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Nach dem EU-Gipfel: Einige Fragen bleiben offen

Haircut, EFSF, Bankenkapitalisierung: Die Euroländer haben ein umfassendes Paket zur Überwindung der europäischen Schuldenkrise geschnürt. Insbesondere bezüglich der Hebelung der Rettungsfazilität EFSF fehlen jedoch noch wichtige Details.

28.10.2011

Berlin 28. Oktober 2011. Haircut, EFSF, Bankenkapitalisierung: Die Euroländer haben ein umfassendes Paket zur Überwindung der europäischen Schuldenkrise geschnürt. Insbesondere bezüglich der Hebelung der Rettungsfazilität EFSF fehlen jedoch noch wichtige Details.

Schuldenschnitt für Griechenland

Die Staats- und Regierungschefs der Währungsunion haben sich mit den Banken darauf geeinigt, Griechenland rund die Hälfte seiner Schulden zu erlassen. Die ausstehende Staatsschuld in Form von Staatsanleihen in Höhe von 200 Mrd. Euro soll dadurch um 100 Mrd. Euro reduziert werden. Der Einfluss auf die gesamte Staatsverschuldung ist allerdings niedriger anzusetzen, da insbesondere griechische Banken frisches Kapital in Höhe von 30 Mrd. € brauchen.

Rettungspaket für Griechenland

Mit einem zweiten Rettungspaket in Höhe von 100 Mrd. Euro wollen die Euro-Staaten die Finanzierung Griechenlands bis 2014 sicherstellen. Dabei ist die Beteiligung des Internationalen Währungsfonds — voraussichtlich in Höhe von 33 Mrd. Euro — jedoch noch nicht eingerechnet, sodass Griechenland wohl ein Hilfspaket in Höhe von 133 Mrd. Euro erhalten wird.

Bankenrekapitalisierung

Die europäischen Banken sollen vorsorglich gestärkt werden, um die Folgen der Krise zu überstehen. Dazu sollen die 60 größten Banken der Eurozone bis Juni 2012 eine Kernkapitalquote von neun Prozent aufweisen. Die hierfür notwendige Kapitalaufnahme soll zunächst am Kapitalmarkt erfolgen. Erst wenn eine Kapitalisierung über die Märkte nicht möglich ist, sollen die EU-Staaten oder notfalls die EFSF Gelder bereitstellen.

Sparmaßnahmen

Einige der EWU-Mitgliedsländer haben sich zu zusätzlichen Sparmaßnahmen verpflichtet. Italien will seinen Schuldenstand bis 2014 auf 113% des BIP senken, der EU-Kommission wurde zudem die Kontrolle der Umsetzung angeboten. Auch Spanien und Frankreich haben weitere Einsparungen angekündigt.

Hebelung des EFSF

Die Rettungsfazilität EFSF soll über die Lösungen der Versicherung von Staatsanleihen sowie über die Bildung einer Zweckgesellschaft mit ausländischer Beteiligung gehebelt werden. Der Faktor kann nach Meinung der Mitgliedsstaaten bei vier bis fünf liegen.

Was die Hebelung des EFSF angeht, sind jedoch noch viele Fragen offen.

Die Versicherungslösung sieht vor, dass das in Anspruch nehmende Land einen Versicherungskredit der EFSF erhält, mit dem Anleihen der Rettungsfazilität gezeichnet werden, die schließlich als Sicherheiten für die auszugebenden Anleihen am Primärmarkt dienen. Über die Höhe der Versicherung ist bislang nichts bekannt — sie muss sich maßgeblich nach der Ausfallwahrscheinlichkeit sowie der Höhe des Haircuts richten.

Nach Berechnungen der Experten der WestLB läge der Erwartungswert einer Anleihe, die mit 100 ausgegeben wurde und für die die Investoren mit 50%iger Wahrscheinlichkeit einen Zahlungsausfall in Höhe von 50 prognostizieren, bei 75. Für diese Anleihe wäre folglich eine Versicherung in Höhe von 25% ausreichend. Gerade in Bezug auf Italien haben Investoren aber aufgrund des hohen Schuldenstandes in Höhe von 120% des BIP eventuell mit einem größeren Haircut zu rechnen. Eine Versicherungslösung für italienische Anleihen wäre aus diesem Grund besser höher anzusetzen. Würden die Versicherungen aus dem EFSF bei 30% des Nennwertes der Anleihen liegen, könnte der verbleibende Betrag mit Hilfe von privatem Kapital auf eine Summe von 888 Mrd € gehebelt werden. Spanien und Italien haben allerdings allein über die nächsten drei Jahre einen Refinanzierungsbedarf in Höhe von rund 1400 Mrd €. Auch wenn ein Teil dieses Bedarfs über Geldmarktpapiere gedeckt wird (die wohl nicht abgesichert werden müssen), könnte der zur Verfügung stehende Betrag eng werden, zumal eventuell ein gewisser Kapitalbedarf der Banken aus der EFSF gedeckt werden muss und Stammkapital in das SPIV (Special Purpose Investment Vehicle) eingebracht werden muss.

Umso wichtiger ist es, so die WestLB-Finanzexperten, dass auch die zweite Form der Hebelung, die Hebelung über eine Zweckgesellschaft, Erfolg hat. Hierzu sind allerdings bisher wenig Details vorhanden. Möglich wäre es, dass Schwellenländer über das Vehikel vom IWF auszugebende Anleihen zeichnen. Als möglicher Betrag wurden 350 Mrd € genannt. Dieses Geld könnte vom IWF dazu verwendet werden, Staatsanleihen der Peripherieländer zu kaufen. Die Möglichkeit der Hebelung bestünde dann darin. diese Anleihen einmalig bei der EZB zu hinterlegen und damit den zur Verfügung stehenden Betrag auf 700 Mrd € zu hebeln. Details sind allerdings erst in den kommenden Wochen zu erwarten.

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