Entsorge Altes, mach Platz für Neues
Bis zu 3.550 Euro und 9,2 Tonnen CO 2 spart der 50-jährige Betrieb Alois Bogenschütz Entsorgung und Recycling GmbH Co. KG jährlich durch das Projekt "Mittelstand für Energieeffizienz" ein. Das LOGEX-Mitglied setzte die Empfehlungen der Energieberatung binnen eines Jahres voller Tatendrang um.
17.08.2015
Grosselfingen, 28.07.2015 — Im Herzen des Zollernalbkreises, etwa eine Stunde Autofahrt von der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart entfernt, liegt die Gemeinde Grosselfingen. Die etwa 2.000 Einwohner große Gemeinde ist eines von 172 Bioenergiedörfern in Deutschland, die auf Initiative des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft in Zusammenarbeit mit weiteren Projektträgern gefördert werden. Mit dem Projekt sollen Gemeinden ihren Energiebedarf mindestens zu 50 Prozent aus regional erzeugter Bioenergie decken.
Im Bioenergiedorf Grosselfingen werden bereits 72 Haushalte über eine Biogasanlage vor Ort mit Biomasse und Strom versorgt. Zur Nutzung der Sonnenenergie wurden im Gewerbegebiet Solaranlagen auf dem Dach mit einer Nennleistung von 1,2 MWp in Betrieb genommen. Nachhaltige Energieversorgung bleibt Thema in der Gemeinde des Zollernalbkreises. Das Nahwärmenetz soll bei Bedarf zusätzlich mit einem sogenannten Holzhackschnitzelkessel ergänzt werden. Darin werden die gehackten Holzstücke verbrannt und Wärme erzeugt. Anders als herkömmliche Wärmeversorgungsanlagen produzieren Holzhackschnitzel deutlich weniger Treibhausgasemissionen.
"Tatkräftiger Jungunternehmer"
"Ich habe schon seit Jahren versucht, das Thema Energieverbrauch anzugehen", erklärt der neue Chef des Entsorgungsbetriebs, der Mitglied der LOGEX SYSTEM-Kooperation ist. Aber man habe sich nicht an das Thema gewagt. "Der Anstoß kam dann durch die LOGEX. Die Verbundgruppe ist auf uns zugekommen und hat uns das Projekt "Mittelstand für Energieeffizienz" vorgestellt. Da haben wir nicht lange überlegt. Die Chance wollten wir nutzen", erklärt Bogenschütz.
"Mir war das Einsparpotential nicht wirklich bewusst"
Die Anlage wird mit Diesel betrieben. "Es ist aber geplant, eine stationäre Aufbereitungsanlage anzuschaffen. Wir warten noch auf die Genehmigung durch die Regierungsbehörde." Die ist notwendig, da die Anlage auch behandeltes und kontaminiertes Holz verarbeiten soll und somit genehmigungspflichtig ist.Investitionen in Energieeffizienz-Maßnahmen bis zur Genehmigung der Altholzaufbereitungsanlage aufschieben wollte man aber nicht. Nach einer ersten Bestandsaufnahme durch den Energieberater im Juni letzten Jahres folgten deswegen auch schnell Taten. "Wir sind über das ganze Gelände gegangen und haben uns alle Bereiche angeschaut", erinnert sich Bogenschütz. "Wirklich bewusst" sei ihm nicht gewesen, welches Einsparpotential in seinem Unternehmen schlummerte. "Unser Energieberater hat uns nach intensiven Gesprächen und Mailverkehr einen detaillierten Bericht erstellt. Herr Bogenschütz hat sich dann schnell entschlossen", ergänzt die Energiebeauftragte.
3.500 Kilowattstunden Ersparnis durch neue Drucklufttechnik
Gerade stehen etwa vier Lastkraftwagen vor dem Entsorgungsunternehmen. Ein Müllauto passiert gerade die neue Fahrzeugwaage im Eingangsbereich. "Mit dem Kompressor wird unser Fuhrpark instandgehalten", sagt Betriebsleiterin Bimek auf dem Weg über das Gelände. Eine Analyse des Stromverbrauchs durch spezielle Messtechnikvor und nach dem Austausch der Druckluftanlage zeigt eine Einsparung von etwa 3.500 kWh. Damit spart der Jungunternehmer rund 700 Euro Stromkosten jährlich.
