2010: Firmeninsolvenzen nehmen ab, Zahl der Privatinsolvenzen steigt
Die wirtschaftliche Erholung schlägt sich in den Unternehmensinsolvenzen nieder: 2010 waren 13,5 Prozent wenigerUnternehmen als 2009 zahlungsunfähig.Bei den Privatinsolvenzen steht dieTrendwende dahingegen noch aus.
09.12.2010
Die wirtschaftliche Erholung schlägt sich in der Zahl der Unternehmensinsolvenzen nieder: 2010 gingen 13,5 Prozent wenigerUnternehmen als 2009 insolvent.Bei den Privatinsolvenzen steht dieTrendwende dahingegen noch aus.
Zahl der Firmeninsolvenzen rückläufig...
Die Zahl der insolventen Unternehmen in Deutschland ist in den ersten neun Monaten des Jahres 2010 gegenüber dem Referenzzeitraum, erstmals seit der Finanzkrise, um 13,5 Prozent rückläufig. Sie sank auf 24.210 Fälle. In ihrer aktuellen Studie prognostiziert die Hamburger Auskunftei Bürgel Wirtschaftsinformationen bis zu 32.000 Firmeninsolvenzen. „Nach einem Anstieg um 4,5 Prozent nach dem ersten Halbjahr hat sich die Firmenlandschaft im dritten Quartal besser entwickelt als erwartet“, erläutert Bürgel-Geschäftsführer Dr. Norbert Sellin. Alle 16 Bundesländer melden inzwischen rückläufige Firmeninsolvenzzahlen. Im Gegensatz zur Konsumentenüberschuldung stoppe der konjunkturelle Aufschwung den Abwärtstrend bei den Firmeninsolvenzen. Sellin begründet das mit steigenden Exporten, einer langsam anziehenden Binnenkonjunktur undeiner Erholung auf dem Kreditmarkt. Auch für 2011 seien die Aussichten positiv.
Bei den Pleiten nach Firmenstruktur fällt auf, dass 41,7 Prozent der Firmeninsolvenzen im Untersuchungszeitraum auf das Konto von Gewerbebetrieben und 36,4 Prozent auf das von GmbHs gehen. Knapp 20 Prozent (4.793) der Unternehmen, die ein Insolvenzverfahren eröffnen mussten, waren nur zwei Jahre am Markt aktiv. Bei älteren Firmen sinkt unterdessen das Insolvenzrisiko — vor allem bei Unternehmen, die mehr als 50 Jahre zählen.
Klassische Ursachen für eine Firmenpleite sind erstens das Ausbleiben neuer Aufträge oder die Stornierung oder die Verschiebung bereits erteilter Aufträge. Zweitens sorgen Dominoeffekte dafür, dass zahlungsunfähige Firmen weitere Unternehmen mit in die Insolvenz reißen. Drittens ist die restriktive Kreditvergabe der Banken — vor allem bei kleinen und jungen Unternehmen - nach wie vor mitverantwortlich für den Pleitetrend auf weiterhin hohem Niveau.
... dafür Anstieg bei den Privatinsolvenzen
Die Zahl der Privatinsolvenzen stieg in den ersten drei Quartalen des Jahres 2010 um 8 Prozent auf 104.657 Fälle. Obwohl die Fallzahl im schwachen, dritten Quartal 2010 um 0,3 Prozent leicht abnimmt, wird bei den Privatinsolvenzen 2010 als Rekordjahr in die Annalen eingehen — noch vor dem Krisenjahr 2007. Bisher besteht keine Aussicht auf eine Trendwende, allenfalls auf eine Stabilisierung auf hohem Niveau. Entsprechend geht das aktuelle Bürgel Schuldenbarometer unvermindert von 140.000 Verbraucherinsolvenzen für das Gesamtjahr 2010 aus. Besonders betroffen sind jüngere Bundesbürger: In den ersten drei Quartalen 2010 überschuldeten sich 34,5 Prozent mehr der 18- bis 25-Jährigen als im Vergleichszeitraum 2009.
58,9 Prozent aller Privatinsolvenzen haben im Untersuchungszeitraum Männer verursacht: 154 von jeweils 100.000 Männern mussten vor das Insolvenzgericht ziehen — bei den Frauen lediglich 107 von jeweils 100.000. Bei den 18- bis 25-Jährigen tappen indes mehr Frauen mit einem Anteil von 54 Prozent in die Schuldenfalle. Die am häufigsten von der Privatinsolvenz betroffene Altersgruppe ist die der 46- bis 60-Jährigen mit einem Anteil von 32,2 Prozent an der Insolvenzstatistik.
Die häufigsten Ursachen für eine Privatinsolvenz sind weiterhin Arbeitslosigkeit bzw. gescheiterte Selbstständigkeit, Krankheit, Trennung und Tod des Partners. Aber auch eine Haushaltsgründung, eine gescheiterte Immobilienfinanzierung oder ein zum Einkommen unpassendes Konsumverhalten (etwa exzessives Online-Shopping, Kreditkartenkäufe, Null-Prozent-Finanzierungen etc.) können den Weg in die Schuldenfalle verkürzen.
Beide Studien stehen hier zum Download bereit: