Mittelständische Beschaffung: Schlechter als im Konzern?
Laut einer aktuellen Studie des Allensbacher Instituts für Demoskopie kaufen Mittelständler schlechter ein als Konzerne. DER MITTELSTANDSVERBUND widerlegt die Ergebnisse:Zahlreiche Mittelständler kooperieren im Einkauf und profitieren so von höheren Beschaffungsvolumina und spezialisierten Sourcing-Prozessen in ihrer Zentralen.
27.05.2011
Berlin, 27. Mai 2011. Ist die Beschaffung im Mittelstand unprofessioneller als in Großkonzernen? Eine aktuelle Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach und des Kerkhoff Competence Center of Supply Chain Management lässt bei oberflächlicher Betrachtung auf ein solches Ergebnis schließen: Während mehr als 80 Prozent der befragten Großunternehmen ihre Lieferanten systematisch kontrollierten, seien es im Mittelstand nur 65 Prozent (Link zur Pressemitteilung).
Handel, Handwerk und Dienstleistungen nicht berücksichtigt
Die pauschale Schlussfolgerung „Mittelständler kaufen schlechter ein als Großkonzerne“ ist jedoch falsch. So fällt bei genauerer Lektüre der Studie auf: Die Befragung richtete sich ausschließlich an deutsche Industrieunternehmen. Mittelständische Unternehmen aus Handwerk, Handel und Dienstleistungsgewerbe fanden keine Berücksichtigung. Gerade diese Unternehmen haben es in den letzten Jahren und Jahrzehnten jedoch vorbildlich verstanden, Beschaffungsprozesse zu professionalisieren, systematische Lieferanten-Kontrollen durchzuführen und enge vertikale Partnerschaften zur Industrie aufzubauen.
Mittelständische Beschaffung: Stark im Verbund
Dieses geschieht jedoch nur selten im Alleingang. Ein Großteil der kleinen und mittleren Unternehmen aus Handel, Handwerk und Dienstleistungsgewerbe hat sich in Verbundgruppen zusammengeschlossen, um so gemeinsam Kooperationsvorteile gerade auch im Einkauf zu erreichen. Im Baustoffeinzelhandel etwa erwirtschaften kooperierende Unternehmen mittlerweile 76 Prozent des gesamten Marktumsatzes, im Möbeleinzelhandel sind es 63 Prozent des Marktes — Tendenz steigend. Insgesamt bewegen die Verbundgruppen und ihre Mitglieder mit 460 Mrd. Euro jährlich Werte in der Größenordnung von rund 16 Prozent des Bruttoinlandsprodukts — mehr als das Doppelte der gesamten Automobilwirtschaft.
In Kooperationen profitieren die Mittelständler von den höchst professionalisierten Beschaffungsprozessen der Verbundgruppenzentralen und von höheren Einkaufsmengen, die ihnen gegenüber den Lieferanten eine bessere Verhandlungsposition ermöglichen. Gemäß dem Motto „Wer alleine arbeitet, addiert — wer intelligent kooperiert, multipliziert!“ kommt es zu niedrigeren Einkaufspreisen, einer verbesserten Lieferqualität sowie zu einer höheren Liefersicherheit — wovon letztlich auch der Kunde profitiert. Nicht zuletzt senkt die Mitgliedschaft in einer Kooperation das Insolvenzrisiko, wie eine Studie der Universität Münster beweisen konnte.
Verbundgruppen für die Industrie
Industrieunternehmen sind heute häufig noch zurückhaltender als Handels-, Handwerks- und Dienstleistungsunternehmen, in Einkaufsgemeinschaften und Verbundgruppen zu kooperieren. Die Zusammenarbeit in Beschaffungskooperationen ermöglicht es jedoch auch mittelständischen Industrieunternehmen, Skalen- und Verbundvorteile zu erzielen, um so gemeinsam den Branchenriesen die Stirn zu bieten. Bekannte und erfolgreiche Verbundgruppen wie etwa REWE, EDEKA, ElectronicPartner, Euronics, Expert, Hagebau, Musterhausküchen, Intersport oder DATEV bieten hierfür gute Beispiele.
Dr. Ludwig Veltmann, Hauptgeschäftsführer DER MITTELSTANDSVERBUND