IFRS for SME veröffentlicht
Das IFRS-Board hat am 09.Juni 2009 in London die International Financial and Reporting Standards for SMEs veröffentlicht
10.07.2009
Mit der Veröffentlichung der IFRS for SMEs ist eine mehrjährige Diskussion mit einem nach wie vor unbefriedigenden Ergebnis abgeschlossen worden. Die Accounting Standards umfassten zwar nur 230 Seiten, hinzu kommen aber weitere Informationen von insgesamt über 100 Seiten, so dass nicht von einem einfach zu praktizierenden System gesprochen werden kann.
Das Board entwickelt nun global Hilfsmaßnahmen zur Information und Ausbildung der Prüfer und hofft auf eine baldige Umsetzung der IFRS for SMEs in die tägliche Praxis. Einige Mitgliedsstaaten der EU haben bereits im Vorfeld erklärt, dass sie die IFRS anwenden werden bzw. für anwendbar erklären wollen. Da die IFRS jedoch im teilweisen Widerspruch zu den geltenden Bilanzrichtlinien der EU stehen, ist dies rechtlich angreifbar. In letzter Zeit hat allerdings auch die Kommission, d. h. konkret Kommissar Mc Creevy erkennen lassen, dass man bereit sei, die nationale Anwendung der IFRS for SMEs zu tolerieren. Man vermutet, dass die derzeit ins Auge gefasste Bearbeitung der vierten Bilanzrichtlinie der EU bereits dazu genutzt wird, einige der Widersprüche zwischen IFRS und Bilanzrichtlinien aufzuheben, so dass nicht auszuschließen ist, dass die IFRS tatsächlich in einigen Mitgliedsstaaten bzw. mit Duldung der Kommission europarechtlich in ganz Europa angewandt werden können.
Die IFRS werden nach wie vor von vielen Mittelstandsverbänden, so auch vom ZGV, abgelehnt. Dies gilt zum einen mit der damit verbundenen Bürokratie, die nicht zuletzt in der Umstellung auf neue Standards der entsprechenden Kosten für Schulung und den mit den Umstellungen verbundenen Unsicherheiten letztlich aber mit dem grundsätzlich anderen Ansatz dieser Rechnungslegungsstandards zu begründen ist. Hauptkritikpunkt ist nach wie vor, dass die in Kap. 22 gegebenen Definitionen für Eigenkapital ähnlich wie die IAS Regel 32 dazu führt, dass insgesamt die Genossenschaften die Geschäftsguthaben nicht mehr als Eigenkapital bilanzieren können. Der ZGV wird daher in Brüssel wie bisher dafür eintreten, dass die Kommission nicht die wie oben beschriebene Duldungspraxis wählt, erst recht nicht IFRS for SMEs wenn auch nur alternativ in Europa in Kraft setzt.
Zu trennen von dieser Thematik ist die derzeitige Überarbeitung von IAS 32. Hier besteht durchaus die Hoffnung, dass IAS 32 das Genossenschaftsproblem löst, zumindest annähernd löst. Dies wiederum könnte dazu führen, dass in der nächsten allerdings erst in zwei Jahren ins Auge gefassten Überarbeitung von IFRS for SMEs auch darin eine akzeptable Eigenkapitallösung gefunden wird.