Fünf Jahre novelliertes Genossenschaftsgesetz: Kam der Gründungsboom?
Prominente Genossenschaftsvertreter zogen auf dem 18. Delitzscher Gespräch eine positive Bilanz der Novellierung des Genossenschaftsgesetzes: Die Genossenschaftsgründungen nehmen zu. Neue Impulse soll die gemeinsame Kampagne zum Internationalen Jahr der Genossenschaften geben.
25.11.2011
Zu Beginn des 18. Delitzscher Gesprächs begrüßten der Delitzscher Oberbürgermeister Dr. Manfred Wilde und Dietmar Berger, Vorsitzender der Hermann-Schulze-Delitzsch-Gesellschaft, die „Mutter der Novelle“, Ministerialrätin Ute Höhfeld aus dem Bundeswirtschaftsministerium. Ute Höhfeld gab zunächst einen Einblick in die damaligen Hintergründe der Gesetzesnovellierung. Insbesondere die Einführung der SCE, der Europäischen Genossenschaft, sei ein Haupttreiber für die Novellierung gewesen. Auch der internationale Rechnungslegungsstandard sowie die Wünsche und Notwendigkeiten aus der Genossenschaftspraxis verlangten eine Überarbeitung des bislang nur selten geänderten Genossenschaftsgesetzes, so Höhfeld.
„Die Novelle war nicht nur aus juristischer Sicht wichtig, sie hat auch zu deutlich erhöhten Gründungszahlen geführt“, betonte Georg Litmathe, Verbandsdirektor des Genossenschaftsverbandes Weser-Ems, im Anschluss. Insbesondere im Energiebereich verzeichne das Verbandsgebiet eine äußert positive Entwicklung — hier sei die Anzahl der Genossenschaften in den letzten fünf Jahren von 4 auf 41 gestiegen. Diese Entwicklung konnte Dr. Andreas Wieg, Leiter der Abteilung Vorstandsstab beim Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverband (DGRV), für das gesamte Bundesgebiet bestätigen. Bei den jährlich rund 200 Neugründungen spielten kooperative Lösungen etwa für Windräder oder Solaranlagen eine gewichtige Rolle. Für die weitere Stärkung genossenschaftlicher Neugründungen sieht Wieg jedoch nicht nur die Politik gefragt: „Wir brauchen gute Regelungen — noch wichtiger ist jedoch eine breite Aufmerksamkeit für die genossenschaftliche Idee!“
Auch Dr. Burchard Bösche, Vorstand des Zentralverbandes deutscher Konsumgenossenschaften, zog eine positive Bilanz der Gesetzesnovellierung. Gerade die Zulassung von investierenden Mitgliedern sei aus Sicht der Konsumgenossenschaften ein richtiger Schritt gewesen: „Es ist sinnvoll, auch Menschen an die Genossenschaft zu binden, die nicht den Kurs bestimmen“. Sebastian Rösler, Bereichsleiter beim Mitteldeutschen Genossenschaftsverbund, stimmte dem zu: "Gerade für Sozialgenossenschaften ist diese Regelung von großer Wichtigkeit!". Auch Mirjam Luserke, Verbandsjustiziarin des Verbandes Sächsischer Wohnungsgenossenschaften, befürwortete die Novelle: „Ich liebe das Genossenschaftsgesetz — und doch: Die Novelle war wichtig.“ Dennoch schränkte sie ein: „Für Wohnungsgenossenschaften bleiben einige Ansätze farblos.“
Zum Abschluss der gelungenen Veranstaltung stellte Dr. Eckhard Ott, Vorsitzender des Vorstandes des DGRV, den Teilnehmern die dezentrale Kampagne „Ein Gewinn für alle — Die Genossenschaften“ vor. Mit vielfältigen Aktionen und Veranstaltungen sollten die Genossenschaften im Rahmen der Kampagne anlässlich des Internationalen Jahres der Genossenschaft ihre hohe Leistungsfähigkeit als moderne und zukunftsweisende Wirtschaftsform präsentieren, so Dr. Ott: „Hierbei unterstützen wir Genossenschaftsverbände die Genossenschaften mit Ideen und Vorlagen“. Konkret werde den Genossenschaften ein umfassendes Aktionspaket geboten, das für jede Genossenschaft eine passende Idee enthalte. Mehr Informationen hierzu sind auch auf der zentralen Website der Kampagne zu finden: LINK.