EU-Wettbewerbsstudie läßt Fragen offen
Bei der Präsentation der von der EU-Kommission in Auftrag gegebenen Studie über die Wettbewerbsfähigkeit kooperierender mittelständischer Unternehmen blieben wegen schwacher Datenbasis entscheidende Fragen offen. ZGV drängt auf Etablierung eines europäischen Datenpools.
30.03.2008
Brüssel, 31. März 2008: Über Monate ist das renommierte Forschungsinstitut London Economics im Auftrag der EU-Kommission der Frage auf den Grund gegangen, ob genossenschaftlich organisierte kleine und mittlere Unternehmen in der EU im Wettbewerb mit gleichartigen nicht kooperierenden Unternehmen einen Vorteil haben. Nach einiger Verzögerung und notwendiger Zusatz-Evaluierungen wurden die Ergebnisse der Studie unter dem Titel "Study on the Impact of Cooperative Groups on the Competitiveness oft their Craft and Small Enterprise Members"nun dem Expertenteam aus 27 EU-Ländern in Brüssel vorgestellt, unter Ihnen ZGV-Hauptgeschäftsführer Dr. Ludwig Veltmann und das Mitglied der ZGV-Hauptgeschäftsführung Dr. Günter Schulte. Die umfangreichen Untersuchungen unter Mitwirkung einiger nationaler Organisationen, u.a. auch des ZGV, hatten die Erwartungen hoch gesteckt. Die unsichere Datenbasis jedoch, die dem Umstand geschuldet ist, daß nicht alle EU-Länder eine belastbare Statistik über die Genossenschaften und sonstigen Kooperationen des Mittelstandes vorweisen können - in einigen EU-Ländern existiert nicht einmal ein Genossenschaftzsgesetz -führte jedoch nur zu tendenziellen Erkenntnissen. Einer der Kernsätze hierzu lautet, dass in Verbundgruppen (Co-operative groups) kooperierende Unternehmen im Vergleich zu nicht kooperierenden geringere Zuwächse beim Umsatz und in der Beschäftigtenzahl aufzuweisen haben, dafür sich die Ertragsentwicklung jedoch besser darstellt. Zurückgeführt werden kann dies nach London Economics darauf, dass einzelne Unternehmen von ihren Kooperationszentralen mit Leistungen in den Bereichen Einkauf, Logistik und Beratung versehen werden, die reines Größenwachstum erübrigt. Über bessere Einkaufspreise, günstigere Logistiksysteme und besseres betriebswirtschaftliches Know-how seien die Voraussetzungen für ein profitableres Wirtschaften gegeben.
Deutlich wurde bei der Präsentation der Studie aber auch, dass zwischen den einzelnen Verbundgruppen, insbesondere grenzübergreifend, nur sehr wenig Verbindung besteht und ein geschlossenes Bild über die Situation in anderen Gruppen völlig fehlt.
Der ZGV forderte im Einklang mit der Repräsentantin aus Österreich und Vertretern einiger anderer europäischer Länder die EU-Kommission auf, die Erfahrungen der Studie zu nutzen und eine Übersicht in Form einer elektronischen Datenbank zu schaffen, in der standardisiert die europäischen Verbundgruppen und deren Leistungen für die Mitglieder aufgeführt werden. Jedes Kleine und mittlere Unternehmen könne sich dort umfassen über die Angebote informieren und gegebenenfalls durch Anschluß an eine geeignete Gruppe direkt profitieren.