MENÜ MENÜ

Anhörung in Brüssel zur IAS für kleinere und mittlere Unternehmen bestärkt Zweifel!

ZGV plant für Frühjahr 2007 Informations- und Diskussions-Workshop

09.01.2007

Brüssel, 21.12.2006. Unter der Leitung des Europaparlamentariers Alexander Radwan (CSU) fand am 19.12.2006 eine Anhörung des Ausschusses Wirtschaft und Währung des Europäischen Parlaments in Brüssel statt, bei dem die unterschiedlichen Auffassungen der „interessierten Gruppen“ deutlich wurden.

Der Berichterstatter zum Thema „IAS für kleinere und mittlere Unternehmen“, der bayrische Europaabgeordnete Radwan, hatte eine hochkarätige Expertenrunde zur Anhörung geladen, um die Frage der Legitimation und Kompetenz des IAS-Rechtsetzungsverfahrens, ebenso wie die Notwendigkeit und die Zielsetzung der IAS für kleinere und mittlere Unternehmen und nicht zuletzt zahlreiche praktische Themen der IFRS zu klären.

Neu für den in der Anhörung durch Dr. Günther Schulte vertretenen ZGV war die Aussage von Paul Pacter (IAS project manager), dass die IAS für KMUs auch für Kleinstunternehmen, z. B. Handwerksbetriebe mit 10 Mitarbeitern geeignet seien und dass man sich vom reinen „Fair Value“ Ansatz lösen wolle. Nahezu alle nicht zum IAS Board gehörenden Teilnehmer kritisierten die „hybride Rechtsetzung“. Die Kommission verwies darauf, dass sie nur die Legitimation habe für publizitätspflichtige Unternehmen europaeinheitliche Rechnungslegungsvorschriften zu erlassen und damit ein Endorsement der IAS auf diese Gruppe beschränkt sein müsse. Vorrang für die Kommission habe eine Überarbeitung der 4. und 7. Bilanzrichtlinie, wobei unklar blieb, in welche Richtung eine derartige Überarbeitung ginge. Auch die Frage des Abgeordneten Lehne, ob die Kommission eine europaeinheitliche Alternative zu IAS plane, blieb unbeantwortet.

Die Befürworter der IAS für KMU begrüßten die Öffnung des IAS Boards, den Zugang zu den Dokumenten und die zunehmende Transparenz. Die Forderung nach einem Feedback zu Kritik an den Entwürfen nehme das Board ernst.

Während überwiegend die Notwendigkeit oder zumindest ein großer Nutzen für KMU in einheitlichen Rechnungslegungsstandards gesehen wurde, bestritt der einzige Vertreter mittelständischer Unternehmen in der working group, Dr. Roth, einen Nutzen für nicht Kapitalmarkt interessierte Unternehmen. Keine Einigung konnte auch hinsichtlich der Frage erzielt werden, ob völlig neue, für die Ziele der kleinen und mittleren Unternehmen zugeschnittene IAS zu entwickeln seien oder ob IAS für kleinere und mittlere Unternehmen nur Sinn machen, wenn sie mit IAS für Kapitalmarktorientierte Unternehmen vergleichbar blieben. Wichtig war, dass in diesem Zusammenhang Paul Pacter für das Board erklärte, dass der mandatory fallback zu den full IAS aufgegeben würde, d. h. IAS für kleinere und mittlere Unternehmen sollen ein in sich geschlossenes eigenständiges Werk sein. Damit können kleine und mittlere Unternehmen getröstet werden; sie brauchen nur noch 240 Seiten zu lesen (so der derzeitge Entwurf) und nicht auf die 2400 Seiten der full IAS zurückgreifen.

Verbandsdirektor Gschrey wies als einziger auf die nach wie vor nicht gelöste Problematik der Definition de Eigenkapitals in IAS 32 hin und brachte das DGRV Gutachten zu dem neuen Ansatz ins Spiel. Die Resonanz zeigte, dass das Board dieses Thema zwar kennt und eine einheitliche Lösung für full IAS und IAS für KMU begrüßen würde. Die Lösung des Problems wird aber wohl von der Entwicklung im FASB abhängen. Es ist nach Ansicht des ZGV deutlich geworden, dass der enge Zusammenhang zwischen einer Akzeptanz der IAS für KMU und der Eigenkapitalfrage noch nicht bei den handelnden Personen angekommen ist.Radwan stellte unwidersprochen dar, dass die Freiwilligkeit etwaiger IAS über den faktischen Zwang bzw. die Eigendynamik etwaiger IAS hinwegtäusche.

Der endgültige Entwurf der IAS 32 für kleine und mittlere Unternehmen wird Mitte Januar vom Board veröffentlicht. Daran schließt sich eine sechsmonatige Kommentierungsphase an. Der ZGV plant daher für das Frühjahr 2007 ein Workshop, der der umfassenden Information und Diskussion dienen soll.

Zurück zur Übersicht
Weitere Artikel