen heraus zu kitzeln", eine Vertrauensbasis aufzubauen und sie dadurch langfristig an das Unternehmen zu binden.
Fälschungssicher, hochverzinslich und kreativ: der kooperierende Mittelstand
Der zweite Gipfeltag stand im Zeichen der anstehenden Bundestagswahl im September sowie der zentralen Themen und Forderungen des kooperierenden Mittelstandes an die Politik. "Damit der Mittelstand weiter Motor der deutschen Wirtschaft bleibt, darf uns die Politik keine Stolpersteine zwischen die Beine legen", forderte der Präsident des MITTELSTANDSVERBUNDES in seiner Eröffnungsrede. "Wir brauchen keinen Mindestlohn und wir brauchen keine Vermögenssteuer", stellte Wilfried Hollmann fest. Er versicherte den Teilnehmern, dass sich DER MITTELSTANDSVERBUND als "wahres Sprachrohr des Mittelstandes" im anstehenden Bundestagswahlkampf für die Interessen des kooperierenden Mittelstandes stark machen werde. "Ohne Kooperationen wäre der Mittelstand nicht so erfolgreich. Er ist fälschungssicher, hochverzinslich und kreativ", sagte der Verbandspräsident, "deswegen ist die Politik gefordert, kooperationsfähige Rahmenbedingungen zu schaffen".
Der Euro: Leitwährung? Light-Währung? Leidwährung?
Die Euro-Krise treibt den kooperierenden Mittelstand um. Wie steht es um die Zukunft der
gemeinsamen Währung? Investitionsvorhaben werden zurückgestellt, ebenso Vorhaben zur Erschließung von (süd-) europäischen Märkten. Prof. Dr. Jörg Rocholl, Präsident der European School of Management and Technology, konnte die Sorgen der Gipfel-Teilnehmer zwar nicht zerstreuen, sein Vortrag machte aber ein wenig Hoffnung. Rocholl machte zunächst deutlich, dass die hohe Verschuldung der europäischen Staaten eine der Hauptursachen der Krise im Euroraum ist. "Wir haben kein Einnahmen-, sondern ein Ausgabenproblem", stellte er fest. Auch Deutschland habe seit den 70’er Jahren mehrfach die EU-Defizitgrenze (die Gesamtverschuldung darf nicht höher als 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sein) mehrfach deutlich überschritten. Es gelte jetzt, in "der, von der EZB durch die Maßnahmen gekauften, Zeit" eine Lösung zu finden, um die Staaten in ihrer Ausgabenpraxis zu disziplinieren.
Steuerpolitische Bilanz der Bundesregierung: negativ
"Steuern gehen jeden an", stellte der Präsident des Bundes der Steuerzahler, Reiner Holznagel, zu Beginn seiner Rede fest. Durch die angekündigten Steuerpläne einiger Parteien
habe das Thema im derzeitigen Wahlkampf noch eine besondere Relevanz erhalten. Holznagel stellte der Bundesregierung für die 17. Legislaturperiode kein gutes Zeugnis in der Steuerpolitik aus. "Von 30 Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag wurden sechs umgesetzt und 16 nicht einmal angefasst", bilanzierte er. Die "sprudelnden Steuereinnahmen" seien nicht auf die Steuerpolitik der Bundesregierung zurückzuführen, sondern auf die gute wirtschaftliche Lage. Holznagel betonte, dass Steuererhöhungen "Gift für die Haushaltskonsolidierung" seien. Um das Problem der Staatsverschuldung in den Griff zu bekommen, sei vielmehr eine "europäische Schuldenbremse" erforderlich.
"Das Rennen ist noch nicht entschieden"
Der Leiter des Focus-Hauptstadtbüros, Daniel Goffarth, wagte zum Abschluss des zweiten Kongresstages eine Prognose auf den Ausgang der Bundestagswahl im September. Er verblüffte
zunächst mit der Feststellung, dass Umfragewerte vor der Wahl nicht repräsentativ und damit auch nicht zuverlässig seien. "Das Rennen ist noch komplett offen", meinte er. Für die Sozialdemokraten würde es darauf ankommen, wie viele Wähler sie aus dem Lager der Nichtwähler mobilisieren könnten. Nach der Agenda-Politik habe die SPD ca. 2,5 Mio. Wähler an dieses Lager verloren. "Diese Themen werden den Wahlkampf bestimmen: Energiewende, steigende Mieten, prekäre Arbeitsverhältnisse, Steuerbetrug und Managergehälter – Stichwort Uli Hoeneß - und die Rückkehr der Amigos in der CSU". Hier habe die SPD gegenüber der überlegen scheinenden CDU durchaus Potential. Der Journalist rechne als Ergebnis der Wahl mit einer großen Koalition. Für den Mittelstand werde damit auch der Mindestlohn kommen - "das ist so sicher wie das Amen in der Kirche".
Ab dem 15. Mai stellen wir die Vorträge unter www.conferencegroup.de/peak13 als Download zur Verfügung.
Das nächste PEAK-Symposium findet am 6. und 7. Mai 2014 in Berlin statt.