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Issing: Hohe Rendite ohne Risiko zwangsläufig nicht möglich

Bei einer Fachtagung in Berlin erläuterte Professor Otmar Issing die Anforderungen an eine neue Finanzmarktordnung.

29.06.2009

Berlin, 1. Juli 2009: Prominenten Besuch konnte der Vorsitzende des Beirats Finanzen der Gesellschaft zum Studium strukturpolitischer Fragen, Dr. Michael Meister MdB, in Berlin begrüßen. Der renommierte Frankfurter Finanzwissenschaftsprofessor Otmar Issing erläuterte seine Sicht auf die Lage der Finanzmärkte sowie die Erfordernisse für eine neue Finanzmarktordnung. Insbesondere mit Blick auf den bevorstehenden G20-Gipfel der Regierungschefs der führenden Industrieländer in London unterstrich er, dass das System der sozialen Marktwirtschaft extrem gefährdet sei, wenn es jetzt nicht gelinge, einen neuen Rahmen für die Globalen Finanzmärkte zu schaffen. Im Mittelpunkt einer Reform müsse die Transparenz für Finanzprodukte stehen. Ein Ansatz hierzu könne sein, dass die distribuierenden Finanzinstitutionen selbst einen Anteil des jeweiligen Produktes behalten müssten, um ein Eigeninteresse an deren positiver Entwicklung sicherzustellen. Besser noch sei eine Regelung, nach der die Institutionen sichtbar machen müssten, inwieweit bei jedem Produkt eine Beteiligung der Institution am Erfolg gewährleistet sei.

Als wesentlicher Faktor für die Reduzierung künftiger Risiken sehe er die notwenige Bestimmung an, künftig bei Eigenkapitalunterlegung nicht einzelne Firmenteile in Betracht zu nehmen, sondern das gesamte Firmennetzwerk einschließlich Töchter und Teilhabergesellschaften konsolidiert zu bewerten. Erfolgreiches Vorbild könne hierbei beispielsweise Spanien sein. Durch die dortige Konsolidierungsregelung sei der Anreiz zur Ausgründung mit dem Ziel, Eigenkapital zu sparen, völlig eliminiert worden.

Eine weitere Herausforderung zur Verbesserung der globalen Finanzmarktregeln sei eine gezielte Zusammenführung der Erkenntnisse aus nationalen Risikoanalysen. Hier sehe er auch erhebliche Defizite bei den europäischen Staaten.

Nicht verkennen dürfe man die gegenwärtigen politischen Risiken, die in der Konsolidierung der internationalen Finanzmärkte verborgen seien. Besonders schwierig werden dürfte die Vermittlung der Notwendigkeit eines extremen Zurückfahrens von staatlichen Leistungen gerade in einer Zeit, in der die Arbeitslosenquoten überall zu wachsen drohten. Deutlicher als in der Vergangenheit müsse den Menschen jedoch erklärt werden, dass hohe Renditen bei Finanzprodukten zwangsläufig mit hohen Risiken verbunden seien.

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