Kanalballenpresse war größter Akt
Nach zweimonatiger Planung konnte Bogenschütz das Thema Presse angehen – dem größten Energiefresser des Recyclingunternehmens. "Mit der Presse werden die Abfälle zu Paketen gepresst, damit der Transport platzsparender ist", erklärt der Geschäftsführer. Hier sei "eine Komplettrenovierung" erforderlich gewesen. "Das Pressezufuhrband und die Steuerung mussten auch erneuert werden. Betonteile wurden verändert. Das war schon ein großer Umbau", erinnert sich Bimek, die auch Immissionsschutzbeauftragte des Betriebes ist."Alle in einem Boot"
Aber es sei eben auch wichtig, alle Mitarbeiter dafür zu sensibilisieren. "Wir wollen unsere 80 Mitarbeiter mit ins Boot nehmen", erklärt Bogenschütz. "Aber das ist natürlich ein Prozess. Viele sind hier schon langjährig beschäftigt." Deswegen habe man die Angestellten bereits in den Planungsprozess integriert. "Die Presse während der Mittagspause abzustellen war so eine Maßnahme. Parallel haben wir dann zum Vergleich den Stromverbrauch aufgezeichnet", erinnert sich Evelyn Bimek. Mit einer Datengrundlage sei es einfacher, alle für das Thema zu gewinnen.
Auch im Bereich Licht investierte der Jungunternehmer. "Wir haben teilweise auf LED-Technik umgestellt. In Verbindung mit Bewegungsmeldern", erklärt der Recycling-Chef. Die Lichtqualität in der Werkstatt habe sich enorm verbessert. "Das stimmt die Mitarbeiter auch zufriedener", so Bimek.
Energieeffizient zum 50. Jubiläum
Am 20. September feiert der Entsorgungsbetrieb sein 50-jähriges Bestehen. Mit einem Tag der offenen Tür sollen Kinder und Erwachsene die neue Technik bestaunen können. "Viele Leute wissen nicht, was hier alles passiert", erklärt Bogenschütz beim Rundgang über das Gelände. Ob man Tendenzen zu mehr Müllverbrauch feststellen könne, will Manuel Dürer, Volontär beim MITTELSTANDVERBUND wissen.Mittelstand für Energieeffizienz: Energieberatung leicht gemacht
"Auch mittelständische Unternehmen tun sich bis heute noch schwer, den richtigen Ansprechpartner für Energieeffizienz aus dem Pool an Beratern zu finden", erklärt Ernst Panse, Leiter des Projektes "Mittelstand für Energieeffizienz" beim MITTELSTANDSVERBUND. Das Beratungsprojekt des Spitzenverbandes des kooperierenden Mittelstandes ist da die richtige Lösung.
"Mittelstand für Energieeffizienz" unterstützt bei der Suche nach geeigneten Energieberatern für mittelständische Handels-, Handwerks- und Dienstleistungsunternehmen. Mit einer ersten, kostenlosen Potentialerhebung werden den Unternehmern BAFA-gelistete Berater zur Seite gestellt, die Einsparmöglichkeiten aufzeigen. In einer anschließenden Detailberatung werden Zuschuss- und Investitionsmöglichkeiten besprochen, die in der Ausgestaltung energieeffizienter Lösungen enden. "Bis zu 6,6 Mio. kg CO2 sparen die über 1.300 Mittelständler ein, die bisher am Projekt teilgenommen haben", so Panse. Bis Ende des Jahres können interessierte Unternehmen noch von den Förderberatungen profitieren. Dann läuft das Projekt des Verbandes aus.
"Jeder sollte sich beraten lassen"
3.550 Euro und 9,2 Tonnen CO2 kann Bogenschütz nach den Maßnahmen mit seinem Unternehmen jährlich einsparen. "Ich würde jedem eine Beratung empfehlen. Einfach mal jemanden drüber schauen lassen. Wo stecken Potentiale? Wie geht man da vor? Dafür hat man als Unternehmer alleine meistens gar keine Zeit", erklärt der Geschäftsführer des Entsorgungsbetriebs. "Mit unserem Energieberater haben wir einen guten Kontakt aufgebaut. Er hat uns immer wieder Auskunft gegeben und uns in anderen Richtungen weitergeholfen. Da besteht auch heute noch ein enger Austausch", ergänzt die Energiebeauftragte Bimek.