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Euro-Krisenmanagement: Fehler in Strategie und Kommunikation

In Athen geht die Bevölkerung auf die Straße, währendauf EU-Ebene und in den EU-Mitgliedsstaaten Maßnahmen zur Beteiligung der privaten Gläubiger und eine Ausweitung des Rettungspakets diskutiert werden. Dass die Euro-Krisenpolitik inzwischen jegliche Glaubwürdigkeit verloren hat, verwundert nicht. Ein Zwischenruf von Prof. Dr. Theresia Theurl, Institut für Genossenschaftswesen (IfG) Münster.

22.07.2011

In Athen geht die Bevölkerung auf die Strasse, was nicht überraschen kann. Auf EU-Ebene und in den EU-Mitgliedsstaaten werden Maßnahmen zur freiwilligen oder unfreiwilligen Beteiligung der privaten Gläubiger und eine Ausweitung des Rettungspakets diskutiert. Dass die Euro-Krisenpolitik inzwischen jegliche Glaubwürdigkeit verloren hat, verwundert nicht.

Zunehmend mehren sich die Befürchtungen über mögliche Reaktionen von Ratingagenturen und Investoren, was nicht überraschen sollte. Es ist müßig, darüber zu diskutieren, ob wir es derzeit mit einer Verschuldungskrise von einzelnen Euro-Ländern zu tun haben oder mit einer Eurokrise. Viel wichtiger und zunehmend irritierender ist es zu beobachten, wie damit umgegangen wird. Würde ein Unternehmen in einer vergleichbaren Situation so vorgehen, hätte vermutlich längst die Politik eingegriffen, bevor der vollständige Verlust an Glaubwürdigkeit eine Krisenbewältigung unmöglich macht.

Ein erfolgversprechender Umgang mit Krisen aller Art beinhaltet erstens eine möglichst transparente Auslotung von Inhalt und Umfang des Problems und zweitens eine klare Vorstellung über eine Perspektive, für die sich eine Sanierung lohnt. Auf der Grundlage dieser Informationen ist dann drittens eine Sanierungsstrategie mit konkreten Maßnahmen und Zeitplan abzuleiten, die viertens adäquat zu kommunizieren ist, wobei in die Kommunikation auch die vermuteten Kosten für die Betroffenen einzubeziehen sind. Nur in einem solchen konsistenten Konzept werden Sanierungsmaßnahmen glaubwürdig und sind Menschen bereit, diese zu unterstützen und sie zum Erfolg zu führen, selbst wenn sie dadurch kurzfristige Nachteile erleiden. Nun soll nicht verkannt werden, dass die aktuelle Situation in der Europäischen Union besonders herausfordernd ist, doch dies ändert nichts daran, dass die Maßnahmen Glaubwürdigkeit benötigen, die sie derzeit nicht haben, weil gegen jedes einzelne der obigen Prinzipien verstoßen wird.

Das Ausmaß des Sanierungsbedarfs ist derzeit weder bekannt noch transparent. Fakt ist, dass das Ausmaß der notwendigen Hilfspakete bisher unterschätzt wurde ebenso wie der Zeitraum, der für die Problemlösung veranschlagt wurde. Überschätzt wurde hingegen die Problemlösungsfähigkeit Griechenlands, indem das dortige politische Umfeld vernachlässigt wurde. Für welche Perspektive der Europäischen Union und/oder des Euro sollen die aktuellen Maßnahmen akzeptiert werden? Welche Vision für die Europäische Union und für ihre Währung soll erreicht werden? Faktum ist, dass die Unionsvision bisher offen geblieben ist, mit der Gefahr einer zunehmenden Zentralisierung und Bewegung in Richtung einer Politischen Union mit Transferelementen und die Entwicklung in einen Haftungsverbund. Es scheint, dass die normative Kraft des Faktischen die Union in diese Richtung torkeln lässt. Dass eine Sanierungsstrategie existiert, die diesen Namen verdient, wird niemand ernsthaft behaupten wollen. Dies gilt auch für eine professionelle Kommunikation. Wie sollen Steuerzahler die Drohungen interpretieren, dass es darum gehe den Euro zu retten, dass es darum gehe, die Ratingagenturen zu besänftigen? Wie sollen Wähler verstehen, dass Bedingungen formuliert werden, die bereits Tage später Makulatur sind?

Das Fehlen eines konsistenten Sanierungskonzeptes, die Unsicherheit über die Ziele, die damit überhaupt erreicht werden sollen, das Nichtwissen über das Problemausmaß und eine Kommunikationsstrategie, die nicht auf Erklärung, sondern auf Drohung setzt, signalisieren ein unglaubwürdiges und unprofessionelles Krisenmanagement, das die Bürger der Europäischen Union, die Investoren und die Ratingagenturen zu Handlungen anregt, die einen Sanierungserfolg immer unwahrscheinlicher werden lassen.

Prof. Dr. Theresia Theurl, Geschäftsführende Direktorin des Instituts für Genossenschaftswesen der Westfälischen Wilhems-Universität Münster.

Der Text ist ein Auszug aus dem aktuellen Newsletter 1/2011 des Instituts für Genossenschaftswesen, der unter folgendem Link abgerufen werden kann: Link zum IfG.

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