INTERSPORT-Mitglied steuert in die Energieeffizienz
Mehrere Standorte stellen bei der Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen eine besondere Herausforderung dar. Für das INTERSPORT-Mitglied Wolf war die Teilnahme am Projekt "Mittelstand für Energieeffizienz" die perfekte Lösung.
25.03.2014
Krumbach, 12.03.2014 – Das INTERSPORT-Geschäft Wolf liegt direkt hinter einer Kurve im beschaulichen 12.000-Seelen Ort Krumbach. Für alle Leser nördlich des "Weißwurst-Äquators": Krumbach ist die zweitgrößte Stadt im bayerisch-schwäbischen Landkreis Günzburg und liegt zwischen Augsburg und Ulm. Von außen eher unscheinbar, lässt sich nicht erahnen, was einen nach Betreten des Geschäfts von Inhaber Rainer Wolf und seiner Frau erwartet.
Familienunternehmen in fünfter Generation
Bereits 1892 hat der Urururgroßvater von Rainer Wolf hier in Krumbach den Grundstein für das Familienunternehmen gelegt. "Die beiden Schuhgeschäfte gibt es heute noch", erklärt Wolf. Während Wolf das eine Geschäft in Weißenhorn übernommen hat, führt sein Cousin den Krumbacher Standort, der nur 400 Meter von Wolfs INTERSPORT-Geschäft entfernt liegt, bis heute weiter. Rainer Wolfs Herz schlug allerdings schon früh für den Sport, so dass er in den 80-er Jahren mit gerade einmal 19 Jahren seinen ersten INTERSPORT-Standort eröffnete. Heute führt Wolf insgesamt vier Standorte im bayerischen Schwaben.
Als er sich Anfang letzten Jahres entschloss, seine Geschäfte zu modernisieren, gelangte auch das Thema Energieeffizienz in seinen Fokus. Ihm war klar, dass die Beleuchtungsanlagen in einigen seiner Standorte zu viel Abwärme produzieren. Mit der Folge, dass die Stromrechnung auch durch die dadurch notwendige Klimatisierung immer weiter anstieg. Dies wurde durch das Ökostromsystem, das die Energiepreise seit Monaten in die Höhe schnellen lässt, noch einmal verstärkt. Aber auch seinen Kunden "war es besonders im Sommer einfach zu warm", erklärt er. Und beim Anprobieren von Bekleidung hielten sich die Kunden eher zurück. "Dass das schnellstens geändert werden musste, war klar", betont Wolf.
Energieeffizienz — aber wie?
Wie viele Mittelständler stand Rainer Wolf jetzt vor der Frage, wie er das Thema am besten angehen sollte. "Da kam die Hausmesse der INTERSPORT-Zentrale im Juli letzten Jahres genau zum richtigen Zeitpunkt", erinnert sich Wolf. Über die zuständige Leiterin Technik, Energie FM, Andrea Lutterbeck, die das Thema Energieeffizienz bereits seit 2012 bei der INTERSPORT Deutschland eG betreut, erfuhr der Geschäftsführer von dem MITTELSTANDSVERBUND-Projekt "Mittelstand für Energieeffizienz". Der ganzheitliche Ansatz des geförderten Projekts hat Wolf sofort überzeugt.
"Die besondere Herausforderung war, die Umsetzungsmaßnahmen in allen vier Standorten zu koordinieren", sagt Wolf. "Das geht nicht ohne Beratung." Bei einer Teilnahme am Projekt "Mittelstand für Energieeffizienz" bekommen mittelständische Unternehmen einen KfW-gelisteten Energieberater an die Seite gestellt. In einem kostenlosen Potentialcheck prüft dieser vor Ort zunächst, wie groß das Einsparpotential ist. Anschließend geht er in einer geförderten sogenannten Initialberatung auf die Jagd nach Energiefressern. Der Mittelständler erhält einen Bericht des Energieberaters, in dem dieser konkrete Energieeffizienzmaßnahmen empfiehlt und das dadurch zu erreichende Einsparpotential errechnet. "Aber das Beste ist, dass der Energieberater auch bei der Beantragung von passenden Fördermitteln unterstützt", zeigt sich der INTERSPORT-Händler begeistert.
