"Einheitlicher Ansprechpartner": Weniger Bürokratieaufwand durch zentralen Behördenlotsen?
Seit 2010 stehen auch Handwerks- und Handelsunternehmen EU-weit so genannte „Einheitliche Einsprechpartner“ als zentrale Informations- und Abwicklungsstelle für Verwaltungsvorgänge zur Verfügung. Nun diskutierten Vertreter aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft im Bundeswirtschaftsministerium die Praxistauglichkeit des Modells. MITTELSTANDSVERBUND-Vertreter Dr. Kolloge betonte: Damit der Einheitliche Ansprechpartner wirksam von Bürokratie entlasten kann, muss er noch bekannter, einheitlicher und nutzerfreundlicher werden.
01.10.2012
Berlin, 26. September 2012. Seit Anfang 2010 stehen Dienstleistungsunternehmen — und damit auch Handwerks- und Handelsunternehmen - EU-weit so genannte „Einheitliche Einsprechpartner“ als zentrale Informations- und Abwicklungsstelle für Verwaltungsvorgänge zur Verfügung. Hintergrund ist die 2006 verabschiedete EU-Dienstleistungsrichtlinie, die alle Mitgliedsstaaten zur Einrichtung solcher zumeist digitaler „Behördenlotsen“ verpflichtet, um die Unternehmen von Hürden und Informationsproblemen im europäischen Binnenmarkt für Dienstleistungen zu befreien. Die Webportale aller „Einheitlichen Ansprechpartner“ in Europa sind unter diesem Link erreichbar.
Nun diskutierten Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft am 25. und 26. September 2012 im Bundeswirtschaftsministerium auf der Konferenz „Einheitliche Ansprechpartner — Behördenkontakte aus einer Hand“ die Praxistauglichkeit des Modells. Dr. Bernhard Heitzer, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, betonte hierbei, dass dem Einheitlichen Ansprechpartner eine wichtige Funktion dabei habe, bürokratische Hemmnisse und Informationsdefizite zu beheben, die Unternehmen von einem Engagement im Ausland abhalten. Jedoch, so Dr. Heitzer: „Die Einheitlichen Ansprechpartner werden bisher verhältnismäßig wenig in Anspruch genommen - das hatten sich die Mütter und Väter der Dienstleistungsrichtlinie sicher anders vorgestellt“.
MITTELSTANDSVERBUND-Vertreter Dr. Konstantin Kolloge wies auf mögliche Ursachen der geringen Inanspruchnahme hin und schlug Verbesserungsmöglichkeit vor: „Damit der Einheitliche Ansprechpartner gerade die kleinen und mittleren Unternehmen wirksam von Bürokratie entlasten kann, muss er bekannter, einheitlicher und nutzerfreundlicher werden.“ Ein breiteres Inhalts- und Funktionsangebot, eine umfangreiche Informationskampagne und die Beseitigung sprachlicher und technischer Barrieren seien hierzu in vielen Fällen notwendig. Eine stärkere Standardisierung der allein in Deutschland über 200 Webportale würde die Außenwirkung und die Marke verbessern, Qualitätsstandards festsetzen und Anwendungsbarrieren gerade für kleine und mittlere Unternehmen senken.
Dr. Konstantin Kolloge, k.kolloge@mittelstandsverbund.de