Herausforderung: mehrere Standorte
Denn das war bei INTERSPORT Wolf mit seinen vier Standorten gar nicht so einfach. "Ein Konflikt entsteht häufig, da die KfW-Beratung standortbezogen ist", erklärt der Energieberater Peter Heinzel. Maximal eine Initial- und eine Detailberatung können pro Unternehmen gefördert werden. "Künftig sollte bei mehr als zwei Standorten - wie in diesem Fall - eine Kombination aus Fördermitteln von KfW und BAFA eingesetzt werden", so Heinzel. "Das sind wichtige Erfahrungswerte, die die Betreuung unserer Mitglieder beim Thema Energieeffizienz immer besser machen", ergänzt Andrea Lutterbeck. Denn es gibt viele INTERSPORT-Händler, die mehrere Standorte haben. "Und da die einzelnen Geschäfte meistens sehr unterschiedlich sind, ist eine individuelle Beratung an jedem einzelnen Standort unbedingt notwendig", erklärt INTERSPORT-Regionalleiter Fred Schwarz.
Nachdem Rainer Wolf gemeinsam mit der Zentrale und dem Energieberater einen Fahrplanaufgestellt hatte, machte sich der Energieexperte Heinzel zunächst auf den Weg nach Günzburg, um die Energiefresser bei INTERSPORT Wolf aufzudecken. "Das größte Potential im Einzelhandel ist natürlich die Beleuchtung", erklärt Heinzel. Und obwohl die Zentrale wegen der Vielzahl an Projektteilnahmen mittlerweile schon umfangreiche Erfahrungswerte hat, gibt es bei jedem Mitglied auch immer wieder Überraschungen. So deckte der Effizienzspezialist bei Wolf an einem Standort Einsparmöglichkeiten bei den Heizpumpen und kleineren Lüftern in den sanitären Anlagen auf. Außerdem sollte sich der INTERSPORT-Händler eine neue Schleifmaschine für Skier zulegen. "Da musste ich richtig viel Geld in die Hand nehmen", sagt Wolf. Durch die Investition von rund 185.000 Euro wird er aber wohl auch mehr als 50 Prozent der dort verbrauchten Energie einsparen können.
INTERSPORT-Pionier nimmt das Steuer in die Hand
Mit einer Energieeffizienzmaßnahme leistet Rainer Wolf Pionierarbeit für seine Verbundgruppe: An seinem Standort in Krumbach wurde die erste sogenannte "INTERSPORT-efficiency-control" zur Steuerung der Beleuchtung, Belüftung, Klimatisierung und Heizung realisiert. "Der Clou an der Sache ist, dass ein Teil der hierfür notwendigen Hardware in jedem Geschäft mit der Alarmanlage als Signalgeber bereits vorhanden ist", erklärt Rainer Weidenbach, Kooperationspartner der Numitas UG, die das System bei Wolf eingeführt hat. "Die Investitionen werden sich nur dann durch Kosteneinsparungen auszahlen, wenn alle Möglichkeiten auch genutzt werden", ergänzt Wolf. Und dazu gehöre nicht nur das Austauschen von Leuchtmitteln, sondern auch die energieeffiziente Nutzung der Beleuchtung. Eine halbe Stunde vor Geschäftsöffnung sei es beispielsweise nicht notwendig, bereits die komplette Geschäftsbeleuchtung einzuschalten. "Eine zentrale Steuerung ist die perfekte Lösung: Meine Mitarbeiter müssen sich um die Einstellungen nicht mehr kümmern und es ist sichergestellt, dass alle Komponenten effizient laufen", sagt er.
Nach dem Standort in Krumbach will der mittelständische Sportfachhändler die empfohlenen Maßnahmen an den anderen drei Standorten umsetzen. Dadurch wird er rund 80.000 Euro jährlich einsparen. Und schafft ganz nebenbei für seine Kunden ein Einkaufserlebnis, das sich wirklich sehen lassen kann.
Fotos: Annett Melzer